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Ginkgos: Stadt erntet kleine Stinkbomben

Ginkgos: Stadt erntet kleine Stinkbomben

Mit Hebebühne und eisernem Rechen rückten gestern Mitarbeiter vom städtischen Betrieb "Zentrale Technische Dienstleistungen" den Bäumen in der Hans-Sachs-Straße zu Leibe.

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Mit Hebebühne und Stahlrechen ging es gestern den Ginkgo-Früchten zu Leibe.

Die Nebenstraße in Pieschen ist eine der wenigen Ginkgo-Alleen Sachsens und hat alle Jahre wieder mit dem gleichen Problem zu kämpfen: beißender Gestank.

Der strömt aus den reifen Früchten der Ginkgo-Bäume, die entfernt an Mirabellen erinnern, aber einen durchdringenden Buttersäure-Geruch ausströmen, der am intensivsten ist, wenn die Früchte auf Fußweg und Straße fallen und aufplatzen. Das sorgt bei den Anwohnern für Unfrieden, denen es da egal ist, dass das deutsche "Kuratorium Baum des Jahres" den Ginkgo 2000 zum Mahnmal für Frieden und zum Baum des Jahrtausends erklärt hatte.

Mit den Ginkgo-Stinkbomben haben die Stadtmitarbeiter in einer konzertierten Aktion nun kurzen Prozess gemacht. Während einer von ihnen in Schutzkleidung gehüllt die prallen Früchte von den Zweigen schüttelte, rückte ihnen auf Fußweg und Straße ein Bodenkommando mit Besen und einer kleinen Handkehrmaschine zu Leibe, sobald sie auf das Straßenpflaster geprasselt waren. Anschließend transportierten sie die stinkenden Bällchen sofort ab und entsorgten sie auf der Kompostierungsanlage Omsewitz fachmännisch, wie Stadtsprecher Karl Schuricht mitteilt.

Diese besondere Ernte trat die Stadt 2009 das erste Mal an, nachdem Anwohnerbeschwerden über die damals besonders üppig hängenden Früchte laut wurden. Dabei hageln die kleinen Stinker schon seit Jahrzehnten auf das Pflaster. In den 1920er Jahren wurde die Allee mit den als lebende Fossilien geltenden Bäumen angelegt. Allerdings unterlief den Verantwortlichen dabei ein entscheidender Fehler. Üblicherweise werden nur männliche Vertreter der bis zu 1000 Jahre alt werdenden Bäume angepflanzt, um eine Geruchsbelästigung durch die Früchte zu vermeiden. An der Hans-Sachs-Straße stehen dagegen mehrheitlich weibliche Stink-Ginkgos. Unklar ist, wie es zu diesem Fehler kam. Vermutlich hat er aber seine Ursache darin, dass sich das Geschlecht der Pflanzen erst mit der ersten Blüte sicher ermittelt lässt. Und die tritt zumeist erst ein, wenn die Bäume zwischen 20 und 35 Jahre alt sind. So lange hatte man damals wohl nicht warten wollen.

Sicher ist dagegen, dass sich die hastige herbstliche Ernte auf der Ginkgo-Allee noch oft wiederholen wird. Da die ursprünglich aus China stammenden Ginkgos nur selten als Straßenbaum angepflanzt werden, genießen sie an der Hans-Sachs-Straße den Schutz als Naturdenkmäler. Uwe Hofmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.11.2011

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