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Leipzig schlägt Dresden als Pyro-Hauptstadt

Leipzig schlägt Dresden als Pyro-Hauptstadt

Statistiken können grausam sein und gefühlte Sieger zu Verlierern machen. Das trifft Dresden hart im Feuerwerks-Vergleich mit dem ewigen Konkurrenten Leipzig.

Der Siegerpokal geht nicht an die Elbe, sondern an die Pleiße. Die Barockstadt hat das Nachsehen, ist der Verlierer im Wettrennen mit der Messestadt. Denn dort werden regelmäßig mehr große Feuerwerke gezündet als in Dresden. Das belegen die Zahlen der letzten fünf Jahre. Auch 2013 bleibt es aller Voraussicht nach dabei, so weit man das sechs Wochen vor dem finalen Feuerwerk des Jahres abschätzen kann. Wieder gewinnt Leipzig.

Da hilft auch nicht, dass Yadegar Asisi bei der Überarbeitung seines Dresden-Panoramas als Reminiszenz an die Tradition bei Hofe ein Feuerwerk eingearbeitet hat. Die Barockstadt bleibt Verlierer - oder weniger hart formuliert: Sie ist zweiter Sieger im Feuerwerksvergleich der drei sächsischen Großstädte, bei dem Chemnitz abgeschlagen auf Rang drei landet.

Doch viel lieber als Leipziger legen Dresdner Hobbyfeuerwerker selbst Hand an. Die Zahl der Feuerwerke der Kategorie II, die auch Laien zünden dürfen, ist in Dresden fast zehn Mal höher als in Leipzig. Solche Knallerei ist vom 2. Januar bis zum 30. Dezember nach Anmeldung beim Ordnungsamt erlaubt, wenn die Raketen nicht zu dicht an sensiblen Orten wie Kirchen und Altersheimen abgefeuert werden. Laut städtischer Feuerwerksstatistik sind Hochzeiten und Hochzeitsjubiläen beliebte Anlässe für diese Feuerwerke, ebenso runde Geburtstage. Neuer Trend: Auch Schuleinführungen kommen oft nicht mehr ohne solche Höhepunkte aus, obwohl die angehenden Erstklässler ja längst im Bett sein sollten, wenn es dafür im Spätsommer dunkel genug ist. Selbst ein Heiratsantrag ist in der Statistik des Dresdner Ordnungsamtes als Anlass für ein Privatfeuerwerk verzeichnet.

Großfeuerwerke sind dagegen ausschließlich Sache von Profis. Sie müssen in der Regel nicht genehmigt sondern nur im Rathaus gemeldet werden. Einwände kann dabei höchstens das Umweltamt geltend machen, das etwa die Brutzeiten von Vögeln kennt und den Naturschutz überwacht. Doch nicht immer überzeugen dessen Einwände auf den ersten Blick. So wurde zum Beispiel Feuerwerker Mathias Kürbs im August 2007 ein Feuerwerk über Schloss Pillnitz vom Umweltamt untersagt. Einerseits könnten die Vögel auf der Pillnitzer Vogelschutzinsel stark beunruhigt werden, argumentierte der Sachbearbeiter. Andererseits sei nicht ausgeschlossen, "dass das Abbrennen des Feuerwerkes ... sogar zum tödlichen Unfall der Kleinen Hufeisennase führt", heißt es in der Absage. Denn Dresdens berühmteste Fledermausart habe seit 2001 ein Quartier im Dachboden des Schlosses. Das Feuerwerk fiel schließlich aus.

Dresdens Marketingchefin Bettina Bunge berichtet, dass zwei Feuerwerkstermine der Landeshauptstadt weit über die Stadtgrenzen hinaus von Interesse sind. Die Pyrogames, bei denen Profifeuerwerker regelmäßig ihr Können zeigen, und das Silvesterfeuerwerk auf dem Theaterplatz. Mit dem Silvesterfeuerwerk werde auch für die Landeshauptstadt geworben unter dem Motto "Dresden gibt dem Winter Glanz", sagt Bunge. Und sie ist wie viele Dresdner weiter der Ansicht, dass die Barockstadt letztlich doch wenigstens die sächsische Feuerwerkzentrale ist. Reines Bauchgefühl und deshalb kaum zu widerlegen. "Mein Eindruck ist, dass wir zu den Städten mit den höchsten Feuerwerkfrequenzen gehören", sagte Bunge, ohne die Statistikzahlen zu kennen. Und weiter: "Schließlich gibt es nicht nur offizielle, sondern auch ganz viele Privatfeuerwerke." So gesehen hat sie recht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2013

Springer, Christoph

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