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Hans Böhme aus Dresden ist seit Jahren leidenschaftlicher Modellbauer

Hans Böhme aus Dresden ist seit Jahren leidenschaftlicher Modellbauer

Zeitiges Aufstehen, zünftiges Frühstück und ein ausgedehnter Spaziergang - so beginnt ein Tag bei Hans Böhme. Ein kurzer Blick in die Wohnstube genügt, um zu erkennen, dass Böhme damit sein Hobby meint, den Modellbau nach realistischen Vorbildern.

Zeitiges Aufstehen, zünftiges Frühstück und ein ausgedehnter Spaziergang - so beginnt ein Tag bei Hans Böhme. Wenn der Rentner wieder zu Hause eintrudelt, steuert der Tag des 72-Jährigen seinem Höhepunkt entgegen: Nach dem Mittagessen begibt sich Böhme in seinen Keller an der Hohen Straße und ruft seiner Frau scherzhaft zu: "Ich gehe jetzt arbeiten!"

Ein kurzer Blick in die Wohnstube genügt, um zu erkennen, dass Böhme damit sein Hobby meint, den Modellbau nach realistischen Vorbildern. Hier künden Hundertschaften von Miniaturkampfflugzeugen, Lokomotiven und Löschfahrzeugen von der Passion des Dresdners. Auf vielen Etagen stapeln sie sich in der Glasvitrine einer Holzeinbauschrankwand.

Jeden Tag baut der Tüftler an grauen Rohmodellen aus Plastik, von denen noch rund 300 original verpackt im Keller lagern. Für seine Verwandtschaft hat Böhme Fotoalben mit Bildern sämtlicher Modelle, die er je gebaut hat, zusammengestellt. Beim Durchblättern der Bücher entdeckt man unter anderem auch die erste funktionsfähige Dampflokomotive der Welt, eine "Trevithick Lok", aus dem Jahr 1804. "Wenn ich so ein Modell sehe, kann ich nicht dran vorbei gehen", gibt Böhme zu. Was seine Frau von der recht eigenbrötlerischen Freizeitbeschäftigung ihres Mannes hält, dürften sich die meisten Gäste im Hause Böhme recht schnell fragen. Aber bevor man dazu kommt, sagt der Bastler im Brustton der Überzeugung: "Übrigens, meine Frau unterstützt mich und kommt auch mit auf Modellbaumessen."

Bisher habe er rund 200 Modelle verschiedenster Art bearbeitet, die Bausätze dafür liefern diverse Firmen fertig in Kartonagen. Was so trivial klingt, nimmt aber durchaus eine Menge Zeit und Konzentration in Anspruch. Die Teile werden nämlich nicht nur ineinander gesteckt, mit Farbe lackiert und mit Abziehbildern beklebt, sondern von Böhme auch einer akribischen Internetrecherche unterzogen. So will er eine möglichst realistische und maßstabsgetreue Rekonstruktion des historischen Vorbildes erzielen. Geduld und Spucke sind dabei die Zauberworte, denn manche Bausätze haben ihn über zwei Jahre begleitet.

Einige Kollegen übertreiben es aber seiner Meinung nach mit der Detailverliebtheit. "Nietenzähler" nennt er die übermütigen Enthusiasten, die ihren Minifliegern und -fahrzeugen beispielsweise mit Sprühfarbe Alters- und Abnutzungserscheinungen zufügen.

Böhme selbst hat 1987 den "Ersten Plaste-Modellbauclub" (EPMC) in Dresden gegründet und mit ihm sogar ein wenig Geschichte geschrieben: Denn in der Euphorie der Wendejahre richtete er 1990 mit dem Club die erste gesamtdeutsche Modellbauausstellung in der 16. Grundschule von Dresden aus.

"Die Leute kamen aus Stuttgart, Frankfurt am Main und Hannover und haben sogar in der Schule übernachtet", erzählt Böhme begeistert. Die rund 15 Mitglieder treffen sich an jedem zweiten Sonnabend im Monat und besprechen gemeinsame Projekte. Alle zwei Jahre wird im Radebeuler "DDR-Museum Zeitreise" eine Ausstellung ausgerichtet, demnächst steht der Bau des Dresdner Flughafens mit dem alten "Hansahaus" an.

Anekdoten aus der Clubgeschichte sprudeln aus Hans Böhme nur so heraus: Zum Beispiel beauftragte im vergangenen Jahr eine Werbefirma, die eine Gewinnspielaktion für die Spielekonsole "Microsoft X-Box" betreute, den Club mit dem Bau eines weihnachtlichen Winterdioramas. Unzählige Buden, Bäumchen, Wohnhäuschen und Karussells mussten innerhalb von nur drei Wochen bemalt und zusammengeklebt werden. Diese "Friemelarbeit" ist genau sein Ding, denn beim Blick in ein Plastefensterchen entdeckt man sogar ein Liebespaar beim Schäferstündchen im Bett.

www.epmc-dresden.de; Tel.: 4960440

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2011

Sandra Erber

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