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Kampf um Dresdner Straßenbäume - Grüne pflanzen ohne Genehmigung

Kampf um Dresdner Straßenbäume - Grüne pflanzen ohne Genehmigung

Die einen nennen es illegal. Die anderen bürgerschaftliches Engagement. Gestern haben Stadträte der Fraktion Bündnis 90/Grüne an der Bautzner Straße einen Baum gepflanzt.

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Die Grünen-Stadträte Torsten Schulze und Elke Zimmermann pflanzen an der Bautzner Straße einen Götterbaum.

Ohne amtliche Genehmigung, denn die würden sie sowieso nicht bekommen, ist Susanne Lerm, Geschäftsführerin der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Grüne überzeugt. Reichlich vier Meter hoch ist der Götterbaum und etwa 400 Euro wert. "Eine Baumart, die den schwierigsten Standortbedingungen trotzt, Streusalz, Bodenverdichtung und Luftverschmutzung aushält", weiß Lerm. Zudem stehe der Götterbaum auf der Straßenbaumliste, die die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz zusammengestellt habe, begründen die Grünen ihre Wahl.

Trotzdem wird dieser Götterbaum vermutlich kein langes Leben an der Bautzner Straße haben. Denn Bürger und Stadtverwaltung liefern sich seit geraumer Zeit einen regelrechten Kampf um Straßenbäume in Dresden. "Vor Jahren haben engagierte Bürger insgesamt 90 Ebereschen an der damals kahlen Louis-Braille-Straße und der Arndtstraße gepflanzt. Die Stadt hat die Bäume nach einem knappen halben Jahr entfernt. Erst nach heftigen Protesten wurden dann 2007 bzw. 2008 auf der Braille-Straße Birken und auf der Arndtstraße Zierkirschen gepflanzt - 42 Bäume insgesamt", erzählt Grünen-Stadtrat Torsten Schulze.

Auf der "Bautzner" scheint der Kampf um Straßenbäume zu eskalieren. Der Grund: Seit Jahren wird der Zustand der einstigen Allee Bautzner Straße immer trostloser, die Zahl der Bäume - gepflanzt sind hier Kastanien - nimmt ab. Leere Baumscheiben künden davon. "Erst hat das zuständige städtische Amt gesagt, es fehle das Geld für Nachpflanzungen. Dann wieder wurde der geplante Ausbau der Bautzner Straße vorgeschoben. Doch wann der beginnt, steht in den Sternen", sagt Lerm. Sie kann auch nicht nachvollziehen, dass man wegen der Optik eine Allee nur komplett neu bepflanzt. "Wir sollten weniger nach Lehrbuch handeln, sondern gucken, was geht."

Lerm will sich wie viele Dresdner nicht mit dem schleichenden Verschwinden der Allee abfinden. Seit 2006 haben an der Bautzner Straße Bürger 21 Bäume nachgepflanzt. "Das Amt für Stadtgrün hat sie nach und nach wieder entfernt. Eine große Aktion gab es vor Weihnachten", berichtet Schulz. Zwischen Weihnachten und Neujahr hätten Bürger erneut Bäumchen nachgepflanzt, die Anfang dieses Jahres prompt wieder verschwanden. Und nicht nur das. Die Grünen werfen der Stadtverwaltung vor, ohne Beweise bestimmte Anwohner des illegalen Handelns zu verdächtigen und auf Verdacht für das amtliche Roden der Bäumchen zur Kasse zu bitten. Ein Jammer, dass alle Beteiligten nicht auf einen grünen Nenner kommen. Leider kam ein Gespräch mit Detlef Thiel, dem Leiter des Amtes für Stadtgrün, gestern darüber nicht zustande. Heute steht die Chance dafür gut, denn Thiel hat an die Tharandter Straße eingeladen - zur Baumpflanzung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2012

Catrin Steinbach

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