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Facebook-Flirt: zwischen schlüpfrigen Gesuchen und ernsthaftem Liebesinteresse

Facebook-Flirt: zwischen schlüpfrigen Gesuchen und ernsthaftem Liebesinteresse

Seit Anfang Januar gibt es sie, die Seite "Spotted: TU Dresden". Wer verpasst hat, seinen Schwarm in der Pause oder der Vorlesung anzusprechen, kann es via anonymisier-ter Flirtplattform auf Facebook nachholen.

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Alte Studentenweisheit: In der Bibliothek, da knistert's. Wer sich nicht traut, einen Schwarm anzusprechen, kann auf der Flirtseite "Spotted: TU Dresden" sein Glück versuchen.

Quelle: Christian Juppe

Wer kennt das nicht? Gerade eben erschien mir mein Traummann und vor lauter Aufregung habe ich mich hinter meiner Freundin versteckt. Wie gern würden wir manchmal der Burger mampfenden Schönheit am Mensatisch gegenüber "Hallo" sagen oder mit dem lächelnden Typen an der Bushaltestelle ein Gespräch beginnen. Wer sich nicht traut, bekommt eine zweite Chance in der virtuellen Welt. Das Prinzip ist einfach: Beschreibe, wen du gesehen hast, und schicke das Ganze per Facebooknachricht an die Seitenbetreiber von "Spotted: TU Dresden". Daraufhin landet dein Gesuch auf der Seite. Und es heißt abwarten, ob sich die Traumfrau oder der Traummann melden. Der Suchende darf dabei anonym bleiben.

Nicht die feine Art sind allerdings Anzeigen, in denen der Name und der Studiengang von Personen veröffentlicht oder Gesuchte offen auf Facebook verlinkt werden. Kein Wunder, dass sich dabei der eine oder andere belästigt fühlt. Sandra, die weder ihren wahren Namen noch die Plattform, auf der über sie zu lesen war, nennen möchte, fühlte sich sogar verfolgt. Sie erhielt einige Tage lang unerwünschte Nachrichten von Interessenten.

Romantik, Spaß und Anonymität

Die Betreiber der Dresdner Seite haben sich entschieden, in ihrem Ehrenkodex für einen fairen Umgang zu plädieren: Herabwürdigende, verletzende Kommentare seien unerwünscht und würden gelöscht werden. Schließlich stünden Liebe, Romantik, Spaß und Anonymität im Vordergrund. Doch einmal veröffentlicht und gelesen, waren Sandras Lieblingsplätze im Hörsaalgebäude in aller Munde und ihr blieb nichts anderes übrig, als diese zu meiden.

Die Idee der virtuellen Partnervermittlung ist nicht neu. Von bislang hauptsächlich englischsprachigen Seiten, wie "Spotted: On Dublin Bus", bei der Passagiere verkuppelt werden sollen, schwappte der Trend der öffentlichen Suchanzeige via Internetplattform nun nach Deutschland über. Für viele Universitäten, etwa in München, Dortmund, Marburg und Hannover, wurden Spotted-Seiten auf Facebook gegründet.

Die Betreiber der Dresdner Seite haben sich eingereiht. Am 8. Januar starteten sie das Projekt. Seither haben sich 381 Nutzer entschieden, die Seite gut zu finden, und 92 sprechen in den Tiefen von Facebook darüber. Besonders stark genutzt wird die Seite im Vergleich mit anderen Plattformen jedoch nicht. Gerade einmal acht Einträge wurden veröffentlicht, verglichen mit bis zu 20 Nachrichten pro Tag auf der Seite "Spotted: Stabi München".

Schäferstündchen gesucht

Regeres Treiben ist auch auf der bundesweiten Flirtplattform bibflirt.de zu sehen. Mit mehr als 2400 Anzeigen seit Anfang Januar bleibt die Hoffnung bestehen, dass sich das eine oder andere Paar gefunden hat. Den fünf Heidelberger Studenten Tung, Alex, Nico, Chris und Nik, die die Seite ins Leben riefen, war wichtig, dass sich Gesuchte sofort bei Suchenden auf der Seite melden können. Auf den Facebookseiten funktioniert der Austausch nicht über eine automatisierte Schaltfläche, sondern über die Betreiber. Für Liebesvögel außerhalb Deutschlands gründeten sie sogar ein internationales Pendant. Mit spotted-university.com konnten über 300 Anzeigen, meist in englischer oder französischer Sprache, veröffentlicht werden.

Nicht jede Nachricht auf den Plattformen für Romantiker enthält aufrichtige Liebesbekundungen. Unverblümt wird auch nach Begleitern für Schäferstündchen gestöbert. Oder flotte Sprüche entpuppen sich als flache Scherze. Spätestens wenn Liebessuchende herausfinden möchten, wie ernst es dem Anderen ist, stoßen sie an die Grenzen der virtuellen Welt. Dann heißt es: Mut zusammenfassen und vielleicht mit einer Rose im Knopfloch zum vereinbarten Treffpunkt eilen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.02.2013

Stefanie Ender

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