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Kastelruther Spatzen: Kriegsflüchtlinge muss man aufnehmen

Interview mit Frontmann Norbert Rier anlässlich des Dresden-Konzerts Kastelruther Spatzen: Kriegsflüchtlinge muss man aufnehmen

Die Kastelruther Spatzen glauben an die völkerverbindende Wirkung der Volksmusik. „Grundsätzlich ist Musik dazu da, Brücken zu schlagen“, sagt Frontmann Norbert Rier am Rande des Konzertes in Dresden im Interview. Dabei spricht er auch über die Flüchtlingskrise und Missgunst in der Branche.

Dresden. Volksmusik statt Rock: Die Kastelruther Spatzen haben am Samstag in Dresden den Alten Schlachthof zum Beben gebracht. Dort, wo sich normalerweise Rockbands die Klinke in die Hand geben, sorgten nun die Südtiroler für beste Stimmung. Der Saal war restlos ausverkauft. Im Mai erscheint das neue Album der Gruppe. „Wir müssen noch ein paar Lieder im Studio einspielen“, verriet „Spatzen“-Frontmann Norbert Rier der Deutschen Presse-Agentur. Die Band werde ihrem Stil treu bleiben. Die aktuelle Deutschland-Tour endet am 12. März in Wetzlar.

Die Kastelruther Spatzen glauben an die völkerverbindende Wirkung der Volksmusik. „Grundsätzlich ist Musik dazu da, Brücken zu schlagen“, sagt Frontmann Norbert Rier am Rande des Konzertes in Dresden im Interview. Dabei spricht er auch über die Flüchtlingskrise und Missgunst in der Branche.

Frage: Heimat ist für Ihre Musik ein wichtiger Begriff. Heute sind Millionen Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat. Ihre Band hat schon früher ein Lied über diejenigen gemacht, die in Lampedusa ankommen. Was bewegt Sie, wenn Sie Bilder von Flüchtlingen sehen?

Antwort: Heimat ist etwas sehr Wichtiges. Das spiegelt sich auch in unseren Liedern wieder. Jeder Mensch braucht ein Zuhause. Als wir das Lied „Der erste Tag im Paradies“ schrieben, hat keiner von uns geahnt, welche Ausmaße das einmal annehmen würde. Schon damals war das System durchschaubar, wie Schlepper mit Versprechungen Menschen locken. Kriegsflüchtlinge muss man aufnehmen. Wir dürfen aber auch die Hintergründe nicht zu vergessen, müssen an Ursachen der Kriege denken, an Waffenlieferungen, die Kriege begünstigen. Krieg ist ein großes Geschäft, Leidtragende sind die Menschen - vor allem Kinder.

Teilen Sie die Befürchtung vieler Menschen in Europa, dass Flüchtlinge unsere Gesellschaft verändern?

Wenn Flüchtlingsströme eine solche Dimension annehmen, besteht immer die Gefahr, dass sich auch Verbrecher daruntermischen. Man sollte davon ausgehen, dass diejenigen, die zu uns kommen, sich an die neue Heimat anpassen. In erster Linie geht es aber darum, die Probleme in den Herkunftsländern zu lösen.

Würden Sie gern mal in einem Flüchtlingscamp spielen?

Grundsätzlich ist Musik dazu da, Brücken zu schlagen. Musik hat etwas Völkerverbindendes. Sie dient dazu, mal abschalten und genießen zu können. Die Menschen möchten sich manchmal auch ein bisschen heile Welt zurechtlegen, mal die Seele baumeln lassen. Das ist für jeden wichtig. Musik soll Balsam für die Seele sein.

Wenn man Erfolg hat, gibt es Neid und Missgunst. Ist das in der „heilen Welt“ der Volksmusik genauso?

Neid muss man sich hart erarbeiten. Mitleid kriegt man geschenkt. Wenn man beneidet wird, ist das ein Zeichen dafür, dass man es geschafft hat. Damit muss man leben, damit lernt man umzugehen. Manchmal tut so etwas aber auch weh. Doch das sind Dinge, die man aushalten muss, wenn man in der Öffentlichkeit steht.

Heute jährt sich ein Tag, der für die Band traumatisch war. Nach einem Konzert in Magdeburg wurde am 6. März 1998 ihr Manager Karl-Heinz Gross ermordet. Die Umstände sind bis heute unklar. Belastet Sie alles das noch immer?

Natürlich macht man sich immer Gedanken darüber. Die Ungewissheit ist sehr schlimm. Man hört tagtäglich von solchen Verbrechen, aber wenn es einen selber betrifft, ist das etwas ganz anderes. Die Familie von Karl-Heinz Gross hat sich inzwischen gut gefangen. Er bleibt für uns in guter Erinnerung. Wir sind sonst von Schicksalsschlägen und Unfällen verschont geblieben. Auch, wenn man daran denkt, wie viel wir nachts nach Konzerten unterwegs sind. Man kann immer wieder nur hoffen und braucht einen guten Schutzengel.

Sie sind seit mehr als 30 Jahren im Geschäft, gelten als erfolgreichste Gruppe der volkstümlichen Musik. Wie hält man eine Band so lange bei Laune, wie motiviert man sich da noch?

Das frage ich mich manchmal auch. Sicher häufen sich die Momente, in denen man denkt: Wie lange hält man das noch durch? Wie lange wollen einen die Fans noch hören? Aber wenn man sieht, wie das Publikum begeistert ist, dann ist das auch ein Ansporn. Wir fühlen eine Verpflichtung den Fans gegenüber. Mit etwas, was man selber gern macht, Freude zu bereiten, gibt uns Motivation.

ZUR PERSON: Norbert Rier (55) ist Sänger der Kastelruther Spatzen und hat als Landwirt zudem eine Haflingerzucht. Die „Spatzen“ haben 13 Mal den deutschen Schallplattenpreis Echo gewonnen und sind damit die erfolgreichsten Interpreten dieses Wettbewerbes überhaupt.

dpa

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