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Hate Poetry in Dresden: Leserbriefe geben Einblicke in die Pegida-Welt

Hate Poetry in Dresden: Leserbriefe geben Einblicke in die Pegida-Welt

Mit einer fulminanten vierstündigen Show hat das Format "Hate Poetry" am Freitagabend seine Dresden-Premiere gefeiert. Deutsche Journalisten mit Migrationshintergrund lasen im ausverkauften Scheune-Saal aus ihren schlimmsten Leserbriefen vor.

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Hasserfüllte Post als Partythema - deutsche Journalisten mit Migrationshintergrund lasen in der Scheune aus ihren schlimmsten Leserbriefen.

Quelle: Stephan Lohse

Seit knapp drei Jahren gibt es das Format inzwischen.

Die Idee hatte damals die taz-Journalistin Ebru Taşdemir, die zusammen mit ihrer Kollegin und "Applausometer" Doris Akrap durch den Abend führte. Neben Zeit-Redakteur Yassin Musharbash lasen Spiegel-Redakteurin Özlem Gezer, Publizistin Mely Kiyak, Zeit-Redakteurin Özlem Topçu und taz-Redakteur Deniz Yücel aus ihren ganz persönlichen Leser-Zuschriften vor. Ziel des Ganzen: "Wir nehmen diesen Scheiß und machen daraus ne Party", wie es Yassin Musharbash ausdrückte.

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Eindrücke von "Hate Poetry" in der Dresdner Scheune.

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Wohin der Abend gehen sollte, machte das Septett gleich zu Beginn klar: Ausgelassen und fröhlich enterten die Sieben den Saal und schmückten erst einmal die Bühne mit Fahnen, Nippes und Fotos von Mesut Özil bis Thilo Sarrazin - natürlich stilecht alles aus der Aldi-Tüte. Die Sieben nehmen sich selbst nicht zu wichtig, spielen gekonnt mit Zuwanderer-Klischees und mit Ossi-Witzen. "Ich weiß nicht, ob sie schon mal so viele Ausländer auf einmal gesehen haben", heißt es nicht umsonst in Richtung des johlenden Publikums.

Drumherum wurde unter teils tosendem Applaus vorgelesen. In vier Kategorien werden Leserbriefe vorgetragen, die einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt des "besorgten Bürgers" geben. Manchmal quillt purer Hass, manche sind einfach nur absurd. Viele sind beleidigend, oft sehr persönlich und auch gegen die Familie der Schreiber gerichtet. Manche Briefe und Mails sind kurz und voller Rechtschreibfehler, andere seitenlang, in professoralem Ton oder zitieren Cicero. "Zeit-Leser hassen komplizierter", erklärte Özlem Topçu.

Was von Brief zu Brief mehr durchscheint, ist die Leser-Meinung, dass Ausländer Ausländer bleibt, auch wenn der Adressat des Leserbriefs in Deutschland geboren wurde, studiert hat und mit Journalistenpreisen ausgezeichnet ist. Vom "geistigen Gastarbeiter" ist die Rede, vom Islam als "Kopfabschneiderreligion" und dem unvermeidlichen "Ich habe nie etwas gegen Ausländer gehabt, aber ...". Zwar sind auch Dresdner Journalisten regelmäßig mit unschönen Zuschriften konfrontiert, was hier aber auf der Bühne präsentiert wurde, toppt das um Längen.

Auch das Thema Pegida spielt eine Rolle: "Pegida redet vielleicht nicht mit 'den Medien'. Aber mit uns Journalisten und Machern von Hate Poetry stehen sie seit Jahren in regem Briefkontakt", meinte Mely Kiyak vorab in einer aktuellen Kolumne. "Jeder Brief, den wir vorlesen, schildert die Ängste und Nöte der braven, schweigenden Demonstranten." Deniz Yücel und Özlem Gezer berichteten aus ihren Erfahrungen vom Montagabend im Pegida-Zug, Yücel steuerte zudem einen ganz aktuellen Leserbrief zum Thema bei, der ihm nahe legte, doch besser gleich nach "Südland" zu gehen.

Wenn man so etwas allein an seinem Schreibtisch lese, sei das alles andere als lustig, sagt Zeit-Redakteur Musharbash. Daher nehme Hate Poetry diese Zuschriften mit in die Öffentlichkeit, um gemeinsam mit dem Publikum darüber zu lachen und sich von dem Dreck zu befreien. In Dresden hat das funktioniert. "Wir haben wahnsinnig viel Spaß gehabt", ruft er dem Publikum zum Abschluss entgegen.

sl /sta

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