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Luchs zum Schmusen und Holzdekormalerei - ein Dresdner mit ausgefallenen Hobbys

Luchs zum Schmusen und Holzdekormalerei - ein Dresdner mit ausgefallenen Hobbys

Er sieht possierlich aus mit seinem Stummelschwanz, den großen Tatzen und den Pinselohren: der Luchs. Wenn man ihm aber Auge in Auge gegenüber steht, flößt Europas größte Raubkatze durchaus Respekt ein.

Von Catrin Steinbach

"Ach, die tut ihnen nichts. Aber versuchen Sie nicht, sie anzufassen ohne mich. Sie könnten mit der Tatze eine gewischt kriegen", warnt Lutz Weißbach.

Der Tischler ist stolzer Besitzer einer Luchsdame namens Maxy. Die große Katze lebt seit einigen Jahren in einem Gehege auf einem Kleinzschachwitzer Grundstück an der Kyawstraße. Für Luchse begeistert sich der heute 51-jährige gebürtige Dresdner schon seit seiner Kindheit. "Ausgangspunkt waren eigentlich Besuche mit meiner Oma im Dresdner Zoo. Da gab es damals noch Luchse. Sie haben mich fasziniert", erinnert sich Weißbach. Durch den russischen Naturfilm "Abenteuer in der Taiga" wuchs Weißbachs Begeisterung für die große Katze. Der Gedanke, irgendwann einmal selbst einen Luchs zu halten, ließ ihn nie mehr los.

1997 machte Weißbach ernst. Er holte sich Rat beim Tierarzt und beim Veterinäramt, absolvierte einen Lehrgang, investierte in ein Gehege. Dann suchte Weißbach den Kontakt zu Wildtierparks, wurde schließlich in Hamburg fündig. Zweieinhalb Monate alt war der Luchs, den der Tischler kaufte. "Schon zu alt, um ihn zu zähmen", wie Weißbach zum Teil recht schmerzhaft erfuhr. Das Moritzburger Wildgehege nahm Lutz Weißbach den männlichen Luchs nach anderthalb Jahren wieder ab. Dafür bekam er ein neu geborenes Luchsmädchen, seine "Prinzessin", wie er sie nennt. Bis zum Alter von drei Jahren konnte er mit Maxy an der Leine spazieren gehen. Das riskiert Weißbach heute nicht mehr.

Zur Abwechslung für Maxy hat er neben dem Luchsgehege ein zweites für Eichhörnchen gebaut. Der Luchs kommt an die putzigen Tierchen zwar nicht heran, "aber sie foppen sich gegenseitig", so Weißbach. Er verbringt täglich wenigstens eine Stunde bei seinem Liebling - im Gehege und in der Tischlerwerkstatt. Durch einen vergitterten Gang kann Maxy in der kühleren Jahreszeit Lutz Weißbach dort jederzeit besuchen. "Sie kommt, wenn sie will, inspiziert alles neugierig. Wenn sie Lust hat zum Schmusen, gungst sie mich mit ihrem Kopf an. Manchmal putzt sie mich sogar. Aber die hat eine Zunge wie Sandpapier. Das tut ganz schön weh", schmunzelt Weißbach. Manchmal legt sich Maxy aber nur hin und schaut Lutz Weißbach bei der Arbeit zu.

Auch über die gibt es einiges zu erzählen. Denn der Tischler baut und restauriert nicht nur Fenster, Türen und Möbel, sondern hat sich der Holzdekormalerei verschrieben. In einer speziellen Technik und mit einer von ihm entwickelten Farbrezeptur bemalt er Räder, Autos, Kühlschränke, Fernseher und anderes so, dass es aussieht, als wäre es aus Holz gearbeitet. "Für zwei- und vierrädrige Fahrzeuge, Wintersportgeräte und Funktionsmöbel habe ich dafür sogar den Gebrauchsmusterschutz", so der Tischler. Er erregt mit seinen "Holz"-Objekten immer wieder Aufsehen. "Jetzt brauch' ich bloß noch jemanden, der mir bei der Vermarktung hilft. Dafür hab' ich absolut keinen Nerv. Ich bin lieber in meiner Werkstatt und arbeite."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.03.2012

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