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Künstler Sebastian Bestier aus Dresden arbeitet mit geistig behinderten Jugendlichen zusammen

Künstler Sebastian Bestier aus Dresden arbeitet mit geistig behinderten Jugendlichen zusammen

In seinem Atelier "Auszenstelle" an der Fichtenstraße 11 sieht es derzeit noch recht chaotisch aus. Dennoch bemerkt man auf den ersten Blick, dass der 27-jährige Sebastian Bestier ein Künstler ist.

Von nadine steinmann

Überall hängen Gemälde an den Wänden und sowohl Pinsel als auch Farbeimer liegen herum. Ein paar Zeichnungen von einem Grundstück mit Bäumen sehen allerdings so gar nicht nach einem professionellen Maler aus: "Die haben Jugendliche gemacht, mit denen ich seit längerem zusammenarbeite", erzählt der gebürtige Wolgaster. Gemeint sind junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren, die derzeit im sächsischen Krankenhaus Arnsdorf sind. "Diese Jugendlichen müssen mit Behinderungen und psychischen Störungen leben. Es ist schwer, mit ihnen umzugehen, aber die Arbeit macht mir Spaß", sagt Bestier. Von Montag bis Mittwoch ist er direkt vor Ort und versucht seinen Workshop-Teilnehmern die Kunst des Malens beizubringen. Donnerstag und Freitag kommen die Jugendlichen dann in sein Atelier, um dort weiter an ihren Fähigkeiten zu arbeiten.

Die Arbeit mit den jungen Menschen ist ein 40-Stunden-Job, zu dem Bestier eher zufällig gekommen ist. "Vor einem Jahr war ich auf der BRN und habe gemalt. Dort kam die Inhaberin der Klinik auf mich zu und bot mir gleich einen Job an", erinnert sich der 27-Jährige. Seitdem ist er über den gemeinnützigen Verein "Panta Rhei", der sich mit der Integration von jungen Menschen beschäftigt, angestellt.

Aber das soll es noch nicht gewesen sein. Neben der Arbeit mit den Jugendlichen muss schließlich auch seine eigene Kunst vorankommen. In dem Bereich fährt er aber nicht nur eingleisig, sondern beteiligt sich an vielen verschiedenen Projekten. So gestaltet er beispielsweise bei der Messe "Designers' Open" vom 26. bis zum 28. Oktober in Leipzig eine Rauminstallation. Zusätzlich stellt er selber am 27. Oktober seine Werke aus der Reihe "Romantic" aus. Thema der Bilder ist Stadtarchitektur.

Doch bevor es nach Leipzig geht, präsentiert Sebastian Bestier noch eine weitere Ausstellung in Dresden vom 5. bis 7. Oktober. Dabei arbeitet er mit drei weiteren Künstlern zusammen. Das Projekt nennt sich "Defluxion" und steht in diesem Jahr unter dem Thema "Elektrolyte". "Wir suchen uns immer eine neue Immobilie in Dresden, in der noch nie Kunst stattgefunden hat und stellen dort gemeinsam aus", erzählt der Wahl-Dresdner. Vor allem das Arbeiten mit anderen Künstlern reizt den gelernten Lackierer. "Auf diese Art und Weise können verschiedene Ideen in einem Bild zusammenfließen. Das ist viel spannender, als allein vor der Leinwand zu stehen", erklärt Bestier.

Neben der Malerei macht er aber noch viele andere Sachen: Von der Streetart über Bildhauerei bis hin zur Fassadengestaltung kennt sich der 27-Jährige aus. Selbst im Bereich der Fotografie ist er unterwegs. "Die nutze ich aber mehr als Muse für meine Arbeiten. Aber man kann schon sagen, dass ich ein Workaholic bin", stellt der Künstler fest. Doch das ist ihm egal, sein Hobby ist zur Berufung geworden und er würde nichts daran ändern wollen. "Das einzige was ich gerne noch machen würde ist größer zu arbeiten, also an Leinwänden die mindestens eine Breite von zwei Metern haben", überlegt Bestier. Ob er das neben den zahlreichen anderen Aktivitäten noch schaffen wird ist fraglich, denn auch ein Künstler muss wohl oder übel mal schlafen.

Die Ausstellung "Elektrolyte" öffnet heute um 19 Uhr beim Verein Freiraum Elbtal, Leipziger Straße 33. Am Sonnabend und Sonntag ist sie ab 14 Uhr zu sehen. Dabei können auch Workshops belegt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.10.2012

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