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Kristopher Lawrence: Zwei Seelen in einer breiten Brust

Kristopher Lawrence: Zwei Seelen in einer breiten Brust

Zwei Seelen schlagen in der Brust - das klingt nach einem leicht angestaubten Problem: Goethe, Faust I, Schulstoff. Dennoch beweist die Formel ihre Aktualität, passt sie doch maßgeschneidert auf Kristopher Lawrence.

Der 19-jährige Absolvent der Dresden International School balanciert zwei Leidenschaften: Das Herz des breit gebauten Dresdners schlägt sowohl für American Football - das Spiel mit dem eiförmigen Leder - und Hiphop - dem musikalischen Spiel mit Worten. Ein Portrait.

Geboren wurde Kristopher als Sohn, eines weltberühmten Opernpaares in North Carolina. Schon früh ist er aufgrund der Mobilität seiner Eltern um die Welt gekommen und auch in den Vereinigten Staaten wurde der Wohnsitz häufiger gewechselt. Von Asien bis Europa, von New York nach Baltimore. Im zarten Alter von fünf Jahren zog es seine Eltern schließlich nach Deutschland, genauer nach Stuttgart. Dort fing er an, Deutsch zu lernen, besuchte eine Grundschule und sang auch bald im Kinderchor der Oper. "Ich habe schon immer gesungen", erinnert sich Kristopher. "In meiner Verwandtschaft haben mich alle als den nächsten kleinen Opernsänger gesehen, aber ich wusste gleich, dass das nicht mein Ziel ist."

Er begann an seiner sportlichen Laufbahn zu arbeiten und fing bei den Stuttgart Scorpions an, Football zu spielen. Die Leidenschaft für das Spiel mit den großen behelmten Kerlen hatte er aus den USA mitgebracht. Er arbeitete sich immer weiter nach vorn - und fand auf diese Weise seinen Ausgleich vom Alltag.

Die nächste und vorerst letzte Station seiner Reise ist Dresden. Neue Menschen, neues Glück. Weiterhin spielt der Defensive Lineman Football und wird im nächsten Jahr sogar bei den Herren der Dresden Monarchs in der höchsten deutschen Spielklasse verteidigen. Ein großer Schritt für ihn, davon leben kann er aber nicht.

Dafür hat Kris begonnen, das ihm offenbar von seinen Eltern in die Wiege gelegte musikalische Talent zu nutzen. Er verfasst eigene Raptexte. "Wahrscheinlich war es mein rebellisches Denken, das mich zu Hip-Hop geführt hat", meint Kris, der sich den Künstlernamen Good Guy zugelegt hat. "Ich wusste zwar schon immer, dass mein Leben etwas mit Musik zu tun hat, aber ich habe mich nicht als Opernsänger in einem Konzertsaal gesehen!"

Gemeinsam mit einem Freund begann er, Musik zu produzieren. Mit Money JunX Monopol hat er in Dresden auch eine Labelheimat gefunden und veröffentlichte im Februar ein frei erhältliches Mixtape. Auf 17 Anspielstationen beweist sich Good Guy als talentierter musikalischer Hip-Hopper; präsentiert sich dem Hörer eine in Dresden bisher noch nicht vorhandene Mischung. Gesungene Refrains sind keine Seltenheit und die musikalischen Untermalungen klingen nach professionellen Produktionen. Was unterscheidet Kristopher, der durchweg auf Englisch rappt, von anderen Dresdner Rapmusikern? "Ganz klar, ich bin offener!", antwortet er. "Ich höre mir neue Styles an, versuche mich an verschiedenen Beats und bleibe nicht unbedingt einer Linie treu."

Das zeugt von Selbstbewusstsein. Tatsächlich kann er eine breite Themenvielfalt vorweisen, macht Musik für den Moment. "Ich möchte, dass man meine Musik hört und sich ohne Vorurteile eine Meinung bildet. Es geht mir natürlich darum, meine Kunst zu teilen, aber vor allem habe ich vor, die Menschen auch über Deutschland hinaus zu erreichen," sagt er mit durchaus nachdenklichem Ton. Er bezeichnet sich selbst als Deutschrapper, der nicht auf Deutsch rappt. Durch seine Familie, aber auch durch das Rumkommen in der Welt hat er viele kulturelle Eindrücke und Einflüsse sammeln können, was seine Musik widerspiegelt. Demnächst soll eine neue EP erscheinen. Allerdings wird es bis dahin kein einfacher Weg sein. Er werde sich mit seinem Teilzeitjob als Promoter und Einnahmen von Auftritten durchschlagen, meint Kris.

www.facebook.com/GoodGuydresden

Konrad Claus

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