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Marktschreier aus ganz Deutschland sind auf dem Postplatz anzutreffen

Ein Deutscher Meister in Dresden Marktschreier aus ganz Deutschland sind auf dem Postplatz anzutreffen

Es klingt sonderbar, ist aber tatsächlich so: auf dem Postplatz in Dresden ist zur Zeit gewissermaßen Prominenz anzutreffen. Denn unter den etwa zehn Buden, die dort aufgebaut sind, gehört eine Joachim Pfaff alias „Wurst-Achim“, dem Deutschen Meister im Marktschreien.

Deutscher Meister im Marktschreien: „Wurst-Achim“
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Es klingt sonderbar, ist aber tatsächlich so: auf dem Postplatz in Dresden ist zur Zeit gewissermaßen Prominenz anzutreffen. Denn unter den etwa zehn Buden, die dort aufgebaut sind, gehört eine Joachim Pfaff alias „Wurst-Achim“, dem Deutschen Meister von 2013. Die Disziplin, in welcher ihm dieses Kunststück gelang, lautet Marktschreien. Ja, diese Meisterschaft gibt es tatsächlich.

Doch dieser Triumph ist nicht der einzige Erfolg, den Wurst-Achim vorzuweisen hat: Seit 2009 ist er mit 110 Dezibel Weltrekordhalter in der Lautstärke und wurde daher in das Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Wie man so etwas schafft? „Es ist eine Atemtechnik“, sagt er, „man nennt sie Flankenatmung. Dabei atmet man über das Zwerchfell. Es gibt auch Schulungen für Opernsänger, weil besonders sie diese Atmung brauchen.“

Denn nur so kann man den Atemdruck regulieren, was schließlich auch für Marktschreier wichtig ist. Aber wie fühlt man sich am nächsten Tag? „Als Marktschreier musst du ja eine Woche oder länger jeden Tag schreien. Durch die Atmung ist die Stimme am nächsten Tag nur rauer, nicht heiser. Das wäre ja tödlich für mein Geschäft!“ Und er kennt sich aus. Der gebürtige Duisburger fährt seit nunmehr 28 Jahren durch ganz Deutschland und verkauft seine Wurstwaren.

Und die Leute lassen sich auch nicht lange betteln. Seine Tüte für 15 Euro mit einem Inhalt, der laut eigener Aussage einem halben Schwein entspricht, verkauft sich dafür, dass nur wenige Menschen da sind, gut. Und das gleich am ersten Tag in Dresden: „Der Anfangstag ist immer schwierig. Jetzt regnet es auch noch, da kommen noch weniger. Aber Bilanz wird immer erst am Ende gezogen“, gibt er sich optimistisch. Das muss er auch sein, denn der Marktplatz ist schlecht gefüllt.

Doch trotz des schlechten Wetters hatte man das Gefühl, dass mindestens jeder Zweite einmal bei Wurst-Achim vorbeigeschaut hat, bevor er wieder gegangen ist. Das kommt auch nicht von ungefähr, denn er ist nicht umsonst der derzeit wohl bekannteste deutsche Marktschreier. Auch im Fernsehen hatte er schon diverse Auftritte, wie zum Beispiel 2014, als das ZDF ihn unter Anderem als das lauteste Lebewesen der Welt bezeichnete. Oder als er 2008 in einer Sendung des RTL einen Brüllaffen besiegte. Während der Marktschreier auf 107,7 Dezibel kam, schaffte das Tier nur 105,8 Dezibel – was immerhin noch etwa so laut wie zehn gleichzeitig vorbeifahrende LKW´s oder ein kleines Rockkonzert ist. Dabei gehören die roten Brüllaffen zu den lautesten Tieren der Welt, deren Schreie bis zu fünf Kilometer weit zu hören sind.

Trotz alldem fokussiert sich Wurst-Achim lieber auf sein Hauptgeschäft, das Marktschreien. Und wenn das Wetter besser wird, gibt es sicherlich auch wieder mehr Kundschaft.

Von Eric Jahnke

Dresden, Postplatz 51.0505 13.732293
Dresden, Postplatz
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