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Fast wie im Hitchcock-Krimi: Krähen-Schwärme über der Stadt

Fast wie im Hitchcock-Krimi: Krähen-Schwärme über der Stadt

Ein bisschen erinnert es an Hitchcock, wenn sich mitten in der Dresdner Innenstadt der Himmel verdunkelt und Hunderte Krähen krächzend ihre Kreise ziehen. Das ist vielleicht etwas gruselig, aber nicht außergewöhnlich.

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Nicht zu übersehen und zu überhören: Jeden Abend bevölkern Hunderte Krähen den Dresdner Himmel. Die Vögel fliegen dann in Schwärmen zu ihren Schlafplätzen - ein eindrucksvolles und lautstarkes Spektakel.

Quelle: Wolfgang Löffler

"Derzeit überwintern viele Saatkrähen und Dohlen aus Ostafrika hier, deshalb sind es ein paar mehr Vögel," erklärt Andreas Knoll, Vorsitzender der Fachgruppe Ornithologie Dresden. Bald fliegen die Wintergäste zurück, die "Dresdner" Krähen bleiben hier.

Die Schlafplätze der Tiere variieren ständig, deshalb ändern sich auch die Flugrouten. Die geselligen Tiere machen auf ihrem Flug zu den Schlafplätzen zwischendurch Rast und erzählen sich erst mal einen Schlag. Da wird es richtig laut. Am Morgen läuft das Spiel anders herum. So hat man das Gefühl, es gibt Unmengen von Krähen.

Wirklich angestiegen ist dagegen die Zahl der Elstern in Dresden. Ursprünglich sind sie Vögel der offenen Feldflure, also von Agrarlandschaften mit Hecken, Sträuchern und Baumgruppen. In den letzten Jahrzehnten hat es da aber starke Veränderungen gegeben. Nicht nur was die Landschaft, sondern auch das Futterangebot betrifft. Durch den großflächigen Anbau von Monokulturen mit Mais oder Raps finden Elstern in ihren angestammten Gebieten nicht mehr genügend Nahrung und weichen in die Städte aus.

Elstern sind flexibel und lernfähig, finden hier genügend Nahrung, gelegentlich plündern sie auch mal ein Amselnest. "Das stört die Population aber nicht", so Knoll. "Wird ein Amselnest ausgeraubt, brüten die Tiere erneut". Auch Elstern übernachten in Gemeinschaften auf Bäumen und so sieht man häufig ganze Gruppen. "Es gibt aber insgesamt nicht mehr Elstern. Der Bestand hat sich nur in Richtung Stadt verschoben", sagt Knoll.

Rar gemacht hat sich dagegen der Hausspatz. Flogen früher ganze Spatzenschwärme über Dresden, findet man sie heute meist nur noch in Biergärten oder Eiscafés. Im Gegensatz zu Elstern oder Krähen, die Allesfresser sind, ist der Spatz auf Körner und Samen angewiesen. Da sein Lebensraum immer mehr zugebaut wird, hat er es schwer, etwas Fressbares zu finden und bettelt um Waffelreste und Weißbrotkrumen.

Zu schaffen macht dem Spatz noch etwas anderes. Ihm fehlt die unsanierte Bausubstanz der DDR. "Die Kanten und Löcher in der Dächern nutzte er zum Nisten", erklärt Knoll. Jetzt, wo alles saniert ist, fehlt ihm oft die Möglichkeit, ein Nest zu bauen. Deshalb weicht er schon mal auf einen Mauerseglernistkasten aus, um seinen Nachwuchs groß zuziehen. Man sollte ihn da nicht stören oder vertreiben, sondern gewähren lassen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2012

ml

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