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Geigender Gärtner aus Leuben

Geigender Gärtner aus Leuben

Die Leser der DNN kennen ihn als Ratgeber am Gartentelefon. Die Mehrzahl der Dresdner dürfte sein Refugium, die Gärtnerei in Leuben neben dem Friedhof, schon einmal gesehen haben.

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Gärtner Eberhard Müller übt Mozart im Gewächshaus. Sein zweijähriger Enkel Paul hört zu.

Quelle: Dietrich Flechtner

Und nicht wenige Garten- und Blumenfreunde nehmen die Dienste der Gartenbau Müller GbR in Anspruch. Ein weit kleinerer Kreis aber weiß um die Liebe zur Musik von Gärtnermeister Eberhard Müller. Dabei gehört die Violine schon seit über 60 Jahren zu seinem Leben. 1962 trat er dem Mozart-Verein zu Dresden bei. In diesem Frühjahr kann Eberhard Müller sein 50-jähriges Jubiläum als Mitglied des renommierten Dresdner Laienorchesters begehen.

Musik und Blumen sind ein schönes Gespann. Hobby das Eine, Beruf das Andere, und beides trifft sich in einer ähnlich langen Tradition bei Eberhard Müller. Wie der 1896 gegründete Mozart-Verein - das erste Konzert fand immerhin im Kurländer Palais statt -, kann auch die Familiengärtnerei bis vor die Jahrhundertwende zurückblicken. Seit 1902 befindet sie sich am jetzigen Standort - hier aufgebaut vom Großvater. Eberhard Müller ist die vierte Gärtner-Generation der Familie. Er hat das Unternehmen, das zu DDR-Zeiten in eine GPG (Gärtnerische Produktionsgenossenschaft) überführt worden war, nach der Wende wieder in privates Eigentum gewandelt. Seitdem wird in der gärtnerischen Produktionsstätte gebaut, modernisiert, angebaut und verkauft.

Zeit fürs Musizieren muss trotzdem bleiben. Schon als siebenjähriger Knips hat sich Müller auf der Geige versucht. "Ich musste es nicht, ich wollte", betont er ausdrücklich. Zwang zum Üben gab es nicht. So blieb der Fleiß auch manchmal auf der Strecke. Trotzdem bemerkte seine Lehrerin Gertrud Schumann - heute 92 Jahre alt - das musikalische Talent, spornte zur Hausmusik an und brachte den Jugendlichen schließlich im Mozart-Verein unter. Hier ist der Gärtnermeister Stimmführer der Zweiten Geigen bzw. der Zweite Konzertmeister. Außer im großen Orchester musiziert er auch in einem Kammermusikensemble. Musiker des Vereins haben sich dafür im Quartett zusammengefunden.

Geübt wird immer noch, um Mozart, Haydn, Schubert oder Beethoven ordentlich zu interpretieren. Und das zur Freude der Enkel. Vier von insgesamt acht leben in Dresden und hören dem Opa gern zu. Wenn die übrigen Enkel oder die Tochter zu Besuch kommen, bringen sie oft auch ihre Instrumente mit und es wird gemeinsam gespielt. Die Hausmusik lebt im Gärtnerhaus fort.

Gut möglich, dass fürs Orchester künftig noch ein wenig mehr Zeit bleibt. Denn im Gartenbaubetrieb ist längst die fünfte Generation aktiv und die sechste steht in den Startlöchern. Eberhard Müller will nun auch hier die sprichwörtliche zweite Geige spielen. Im Juni wird er 68 Jahre alt. Dann will er sich als Gesellschafter aus der GbR zurückziehen. Um die Pflanzen- und Schnittblumenproduktion wird er sich wohl aber weiter mit kümmern. Qualität verpflichtet eben und oft suchen die Kunden ja den direkten Draht zum Fachmann. Dessen Lieblingsblume ist übrigens die Wicke. "Seit Kindertagen gab es zu meinem Geburtstag immer einen Wickenstrauß. Der duftete herrlich." Natürlich gehören auch Wicken zum Angebot im Betrieb des geigenden Gärtnermeisters.

www.gaertnerei-dresden.de

Das Frühjahrskonzert des Mozart-Vereins zu Dresden e.V. findet am 25. März, 19 Uhr, in der Dreikönigskirche statt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.02.2012

Genia Bleier

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