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Fette Raupen fressen in der Südvorstadt Bäume kahl

Fette Raupen fressen in der Südvorstadt Bäume kahl

"Igitt!" So ist der Ausruf vieler Passanten derzeit am Zelleschen Weg. Massen von fetten Raupen haben zehn oder zwölf Gehölze in dichte Gespinste gehüllt, kahl gefressen und seilen sich in Trauben auf den Erdboden ab.

Im der Stadtverwaltung, wo die Telefone durch Anrufe besorgter Bürger heiß klingeln, beruhigt Jürgen Witzlau, Bereichsleiter Straßenbaumpflege im Amt für Stadtgrün: "Die Raupen sind völlig ungefährlich. Hier handelt es sich einfach um ein alljährlich wiederkehrendes Naturschauspiel."

Verursacher ist die Gespinstmotte. "Es gibt verschiedene Arten, die jeweils nur eine ganz bestimmte Gehölzart befallen. Betroffen sind in der Regel Weißdorn, Pfaffenhütchen, Pappeln, Pflaumen und Traubenkirschen. Die Motten legen im Juli/August ihre Eier an das Gehölz ab, die jungen Raupen überwintern und werden im darauffolgenden Frühjahr aktiv. Sie weben - um sich vor der Witterung und Vögeln zu schützen - das jeweilige Gehölz mit einem dichten Netz silbriger Fäden ein. Dann fressen die Raupen den Baum kahl, seilen sich auf den Erdboden ab, verpuppen sich und nach drei bis vier Wochen schlüpfen weiße Kleinschmetterlinge (Motten) mit schwarz-braunen Punkten." Mitte Juli werden dann die Weibchen an ihrer ganz speziellen Baumart wieder Eier ablegen. Im kommenden Frühjahr beginnt das Raupenschauspiel von vorn.

"Man muss kein massenhaftes Ausbreiten dieser Motten befürchten, denn natürliche Feinde wie Raubwanzen, Schlupfwespen, Ohrwürmer u.a. sorgen für die Dezimierung", weiß Witzlau. "Auch die befallenen Gehölze überstehen den Raupenbefall in der Regel schadlos. Sie treiben neu aus und in ein paar Wochen sieht es aus, als wäre nie etwas gewesen."

Bei Obstbäumen allerdings empfiehlt es sich, die Raupen möglichst frühzeitig abzusammeln, um Ertragseinbußen zu vermeiden, ergänzt Sebastian Schmidt, Sachgebietsleiter im Umweltamt. Im Fall der betroffenen Gehölze am Zelleschen Weg glaubt Schmidt, dass der größte Teil der Raupen alsbald verhungern wird. Denn seiner Ansicht nach sind die Raupen bereits im 5. Larvenstadium. Zu dieser Zeit würden sie ca. 80 Prozent der während der gesamten Fraßzeit konsumierten Blattmasse benötigen. Die Gehölze dort sind aber schon jetzt weitgehend kahl und "zu anderen Gehölzarten kriechen die Raupen nicht", erläutert Witzlau. Das Gespinstmottenschauspiel ist derzeit übrigens auch an einigen wenigen Sträuchern an der Dohnaischen Straße zu beobachten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.05.2012

Catrin Steinbach

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