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In Dresden gibt es keine Wölfe, aber einen Wolfsbeauftragten

In Dresden gibt es keine Wölfe, aber einen Wolfsbeauftragten

In der Region Dresden gibt es keine Wölfe. "Zum Glück", denkt sich so mancher Anwohner und Nutzvieh-Besitzer im Stillen. "Zum Glück", sagt auch der Dresdner Wolfsbeauftragte.

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Der Dresdner Wolfsbeauftragte Sebastian Schmidt mit einem Wolf. Das Tier ist ein ausgestopftes Exemplar aus Österreich.

Quelle: Franziska Schmieder

Denn dann würde für Sebastian Schmidt der Stress beginnen. "Dann melden sich Menschen, die Angst haben oder die möchten, dass das Tier ausgerottet wird." Doch Angst müsse man vor dem scheuen Räuber keine haben.

Schmidt hat selbst auch noch keinen freilebenden Wolf zu Gesicht bekommen. "Die Tiere wittern den Menschen und ziehen sich zurück", erklärt er. Höchst unwahrscheinlich also, dass ein Wolf einen Menschen anfällt. "Doch manche Menschen sind sehr festgelegt in ihrer Meinung, obwohl die Mehrzahl der Leute dem Tier positiv gegenübersteht", schildert er seine Erfahrung aus vielen Gesprächen.

Nutzvieh ist da schon gefährdeter. Im Jahr 2002 gab es einen großen Riss, bei dem mehr als ein Dutzend Tiere verendeten. "Quasi über Nacht wurde dann das sächsische Wolfsmanagement erfunden", erzählt Schmidt, der von Haus aus eigentlich Agraringenieur und im Hauptberuf Leiter der Unteren Naturschutzbehörde ist. Jetzt existiert für Sachsen ein Wolfsmanagementplan, der detailliert festlegt, wie mit Rissen umzugehen ist und den Umgang mit auffälligen Tieren regelt. Im Rahmen des Plans wurde in jedem Landkreis ein Wolfsbeauftragter als Ansprechpartner benannt - unabhängig davon, ob dort tatsächlich ein Rudel lebt. Und deshalb hat auch die Stadt Dresden einen Wolfsbeauftragten.

Da Sebastian Schmidt jedoch in seinem Arbeitsgebiet keine Wölfe vorfindet, beschränkt sich seine Tätigkeit vor allem auf das Halten von Vorträgen, beispielsweise vor Schulklassen. Auch "Sichtungsmeldungen" gehen bei ihm ein. Bei den meisten verlässt der studierte Agraringenieur aber gar nicht erst seinen Schreibtisch. "Die erste Wolfsmeldung aus Dresden kam um 4 Uhr morgens und beschrieb fünf Wölfe hinter dem Kulturpalast", erklärt er schmunzelnd die Gründe dafür. Die meisten Meldungen sind Irrtümer. Eine einzige Meldung sei nicht ganz so unwahrscheinlich gewesen: eine Wolfssichtung auf dem Heller. "Das könnte theoretisch sein", meint Schmidt, obwohl er, wenn überhaupt, eher mit Zuwanderungen aus der Lausitzer Heide und dem Seifersdorfer Tal rechnet. Theoretisch könnte das unter Artenschutz stehende Tier auch in der Umgebung von Dresden heimisch werden. "Wölfe sind sehr tolerant. Sie leben zum Beispiel auch in den Vorstädten von Rom", weiß Schmidt. Alles, was sie brauchen, ist ihre Ruhe.

Aber noch ist es hier in Dresden ja nicht so weit und Sebastian Schmidt hat noch andere Aufgaben. Als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde kümmert er sich zum Beispiel auch um die Biber in Dresden: "Unter der Marienbrücke wohnen zum Beispiel welche. Das wissen nur wenige." Kritisch wird es, wenn die fleißigen Nager mit ihren Dämmen einen Bach stauen und das Wasser in die Keller der Anwohner fließt.

"Biber gibt es an der Elbe in rauen Mengen", erzählt Schmidt. Und das ist doch eine interessante Abwechslung zur Beschäftigung mit einem Tier, das in seinem Arbeitsbereich gar nicht heimisch ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.03.2012

Franziska Schmieder

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