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Freitag geht es los: Die „Kaisermania“ in Dresden begeistert Jung und Alt

Freitag geht es los: Die „Kaisermania“ in Dresden begeistert Jung und Alt

„In der Roland-Kaiser-Hochburg Sachsen brannte am Sonnabend die Luft: Rund 7000 Fans strömten zur Filmnächte-Bühne, um ihr Idol live zu erleben.

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Roland Kaiser in Dresden bei der Kaisermania 2012.

Quelle: Dominik Brüggemann

Kreischen, noch bevor der erste Ton gesungen war: Elbwiesen, Augustusbrücke und sogar das gegenüberliegende Terrassenufer waren mit Zaungästen übersät. ,Ich bin total überwältigt‘, gestand der erfolgsverwöhnte Schlagerstar.“

Dieser elf Jahre alte Text erschien am 14. Juli 2003 in den „Dresdner Neuesten Nachrichten“. Es ist die zugegebenermaßen sehr kurze Rezension der allerersten „Kaisermania“ in der Landeshauptstadt, die zwei Tage zuvor die Fanbasis des Schlagerkönigs in kollektiven Taumel versetzte. Es war der Beginn einer großartigen Symbiose eingängiger deutschsprachiger Hits mit zwischen den Zeilen blinkender Erotik, gesungen vor traumhafter historischer Kulisse, die seitdem Fans aus ganz Deutschland jeden Sommer in die sächsische Landeshauptstadt pilgern lässt.

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Roland-Kaiser-Fan Marlon Sollgan

Quelle: Privat

Einer dieser Pilger ist Marlon Sollgan aus Bad Salzuflen bei Bielefeld. Der 23-jährige Rezeptionist kommt seit drei Jahren in Folge nach Dresden, um seinen persönlichen Helden live und hautnah zu erleben. Mit 16 hörte er seinen ersten Kaiser-Song „In unserer Straße“, ein eher unbekanntes Lied. Der Text habe ihn berührt, erzählt Sollgan. Kurz darauf erkrankte der Schlagersänger an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Sollgan erlebt ihn bei einem seiner vorerst letzten Konzerte. „Es hat mich sehr bewegt, wie viel Lebenswille dieser Mann hat“, beschreibt er seine Gefühle. Das Stimmvolumen reichte für Roland Kaiser nicht mehr, im Januar 2010 zog er sich von der Bühne zurück. Dass die anschließende Lungentransplantation erfolgreich verlief, der Kaiser bereits 2011 auf die Bühnen des Landes zurückkehrte – ein großes Glück. Es folgte ein Imagewandel: Volksnäher gab sich der Kaiser nun und wesentlich jugendlicher. „Dieser Imagewandel ist die beste Idee, die er hat haben können“, ist sich Sollgan sicher.

Davon überzeugt ist auch Petra Schlereth-Pfennig aus Frankfurt/Main. Die verheiratete Bankkauffrau begleitet Roland Kaiser beinah seit den Anfangstagen seiner beispiellosen Karriere. Ihre persönliche Kaiser-Initialzündung erlebte sie mit 16: „Sieben Fässer Wein“ im ZDF-Fernsehgarten im Jahr 1978. „Ich habe vom ersten Moment an gemerkt, dass mein Herz für Roland Kaiser schlägt“, erinnert sich die heute 53-Jährige. Daran hat sich über die Jahre nichts geändert. Sie reist ganze Tourneen mit, war auf allen Kaisermanias dabei und ist auch auf einer Tour-DVD von Roland Kaiser zu sehen. Ihr Mann unterstützt sie bei ihrem doch recht zeit- und geldintensiven Hobby. „Das ist dein Leben, sonst bis du unausstehlich“, hat er einmal gesagt, erzählt die Stuttgarterin fröhlich. Sie sieht Roland Kaiser derzeit auf dem Höhepunkt seiner Karriere. „Mit Abstand Bombe“ lautet das Urteil der Bankkauffrau über das aktuelle Album „Seelenbahnen“. Seine Stimme sei nach der Lungentransplantation tiefer geworden, „sie hat jetzt ein ganz besonderes Timbre“. Und Roland Kaisers Erfolg gibt ihr Recht. „Seelenbahnen“ stieg im Mai gleich auf Platz 10 in die deutschen Charts ein.

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Petra Schlereth-Pfennig und Roland Kaiser.

Quelle: Privat

Sollgan und Schlereth-Pfennig stehen exemplarisch für das Publikum einer Kaisermania. Es kann getrost als bunt gemischt bezeichnet werden. Einige erlebten die ersten musikalischen Gehversuche Roland Kaisers 1974 mit der Single „Was ist wohl aus ihr geworden?“ hautnah mit. Andere wie Marlon Sollgan waren noch gar nicht geboren. Doch die Kernthemen des Kaiserschen Liedguts sind zeitlos: Liebe, Santa Maria, Du und ich und Liebe, ganz viel Gefühl und eine Prise Sex. Das berührt alle, man muss nur den Mut finden, es sich einzugestehen, könnte man meinen. Marlon Sollgan hat eine Weile gebraucht, bis er sich als Vollblut-Kaiser-Fan outete. „Am Anfang war es mir peinlich, das gebe ich zu.“ Inzwischen hat er Kontakt zu vielen anderen Fans und geht offen mit seinem Faible für deutschen Schlager um.

Aber warum fahren Sollgan und Schlereth-Pfennig und Tausende andere bis nach Dresden? Schließlich tourt Roland Kaiser durch die ganze Republik. „Es ist wie ein Mekka, zu dem aus ganz Deutschland Kaiser-Fans strömen“, erklärt Sollgan. Das Gemeinschaftsgefühl sei überwältigend und die Kulisse gibt den Abenden ein ganz besonders Flair. Zudem unterscheidet sich das Bühnenprogramm immer ein wenig von den restlichen Tourabenden. Die für Außenstehende schier unfassbare Begeisterung für die Kaisermania ist auch für die Fans etwas ganz Besonderes: „Es ist als würde ein Weltstar auftreten. Wenn man auf der Carolabrücke steht, kann man als Außenstehender nicht glauben, dass da ,nur‘ Roland Kaiser steht“, sagt Sollgan.

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Roland Kaiser feierte am Freitag (2. August) die 10. Auflage der Kaisermania in Dresden. Tausende Fans verfolgten das Konzert vom Elbufer aus.

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Um dieses Erlebnis richtig auszukosten, gönnen sich viele Kaiser-Fans die volle Packung. Der Bad Salzuflener Sollgan besucht zwei Konzerte. Die Frankfurterin Schlereth-Pfennig macht gleich eine ganze Woche Urlaub in Dresden und nimmt alle drei Konzerte mit. Roland-Kaiser-Urlaub, quasi.

Franziska Schmieder

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