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Inder pflegen britisches Erbe in Dresden - 56 Mitglieder zählt der hiesige Cricket Club

Inder pflegen britisches Erbe in Dresden - 56 Mitglieder zählt der hiesige Cricket Club

Seit elf Jahren hat der Genforscher Francis Stewart einen Lehrstuhl in Dresden. Die Stadt hat alles: schöne Lage, reizende Architektur, eine inzwischen für excellent erklärte Universität.

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Dresden . Dresden (DNN). Seit elf Jahren hat der Genforscher Francis Stewart einen Lehrstuhl in Dresden. Die Stadt hat alles: schöne Lage, reizende Architektur, eine inzwischen für excellent erklärte Universität. Nur eines, das fehlte dem Australier hier: ein Verein, bei dem er Cricket spielen kann. Vor fünf Jahren hob er mit gleichgesinnten Mitstreitern den Cricket Club Dresden als Abteilung des Rugbyvereins Dresden aus der Taufe, fungierte anfangs als Kapitän auf dem Feld, ehe er sich in die Clubleitung zurückzog. Heute schwingen dort vor allem Studenten und junge Wissenschaftler den Schläger aus Weidenholz, um den mit Kork und Leinen hart gestopften Lederball so über das Spielfeld zu schlagen, dass die gegnerischen Spieler es möglichst schwer haben, ihn zu fangen.

"Wir sind schon eine recht hirnlastige Mannschaft", meint Club-Sprecher Severin Weiß augenzwinkernd. Das hat aber weniger damit zu tun, dass Gründer Stewart TU-Professor ist. Der Großteil der Mannschaft setzt sich aus indischen Spielern zusammen und die sind meist als Wissenschaftler oder Mitarbeiter an den zahlreichen Forschungsinstituten nach Dresden gekommen. "Wir haben allerdings auch einen fliegenden Teppichhändler in der Mannschaft", sagt Weiß. In den Commonwealth-Ländern wie Indien, Pakistan, Neuseeland und Australien hat Cricket einen ganz anderen Stellenwert als hierzulande, sind gute Spieler bekannt wie Popstars. Immerhin keimt auch in Sachsen das zarte Pflänzchen Cricket. In Leipzig befinde sich gerade ein Club in Gründung, sagt Weiß. "Bisher sind wir die einzigen im Land."

Deshalb müssen die Dresdner weite Wege in Kauf nehmen, wenn sie sich mit anderen Clubs messen wollen. In der Berlin League konkurrieren sie mit vier Teams aus der Bundeshauptstadt, haben kürzlich die Saison als dritter abgeschlossen. In der Prager Liga, wo die Dresdner ebenfalls Spielrecht haben, hat der Verein die Meisterschaft knapp verpasst. "Da ging im entscheidenden Spiel der letzte Ball des Spiels verloren - schon ein bisschen ärgerlich", sagt Weiß.

56 Mitglieder zählt die Cricket-Abteilung des Vereins Rugby-Cricket Dresden, wie sich das Konglomerat britischer Sportarten seit Kurzem nennt. 14 davon gehören zur Jugendabteilung, die seit etwa einem Jahr besteht. Als Verstärkung einer Berliner Mannschaft hat der Nachwuchs im vorigen Jahr schon an der in Hamburg ausgetragenen deutschen Meisterschaft teilgenommen. Einfach sei die Jugendarbeit keineswegs. "Es ist schwierig, die Kinder bei Laune zu halten", sagt Weiß, der selbst als Schüler in der Schweiz zu Cricket kam. "Für die jungen ist es manchmal etwas langweilig, 20 Minuten an einem Platz stehen zu bleiben." Denn anders als beim Fußball geht es im Cricket nicht um Zweikämpfe und Sprints, sondern um Geduld, Konzentration und Ballgefühl: Zwei Schlagmänner stehen sich dabei auf einem Pitch genannten schmalen Streifen in der Mitte des etwa eineinhalb Fußballfelder großen Spielfelds gegenüber. Sie müssen die Wickets genannten Holzgestelle mit ihren Schlägern schützen. Von einer Seite der Pitch wirft ein Spieler der gegnerischen Mannschaft den Ball in Richtung des Wickets, der Schlagmann muss ihn abwehren, sonst scheidet er aus. Den ins Feld geschlagenen Mann müssen, ähnlich wie beim Baseball, die Mannschaftskameraden des Werfers fangen und wieder zurück zur Pitch werfen. Solange der Ball unterwegs ist, können die beiden Schlagmänner von einer Seite der Pitch zur anderen laufen und auf diese Weise "Runs", das heißt Punkte erzielen. Das geht klassischerweise solange, bis zehn der elf Spieler der schlagenden Mannschaft ausgeschieden sind, dann wechseln die Teams ihre Rollen.

Da das einige Zeit in Anspruch nehmen kann, dauern Cricket-Matches mitunter mehrere Tage. In Dresden wird meist mit einer Beschränkung gespielt, die maximal 300 Würfe pro Mannschaft erlaubt. Es können dennoch fünf bis sieben Stunden vergehen, ehe ein Match beendet ist. Diese Spieldauer wirkt hierzulande befremdlich, wird anderswo zur Freizeitgestaltung genutzt. "In England ist es üblich, dass die Familien zum Spiel kommen und Picknick essen oder grillen", sagt Weiß.

Turnier: Am Wochenende richtet der Verein im Ostragehege ein großes Turnier mit Mannschaften aus Berlin und Prag aus. Spielbeginn auf dem Spielfeld unterhalb der DSC-Halle ist jeweils ab 13.30 Uhr.

Anmeldung zum Männertraining (Mi., gegen 17 Uhr im Ostragehege unterhalb der DSC-Halle): sivaram_s_79@yahoo.com; zum Jugendtraining (Do., 16.30 Uhr): severin_weiss@t-online.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.09.2012

Uwe Hofmann

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