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Liebende behängen Dresdner Kunstwerk mit Schlössern – Künstler stellt Liebesbeweis in Frage

Liebende behängen Dresdner Kunstwerk mit Schlössern – Künstler stellt Liebesbeweis in Frage

Wenn die Liebe stark genug ist, macht sie vor keinem Hindernis halt. Auch nicht vor einem Kunstwerk, wie es „Die Woge“ des Dresdner Künstlers Tobias Stengel auf der Augustusbrücke ist.

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Die Liebesschlösser an der Dresdner Skulptur "Die Woge" auf der Augustusbrücke.

Quelle: Dominik Brüggemann

Dutzende Liebende nutzen das löchrige Stahlwerk, um mit ihren Namen gravierte Eisenschlösser an das Denkmal zu hängen. Mit diesem Ritual symbolisieren Verliebte in aller Welt ihre innige Liebe an prominenten Plätzen. Den Künstler stören die Schlösser nur wenig. „Ich will nicht dazu aufrufen, Schlösser an meinem Kunstwerk zu befestigen“, sagt Stengel im Gespräch. Erst wenn sie überhand nehmen, informiert er die Stadt, die als Eigentümer für die Instandhaltung verantwortlich ist.

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Liebende behängen Dresdner Kunstwerk mit Schlössern – der Künstler stellt den Liebesbeweis in Frage.

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Aber solange das Erscheinungsbild nicht gänzlich verändert wird, sind ihm die eisernen Liebesbeweise recht. Immerhin sei es ein Zeichen, dass seine Skulptur angenommen werde, denn Ignoranz störe ihn am meisten. Dabei soll „Die Woge“ am Scheitelpunkt der Augustusbrücke in erster Linie an die Fluten in Sachsen erinnern.

Die Stadt Dresden hat erstmals 2009 die Anbringung der Schlösser an städtischen Bauwerken zur Kenntnis genommen. Wie die Liebe ist manches Schloss jedoch nur von kurzer Dauer. In der Regel werden sie bei Kontroll- und Routinearbeiten an den Brücken, Geländern und Kunstwerken entfernt. An den Brücken durchscheuerten sie den Rostschutz, so die Stadt. Dieses Argument nennt Künstler Stengel als Grund, warum die Schlösser ab und an entfernt werden müssten. „Wenn die Dinger rosten, bleibt eine braune Farbspur an meinem Kunstwerk zurück.“

Dabei stellt er auch den abgeschlossenen Liebesbeweis in Frage: „Wenn die Liebe das nötig hat, stimmt von Anfang an etwas nicht“, ordnet Stengel die Liebesbekundungen ein. Insgesamt müsse eine Skulptur im öffentlichen Raum jedoch die Zweckerweiterung aushalten.

Während es in Dresden den Schlössern mit Bolzenschneidern an die Bügel geht, dürfen Verliebte in Chemnitz auf mehr Verständnis der Verwaltung hoffen. Bundesweit haben etliche Städte eigene Lösungen gefunden. In Erfurt darf nur noch eine Brücke bestückt werden, denkmalgeschützte Bauwerke sind ausgenommen. In Wilhelmshaven befreiten Mitarbeiter die Kaiser-Wilhelm-Brücke von der Eisenlast. Ganz anderes reagierte man in Lübeck. Hier wurden eigens zwei Ketten für neue Schlösser installiert.

Dominik Brüggemann

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