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Mago Bernar alias Werner Bergfeld zaubert nach vielen Jahren wieder in Dresden

Mago Bernar alias Werner Bergfeld zaubert nach vielen Jahren wieder in Dresden

Auf dem Tisch liegen sechs unterschiedliche Gegenstände. Ein Kugelschreiber, ein Handy, ein Schlüsselbund... Sie sind von links nach rechts durchgezählt. Nun soll ich würfeln.

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Zauberer Mago Bernar alias Werner Bergfeld mit einem Teil seiner Requisiten: alte Telefonbücher aus der DDR. Die braucht er für seine Mentalmagie.

Quelle: Carola Fritzsche

Die Zahl, die mir der Würfel anzeigt, steht für einen Gegenstand. Habe ich beispielsweise die zwei gewürfelt, so nimmt Mago Bernar den Kugelschreiber aus der Reihe. So geht das Spiel weiter, bis nur noch ein Gegenstand übrig ist. Klingt auf den ersten Eindruck nicht sonderlich spannend. Aber das wird es, wenn ich erwähne, dass der Zauberer bereits vor dem Experiment wusste, wie es ausgehen wird. Als nur noch mein Mobiltelefon auf dem Tisch vor uns liegt, dreht er meinen Notizblock um. Darauf steht schlicht: Handy. Ich schaue ihn verdutzt an - er lächelt bloß. Man merkt, dass ich nicht die erste Person bin, die ihn so ansieht. Für ihn ist das ein simpler Trick, für mich die pure Magie. Ach ja, ein bisschen gruselig finde ich es auch.

Mago Bernar alias Werner Bergfeld zauberte schon vor Jahrzehnten in der DDR. 1963 wurde er Mitglied im Magischen Zirkel von Deutschland, tourte lange Zeit mit seinem Team durch Ost- und Westdeutschland, 1992 eröffnete er in Gräfenhain ein Zauberschlösschen. Aber, betont er, in der DDR konnte man nicht so einfach loszaubern. Vorher musste man vor einer Kommission eine Prüfung absolvieren. 1976 war es für ihn soweit. In jenem Jahr wurde er offiziell Profizauberer und durfte mit Magie Geld verdienen. Heute ist das nicht mehr so, heute kann jeder öffentlich zaubern, aber Werner Bergfeld besitzt sogar einen richtigen Berufsausweis.

Bei ihm hat es eigentlich klassisch mit der Zauberei begonnen. Im Alter von 13 Jahren sah er einen Zauberer in einem Ferienheim - "da war mir klar, dass ich das auch machen will", lächelt Bergfeld. Aber, wie es mit den großen Magiern leider so ist: Die Tricks sind für jeden ein wohlbehütetes Geheimnis, verraten wird nichts. "Ich habe die Grundkenntnisse von der Pike auf gelernt und mich lange damit befasst", sagt der Magier. Dann verstehe man den einen oder anderen Trick von selbst. Wie fast alle Zauberer ist auch Werner Bergfeld ein Autodidakt: "Zauberei lebt von Geheimnissen." Auch er würde keinen seiner Tricks verraten. Auf meine Frage, wie lange es denn bräuchte, ein guter Zauberer zu werden, antwortet er dann auch: "Ein ganzes Leben."

Illusionen, Täuschungen, Kartentricks oder Entfesselung - mit seinem Programm deckt Bergfeld so ziemlich alle Bereiche der Zauberkunst ab. Sein Spezialgebiet ist die Mentalmagie. Mit seinen Tricks verblüfft er jeden Zuschauer, dennoch nimmt er das nicht für selbstverständlich. "Jedes Publikum ist anders, ich muss mir seine Gunst immer neu erkämpfen." Über 6200 Shows hat er in seinem Leben schon gegeben. Ein Großteil dieser Bühnenshows fand nicht in Deutschland statt. Nach der Wende, im Jahr 1996, wanderte Bergfeld nach Tunesien aus. "Ich wollte auf der Bühne stehen und zaubern", erklärt er. Aber die Gegebenheiten hatten sich stark verändert und für ihn war klar, dass er sich für seine Kunst nicht auf die Straße stellen wollte.

Also ging er dorthin, wo andere Urlaub machen. Zwei Jahre blieb er in Tunesien, zauberte im Family-Club Neckermann, dann zog er weiter nach Mallorca. Dort verbrachte er die letzten vierzehn Jahre, zauberte in Hotels, in spanischen TV-Shows, bei Hochzeiten, Konfirmationen, Geburtstagen, sogar auf großen Kreuzfahrten. Das klingt alles im wahrsten Sinne zauberhaft, wenn Werner Bergfeld von seiner Zeit auf Mallorca erzählt. Doch auch hier musste er seine Zelte abbrechen. Die geplatzte Immobilien-Blase, die Arbeitslosigkeit - alles Faktoren, die Bergfeld dazu bewogen, zurück nach Deutschland zu kommen. Nun wohnt er in Langebrück und hat gleich Anschluss im Magischen Zirkel von Dresden gefunden.

Zum Abschluss zeigt Bergfeld mir noch einen Trick aus der Mentalmagie. Er hält mir mehrere alte Telefonbücher aus der DDR hin, ich solle mir eins aussuchen und irgendwo aufschlagen. Ich blätterte mich durch unzählige Namen und Adressen, bis ich bei einem bestimmten Namen stehen bleibe. Den lese ich ihm vor, genauso wie die Straße und den Beruf der Person. Ich merke sofort, jetzt sitzt nicht mehr Werner Bergfeld, sondern Mago Bernar vor mir. Denn den Rest, die Haus- und die Telefonnummer, nennt er mir. Hat er die Telefonbücher alle auswendig gelernt oder kann er etwa doch meine Gedanken lesen, frage ich mich. Erfahren werde ich es nicht, denn wie er bereits sagte, seine Tricks verraten würde Mago Bernar nie.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.08.2013

Annette Thoma

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