Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Frühjahrsöffnung bei den "Pufferküssern": Dresdner Straßenbahnmuseum präsentiert historischen Postwagen

Frühjahrsöffnung bei den "Pufferküssern": Dresdner Straßenbahnmuseum präsentiert historischen Postwagen

Sie werden zuweilen liebevoll "Pufferküsser" oder "Nietenzähler" genannt: die Mitglieder des Vereins "Straßenbahnmuseum Dresden". Am Wochenende laden die Straßenbahn-Enthusiasten wieder zu den "Frühjahrsöffnungstagen" in ihr Museum an der Trachenberger Straße 38 ein.

Zwischen10 und 17 Uhr stehen an beiden Tagen unter anderem Besichtigungen der Museumswerkstatt und der fast40 historischen Straßenbahnen und Wagen, Foto-Sonderfahrten im Großraumzug oder auch die Wiederinbetriebnahme eines Gotha-Großraumzuges aus den 1960er Jahren auf dem Programm.

Besonderer Höhepunkt und deutschlandweit einzigartig ist jedoch die Präsentation des fertig rekonstruierten Poststraßenbahnwagens der ehemaligen Lockwitztalbahn. Das Gefährt aus dem Jahre 1908 ist deutschlandweit der einzige noch fahrbereite Original-Postwagen. "Es gibt zwar noch ein paar andere fahrtüchtige Wagen, zum Beispiel in München, aber das sind alles umgebaute Arbeitswagen", berichtet Holger Frenzel, Vorsitzender des Vereins, stolz.

Der 52-Jährige ist, wie die meisten seiner Vereinskollegen, bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) angestellt. Neben seinem Vollzeit-Job als Straßenbahnfahrer steckt er jährlich zwischen 300 und 400 Stunden Arbeit in den Verein. 135 Mitglieder zählt der Club derzeit. Rund 20 Bahnfreunde bilden den harten Kern und sind unermüdlich aktiv. "Das ist schon eine Leidenschaft", berichtet Frenzel.

Die Straßenbahnfans haben es sich seit der Gründung des Vereins im Juni 1992 zum Ziel gesetzt, die historische Straßenbahnflotte zu erhalten, zu pflegen und - wenn möglich - auch fahrbereit zu halten. Damals übernahm man 19 Fahrzeuge, die meisten vom VEB Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden, der 1993 zur DVB AG wurde. 2002, zehn Jahre später, hatte der Verein 34 Straßenbahnwagen in Obhut, zur Zeit sind es 38. Die älteste Bahn ist der Triebwagen Berolina aus dem Jahr 1902, aber auch ein relativ moderner Tatra T6A2 von 1985 gehören zur Sammlung. Die Vereinsmitglieder bewahren jedoch nicht nur Wagen auf, sondern auch Zeichnungen und Schriften über das Straßenbahnwesen und Exponate. Dazu gehören zum Beispiel Werkzeug, alte Schaffneruniformen oder auch Kurioses wie ein altes Baustellen-Plumpsklo, das über einem Gulli positioniert wird. "Vieles bekamen wir von den DVB. Einiges haben wir kurz nach der Wende wieder aus Müllcontainern geholt", erzählt Frenzel über die Anfänge des Vereins.

Ein weiterer wichtiger Eckpfeiler der Vereinsaktivitäten ist die Präsentation der historischen Flotte in der Öffentlichkeit. Und so freut es die Vereinsmitglieder ganz besonders, dass am Wochenende nun auch die historische Poststraßenbahn von 1908 den wissbegierigen Besuchern gezeigt werden kann. Der Wagen ist mit großem Aufwand von den Vereinsmitgliedern, in Bürgerarbeit und mit Hilfe von Arbeitskräften des Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerkes restauriert worden. Auch die EU hat Fördergelder zugeschossen. Mit den DVB besteht eine Kooperationsvereinbarung, die Stadt Dresden steht dem Verein regelmäßig unterstützend zur Seite.

Damit die historische Flotte auch künftig noch fährt und weiter anwachsen kann, braucht der gemeinnützige Verein neben Spenden und Fördermitteln auch begeisterte Mitglieder. "Besonders der handwerklich begabte Nachwuchs fehlt uns. Junge Mechaniker oder Holzbearbeiter, die auch selber Hand an die Bahn legen könnten, gibt es derzeit bei uns nur wenige", bedauert der Vereinsvorsitzende.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.04.2013

Franziska Schmieder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Boulevard