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"Für uns war es ein Wunder" - Jim Ahrens konnte nach zweiwöchiger Delphintherapie erstmals seine Beine benutzen

"Für uns war es ein Wunder" - Jim Ahrens konnte nach zweiwöchiger Delphintherapie erstmals seine Beine benutzen

Autismus, Entwicklungsstörungen, Autoaggressionen, Wahrnehmungsstörungen und Epilepsie - all das wurde bei Jim Ahrens bereits wenige Wochen nach seiner Geburt festgestellt.

Von Nadine Steinmann

Inzwischen ist er sechs Jahre alt, kann weder selbstständig laufen und gesprochen hat er noch nie. Der Junge aus Dresden-Pappritz kann nichts alleine tun, braucht ständig die Unterstützung durch seine Familie.

Im vergangenen Jahr wurde Annett Ahrens - die Oma von Jim - erstmals auf die Delphintherapie aufmerksam. Sie las einen DNN-Artikel über Fabio Mende, der an dem seltenen Gendefekt "Trisomie 8p" erkrankt war. Dem heute Zehnjährigen half die Arbeit mit den Meeressäugern und so machte sich die 45-jährige Oma auf die Suche nach Informationen. Im August des vergangenen Jahres war es dann so weit. Jim konnte an einer Delphintherapie auf Curacao, eine Insel in der Karibik, teilnehmen, die der Verein "Dolphin aid" aus Düsseldorf organisierte. Zwei Wochen kosteteten die Familie damals 13 000 Euro, die sie vor allem mit Spenden finanzierten. Am ersten Tag auf der Insel beobachteten einige Therapeuten die Verhaltensweisen von Jim, danach ging es ins Wasser. Nach den ersten Stunden kam dann ein Therapeut mit Jim an den Händen zu den Großeltern gelaufen. "Das war für uns ein absolutes Wunder. Unser Enkel ist vorher noch nie gelaufen. Das war der emotionalste Moment in den zwei Wochen", erzählt Annett Ahrens.

Wer allerdings glaubt, zwei Wochen Karibik wären eine Art Urlaub für die Familie, der irrt. Jeden Vormittag hatte Jim Therapie, während seine Großeltern in Seminaren darüber informiert wurden, wie sie künftig mit ihrem Enkel umgehen sollten. "Natürlich hatten wir nachmittags auch Freizeit, aber insgesamt waren die zwei Wochen auch sehr anstrengend", erklärt Oma Ahrens. Eine weitere Entwicklung bei Jim war das bewusste Wahrnehmen seiner Umwelt. "Autisten leben meistens in ihrer eigenen Welt und bauen zu den Menschen in ihrer Umgebung selten Kontakt auf", erklärt auch Traumatherapeutin Heike Schmidt, die seit sieben Jahren Delphintherapien begleitet. So auch bei Jim: "Er hat uns nie angeschaut, wenn wir den Raum betreten haben. Auf laute Geräusche zeigte er ebenfalls nie eine Reaktion. Nachdem er aber bei den Delphinen war, schaute er uns plötzlich ganz bewusst an", erzählt Annett Ahrens. Mittlerweile guckt Jim mit seinem älteren Bruder auch gerne mal einen Disney-Film. Ab September soll er dann eine Förderschule besuchen.

Was die Veränderungen bei Jim ausgelöst hat, ist nach wie vor unklar. Auch seine Oma ist sich durchaus bewusst, dass die Therapie keinerlei Wirkungen hätte zeigen können. "Für uns war es die letzte Möglichkeit, die uns noch eingefallen ist", erklärt die 45-jährige.

Aber auch wenn die Therapie erste Erfolge verzeichnen konnte, so ist das Familienleben bei den Ahrens jeden Tag eine neue und schwierige Aufgabe. Annett Ahrens musste ihre damalige Arbeit aufgeben, um 24 Stunden für ihren Enkel da sein zu können. Die Mutter von Jim, die ihn bereits im Alter von 16 Jahren zur Welt brachte, ist selten in Dresden. Sie arbeitet seit mehreren Jahren in Hamburg. "Meine Tochter war einfach überfordert mit seiner Krankheit. Deswegen kümmere ich mich zusammen mit meinem Partner um Jim", erklärt die Oma.

Nun hat die Familie die Möglichkeit, im November erneut zu einer zweiwöchigen Therapie zu fahren. Dafür benötigen sie allerdings wieder 13 000 Euro. Seit Dezember versucht Annett Ahrens, deswegen Spenden aufzutreiben. Sie verteilt Aufkleber, Flyer und betreibt eine Internetseite. Jeden Tag geht sie in Restaurants, schreibt Firmen an und versucht die Kirchen in der Umgebung für eine Spende zu gewinnen. "Eine regelmäßige Therapie ist wichtig für Jim. Vielleicht kann er sich dann irgendwann auch mal zu einem selbstständigen Menschen entwickeln", erklärt die Oma. Momentan fehlen der Familie noch circa 4000 Euro.

Spendenkonto: Empfänger: Dolphin aid e.V., Stadtsparkasse Düsseldorf, Bankleitzahl: 300 501 10, Kontonummer: 20 00 24 24, Verwendungszweck: Jim Ahrens geb. 03.03.2006

Pro: Viele Familien bemerken bereits nach den Therapiestunden erste Erfolge bei ihren Kindern.

Delphine können durch ihren Sonar mit Ultraschallwellen Blockaden im Körper der Patienten erkennen und sie lösen. Die Kinder sind aufmerksamer.

Die Meerestiere nähern sich den Patienten auf eine spielerische Art. Somit verlieren sie die Angst vor dem Tier und lassen sich auf Interaktionen mit dem Delphin ein. Sie öffnen sich ihrer Umwelt (Vor allem Autismus- und Down-Syndrom-Patienten).

Contra: Bei wissenschaftlichen Untersuchungen konnten keine Fortschritte bei den Patienten bemerkt werden.

Die Anbieter der Therapie können keine Heilung versprechen.

In den bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen sich Widersprüche. So sagt z. B. der amerikanische Verhaltensforscher David Nathanson, dass Delphine mit den Ultraschallwellen Lernprozesse und Konzentration fördern können - also Aktivität hervorrufen. Laut der australischen Delphinforscherin Olivia De Bergerac sind Delphine allerdings in der Lage, einen Zustand der Entspannung zu fördern.

Delphine sind Menschen nicht gewöhnt, sie werden von den Anbietern herangezüchtet und gefangen gehalten. Für viele Tiere ist die Therapiearbeit Stress.

Zwei Wochen Therapie kosten zwischen 11 000 und 13 000 Euro und werden von keiner Krankenkasse übernommen, da hinter der Therapie keine wissenschaftlichen Befunde über die Wirkung stehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.07.2012

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