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Hafenfest weggespült - Keine Party nach der Schufterei in Pieschen

Hafenfest weggespült - Keine Party nach der Schufterei in Pieschen

Das Pieschner Hafenfest hat Tradition. Seit 1923 geht es, mit einigen Unterbrechungen, rund im Pieschner Winkel. An diesem Wochenende fällt das Hafenfest im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Die Leipziger Straße musste teilweise gesperrt werden, obwohl Hunderte Helfer tagelang Sandsäcke gestapelt haben. Auf den Fußwegen und in einigen Kellern steht Wasser. Anwohner und Fluthelfer haben da sicher anderes im Kopf, als das Hafenfest, würde man da meinen. Stimmt aber offenbar gar nicht.

"Ja, wir haben im Moment andere Probleme", sagt Frauke Waldner, die gleich um die Ecke wohnt. "Aber ist der Scheitelpunkt durch, ist das Schlimmste überstanden, da könnten wir doch richtig feiern. Einen besseren Grund gibt es doch gar nicht." Der Meinung ist auch Ronny Schmitt: "Eine Party nach der Plackerei wäre eigentlich toll. Wir haben zusammen geackert, da können wir doch auch zusammen feiern und die Helfer bekommen Freibier."

Daraus wird leider nichts - die Elbe hatte kein Mitleid. Allerdings wäre das Hafenfest, auch wenn die Leipziger Straße trocken geblieben wäre, ausgefallen. Der Grund ist ein Streit um einen leerstehenden Platz an der Kötzschenbroder Straße. Die Straße selbst ist, geschützt durch Flutmauer und mobile Flutwände, zwar trocken aber zu schmal für die Veranstaltung. Die Wiesen zum Fluss, die sonst mit genutzt werden, sind überflutet, aber dies, so Hafenfestorganisator Mario Müller-Milano, war nicht das Problem. "Wir hätten auf den freien Platz auf der anderen Seite der Straße ausweichen können. Das haben wir früher auch schon getan. Aber die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG), der der Platz gehört, hat abgelehnt."

Seit 42 Jahren organisiert Müller-Milano das Hafenfest. Seit Monaten haben die Mitglieder des Festvereins Künstler engagiert, mit Händlern und Gewerbetreibenden gesprochen, Straßensperrungen beantragt, sich um Elektrogeräte und Wasseranschlüsse gekümmert, Plakate drucken lassen - das alles kostete Zeit und Geld. Jetzt stehen sie mit 33 000 Euro im Minus. 25 000 Euro Schulden hat Müller-Milano. Da ein Verein für ein Volksfest keinen Kredit bekommt, hat er einen Privatkredit aufgenommen um die Veranstaltung vorfinanzieren zu können.

Er hatte zwar, wie jedes Jahr, bei der Stadt einen Antrag auf Förderung gestellt, nur wird das Geld, wenn überhaupt, erst vier Wochen nach der Veranstaltung ausgezahlt. Ein Fest, das nicht stattfinden kann, hat da schlechte Karten. Nun hofft Müller-Milano auf etwas Geld aus dem Hochwasserfond. "Wenn da nichts kommt, war das vergangenen Hafenfest das letzte", sagt er verbittert. Alle Fans des Pieschner Hafenfestes können da nur hoffen, dass dies nicht sein letztes Wort ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.06.2013

ml

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