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Im schwarzen Sack von Yoko Ono: Wie eine Dresdnerin bei John Lennons Witwe Energie tankte

Im schwarzen Sack von Yoko Ono: Wie eine Dresdnerin bei John Lennons Witwe Energie tankte

Pfingsten steht bei Andrea Noack ein Besuch im Beatlesmuseum Halle fest im Terminkalender. Dort treffen sich traditionell aktive Beatlesfans, zu denen sich die Dresdnerin seit Langem zählen kann.

Sie hat viel zu berichten. Ist die 59-Jährige doch unlängst Yoko Ono, John Lennons Witwe, hautnah begegnet. In der Frankfurter Kunsthalle Schirn erlebte sie die Kunstprojekte der 80-jährigen Yoko Ono und war sogar selbst ein Teil davon. Bei einem Performance-Abend im Dominikanerkloster lernte sie die Künstlerin und ihre Lebensansichten noch intensiver kennen. Zum Abschluss gönnte sich Noack in Berlin das Konzert der Plastic Ono Band - dicht dran an der Bühne und mit Empathie für Mutter Yoko und Sohn Sean Lennon. Sternstunden für einen wahren Fan.

"Aufregende Tage waren es. Yoko wirkte sehr sympathisch und ,normal', obwohl man sie auf diesem Podest im Sessel platziert hatte wie eine Queen", hatte die Dresdnerin unter anderem notiert. Inzwischen ist ihr Erlebnisbericht im "Things", der Publikation des Beatlesmuseums, erschienen. Im Gespräch mit der DNN ergänzt Noack ihre Eindrücke: "Ich finde Yoko Ono nicht nur nett, sondern auch sehr souverän zum Beispiel im Umgang mit peinlichen Fragestellern. Sie ist gar nicht zickig oder überdreht, sondern voller Energie."

Die Begegnung hat spürbare Wirkung hinterlassen. Yokos Lebensphilosophie sei geprägt von Verständigung, Liebe, Toleranz und Aufeinanderzugehen, sagt Noack. Das wäre eine Lösung für viele Probleme, findet sie. Mit 59 Jahren ist das Fanleben eben mehr als nur Fun an der Oberfläche. Die diplomierte Hydrologin kniet sich gern richtig in die Dinge, die ihr Spaß machen. Dazu gehörte unter anderem auch das Theater- und Musikprojekt "Heimlicht" vergangenen Herbst in einem Johannstädter Hochhaus. "Auch hier waren Verständigung und Aufeinanderzugehen wichtige Grundlagen", sagt sie.

Ganz wörtlich ums Hineinknieen ging es nun in Yoko Onos Retrospektive in der Frankfurter Schirn. Andrea Noack zögerte nicht und war die Erste, die sich in den schwarzen Sack der Performer-Pionierin traute. Wie schon vor 50 Jahren zeigt die Aktion: Meist sieht man nur die Hülle eines Menschen und nicht, was darin vorgeht. Anders das Plexiglas-Labyrinth. Wer sich darin bewegt, bleibt sichtbar. Im Zentrum des Objektes besteht die Chance, mit Yoko zu telefonieren. Auch für diesen öffentlichen Selbstversuch brauchte die Besucherin aus Dresden keine lange Aufforderung und wurde schnell zum begehrten Motiv anwesender Fotografen.

Nur die berühmte Leiter, auf der schon John Lennon stand, blieb tabu. Dort wäre die Beatlesbegeisterte zu gern hochgestiegen, um das "Yes" an der Decke selbst in Augenschein zu nehmen. Schließlich begann damit die Liebesgeschichte zwischen John und Yoko. Doch für die Leiter galt: "Betreten verboten." Für die Diplomingenieurin sind die Installationen und Aktionen der berühmten Witwe allesamt des Nachdenkens wert. So war die Dresdnerin nicht zuletzt auch vom Objekt "Cricket Memories" berührt, den Katastrophen der Menschheit, in die hier der 13. Februar 1945 in Dresden eingereiht ist.

Seit rund 45 Jahren gehört Andrea Noacks Herz den Beatles. Was mit anstrengendem Musikhören gestörter Rundfunksender begann, setzte sich später mit Reisen nach Liverpool oder London fort. Sogar ein Autogramm von Paul McCartney kann sie heute vorweisen. Jetzt liegt im Regal dazu noch die Scherbe einer Vase. Yoko Ono übergab die Stücke dem Publikum mit der Aufforderung, in zehn Jahren wiederzukommen und das Gefäß zusammenzusetzen. Ein Puzzleteil vom Himmel aus einer anderen Aktion der Künstlerin habe sie schon, freut sich Noack. "Yoko hat erklärt, sie habe Energie für 200 Jahre. Und ich habe das Gefühl, dass ich von dieser Energie etwas mitgenommen habe."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.05.2013

Genia B.

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