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Hamburger Professor will Dresdner Managern mit Musik beibringen, virtuos zu führen

Hamburger Professor will Dresdner Managern mit Musik beibringen, virtuos zu führen

Statt in schier endlosen Manager-Kursen abzuhängen oder klugmeierischen Unternehmensberatern viel Geld in den Rachen zu schieben, sollen Dresdner Firmenchefs durch Musik lernen, Misstöne in der Unternehmenskultur zu erkennen und ihren Betrieb weise zu führen.

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Der Hamburger Professor Jens U. Sievertsen will in der "Zeitenströmung" Dresdner Firmemchefs mit musikalischen Managerkursen dazu bringen zu verstehen, wie "ihr Unternehmen klingt" und es virtuos zu führen.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Ausgedacht hat sich dieses unorthodoxe Konzept der Betriebswirt, Psychologe und Musiker Jens U. Sievertsen. In seiner Heimat Hamburg hat der 68-jährige Professor der Wirtschaftswissenschaften solche musischen Managerkurse nach eigenen Angaben bereits erfolgreich durchexerziert. Nun sind die Dresdner Unternehmensführer dran.

Den Controller hat Sievertsen neben den Pauker gesetzt - und der haut feste drauf. Die Situation ist für den Manager ungewohnt, keine Frage. Aber er hört sich rein und merkt: Viel zu laut! Wenn das Controlling auf die Pauke haut, sind die zart klagenden Bratschen der Entwicklungsabteilung kaum noch zu hören. Eines aber verbindet alle Abteilungsleiter im Orchester: Keiner wagt es, so recht aus sich herauszugehen - bis der dominante Geschäftsführer da vorn am Dirigentenpult endlich den Fuß vom Podest zurückzieht-

Firmen-Ziel ist Erlebnis, keine Zahl

Statt Probleme im Unternehmen rational durchzuanalysieren, setzt der blonde Hanseat in seiner musischen Managerkursen auf Emotionalisierung. "Wenn Sie sich die Berater von McKinsey ins Haus holen, wird meist auf numerischen Zielen wie Gewinn herumgeritten", sagt Sievertsen. "Das Ziel eines Unternehmens ist aber ein Erlebnis. Zum Beispiel der Einklang aller Mitarbeiter: ,Wir sind beispielgebend für die ganze Branche'."

Und das läuft etwa so ab: Im Plenum äußern Chefs und Abteilungsleiter Probleme und Verbesserungsideen. Die werden dann in der Klausur mit der engeren Führungsriege Tönen zugeordnet, der Professor sucht ein passendes Musikstück aus. Dann trommelt er ein Orchester zusammen (im Hamburg waren es die dortigen Sinfoniker) verteilt die Manager neben die Instrumentengruppen und dann wird gespielt und improvisiert - bis alle gelernt haben, aufeinander zu hören und Dissonanzen verschwunden sind. Und der Chef weiß: "So klingt mein Unternehmen". In Einzelgesprächen wird dies ausgewertet und auf die Unternehmenskultur übertragen.

Diese erlebnisorientierte Konfliktlösung eigne sich besonders gut, um Paradoxien aufzulösen, sagt der Initiator. "Wenn zum Beispiel die Führung fordert: Alles muss schneller gehen! Aber die Entwickler sagen: Dann leidet die Qualität! ist das ein scheinbar unlösbares ,Entweder-oder'". Von der Musik geführt, werde daraus jedoch ein "Sowohl-als-auch".

Musik soll Paradoxien lösen

Das Pilotprojekt mit einer Hamburger Bank habe so gut funktioniert, dass die einstige Krisenfirma zweimal zum besten Arbeitgeber der Stadt gewählt wurde, berichtet Sievertsen. Weitere Unternehmen im Norden folgten.

Nun will der Professor das Konzept "Virtuos führen in Unternehmen" die Elbe stromaufwärts tragen: In diesem Jahr sollen die ersten Dresdner Mananger in der "Zeitenströmung" an der Königsbrücker Landstraße Einklang durch Musik üben. Welches Dresdner Orchester dabei hilft, steht allerdings noch nicht fest. Sievertsen: "Ich suche noch."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.08.2013

hw

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