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Gefährliche Keime im Krankenhaus Dresden-Neustadt

Gefährliche Keime im Krankenhaus Dresden-Neustadt

Im Krankenhaus Dresden-Neustadt ist bei sechs Patienten in einer der unfallchirurgischen Stationen der multiresistente Keim "Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stamm", kurz MRSA, nachgewiesen worden.

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Quelle: Christian Juppe

Von benjamin Winkler

Für die Station wurde am Sonntag ein Aufnahmestopp verhängt. Von den betroffenen Personen sei aber keine lebensbedrohlich erkrankt, sagte gestern der Ärztliche Direktor Tobias Lohmann. Einer der Patienten konnte das Krankenhaus bereits am Montag verlassen und wird nun in einer Reha-Klinik weiterbehandelt. Zwei weitere Personen seien ebenfalls auf dem Weg der Besserung, sagte Oberarzt Michael Wendt, Leiter der Krankenhaushygiene.

Bei dem gefürchteten Keim MRSA handele es sich um einen typischen Erreger für Wundinfektionen, sagt Dieter Teichmann, Leiter der Infektionsabteilung. Rund 20 Prozent der Deutschen seien ständig, rund 60 Prozent zeitweise mit dem Keim "besiedelt". Das Bakterium dringt über die Nasenschleimhaut oder über die Haut ein und wird durch Körperkontakt übertragen. Betroffenen seien vor allem Patienten mit Vorerkrankungen. Das heimtückische an diesen Bakterien sei, dass sie gegen mehrere Antibiotikagruppen resistent sind. Es gehe aber keinem Patienten mit den Keimen schlechter als vorher, sagte Wendt.

Das Krankenhaus nimmt jährlich rund 70 Patienten auf, bei denen bekannt ist, dass sie MRSA-Träger sind. In den vergangenen beiden Jahren haben sich im Krankenhaus Dresden-Neustadt jährlich nur zwei bis drei Personen mit dem Erreger infiziert. "Die besondere Häufung der Fälle hat uns nun zu diesem Aufnahmestopp veranlasst", so Wendt.

"Die betroffenen Patienten wurden isoliert in Einzelzimmer untergebracht. Die Räume können nur durch eine Schleuse und in Schutzkleidung betreten werden", erklärte Wendt. Um den Keim zu vernichten, würden die Patienten mit einer speziellen Nasensalbe behandelt.

Aufgrund des gehäuften Auftretens wurde geprüft, ob der Erreger auch bei anderen Patienten, dem Krankenhauspersonal bis hin zu den Reinigungskräften und bei Therapeuten der betroffenen Station zu finden ist. Kontrolliert wurden dabei unter anderem die rund 20 Patienten, die am Sonntag auf der unfallchirurgischen Station untergebracht waren. Inzwischen habe man 80 bis 100 Abstriche genommen, sagte Tobias Lohmann. Die Ergebnisse lägen noch nicht vollständig vor. Entwarnung könne erst gegeben werden, wenn die Zahl der erkrankten Personen auf ein oder zwei Fälle gesunken sei, so Lohmann. "Eine Gefahr für die Öffentlichkeit besteht nicht." Auch Stadtsprecher Kai Schulz bestätigte: "Das betrifft nur diesen Standort."

Das Krankenhaus Friedrichstadt, das Diakonissen-Krankenhaus und das Dresdner Uniklinikum gaben ebenfalls Entwarnung. "Wir haben keine ähnliche Situation, wie es derzeit in Neustadt der Fall ist", sagte unter anderem Uniklinik-Pressesprecher Holger Ostermeyer. Beim St.-Joseph-Stift war gestern Abend niemand zu erreichen.

Bei dem multiresistenten Keim "Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stamm", kurz MRSA, handelt es sich um ein kugelförmiges Bakterium. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums werden viele Infektionen im Krankenhaus von diesen Staphylokokken verursacht. Sie besiedeln vor allem die Haut und die Schleimhäute. "MRSA stellen weltweit vor allem in Kliniken eine Gefahr dar. Besonders betroffen sind die chirurgischen Intensivstationen, Abteilungen für Brandverletzungen und Neugeborenenstationen", heißt es in einer Information des Bundesgesundheitsministeriums.

MRSA-Stämme traten erstmals vor 50 Jahren und schon während der klinischen Erprobung des Antibiotikums Methicillin zunächst in England, in den nachfolgenden Jahrzehnten auch weltweit auf. Bis Mitte der 1990er Jahre tauchten die gefährlichen Keime fast ausschließlich in Krankenhäusern auf, seither auch im ambulanten Bereich. dpa/bw

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.09.2012

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