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Endlich erwachsen: Dresdner Jugendliche berichten über ihren Weg zur Jugendweihe und zur Firmung

Endlich erwachsen: Dresdner Jugendliche berichten über ihren Weg zur Jugendweihe und zur Firmung

Nur noch weinige Wochen, dann haben sie ihren großen Tag. Tabea (14), Chris (14) und Fritz (15) sind drei von etwa 400 Jugendlichen, die sich mit Hilfe des Jugendvereins Roter Baum e.

V. auf ihre Jugendweihe vorbereiten. Vorbereiten, das heißt aus 65 verschiedenen Bildungsveranstaltungen mindestens fünf innerhalb eines Jahres zu besuchen.

Die Qual der Wahl ist groß. Von einem Besuch im MDR-Landesfunkhaus, über sportliche Veranstaltungen wie einem Schnuppertanzkurs oder Aikido-Kurs bis hin zu aktuellen gesellschaftskritischen Themen wie Altern in Würde und die Toleranz von Homosexualität in unserer Gesellschaft. "Eine der spannendsten Veranstaltungen war für mich 'Leben ohne Augenlicht'. Da haben wir uns selbst einmal die Augen verbunden und versucht, uns zu orientieren. Das war gar nicht so leicht", erzählt Tabea. Das Auswahlkriterium, nach dem sich die Jungs und Mädels entscheiden, ist einfach: alles was gefällt. Chris und Fritz interessieren sich besonders für politische Themen. Also gingen sie zum Beispiel in den Sächsischen Landtag und zu Diskussionsrunden über das Thema Nahost-Konflikt.

Neben dieser bunten Vielfalt an Veranstaltungen bietet der Rote Baum auch noch größere Projekte an, die während des gesamten Jugendweihejahres laufen und gleichgesetzt werden mit den fünf Einzelveranstaltungen. Und als i-Tüpfelchen gibt es auch noch Bildungsfahrten, unter anderem zu der Gedenkstätte Buchenwald.

Glaubensbekenntnis

Ähnlich wie bei den Vorbereitungen auf die Jugendweihe, treffen sich die Jugendlichen der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde Dresden-Johannstadt bereits etwa ein Jahr vor ihrer Firmung regelmäßig in ihrer Gemeinde. In dieser Zeit beschäftigen sie sich nicht nur mit dem Verständnis der Bibel, sondern hinterfragen die heilige Schrift auch kritisch. Sie diskutieren über Fragen des Glaubens und versuchen die Ansichten der katholischen Kirche mit ihrem eigenen Denken zu verbinden. Dabei werden auch stets über aktuelle Themen, wie beispielsweise Abtreibung, Gespräche geführt.

"Vor meiner Firmung hatte ich noch einige Zweifel. Fast alle Mitschüler aus meiner Klasse hatten zu der Zeit Jugendweihe. Da habe ich mich natürlich gefragt, warum ich überhaupt Firmung mache", erinnert sich Rebecca (18). Sie hatte vor etwa vier Jahren Firmung und weiß heute noch, dass sie während des Festgottesdienstes Gänsehaut hatte. "Das war ein sehr wichtiger Schritt für mich auf dem Weg zum Erwachsenwerden", erzählt sie. Denn sie hatte die Entscheidung, sich zu ihrem katholischen Glauben zu bekennen, diesmal ganz allein getroffen, anders als bei ihrer Taufe.

Diesen Schritt hat Richard (14) noch vor sich. Er hatte zwar in der dritten Klasse schon Kommunion, aber das Vorbereitungsjahr auf seine Firmung beginnt erst nach den Sommerferien. "Aufgeregt auf die Firmung bin ich noch lange nicht. Ich freu mich erst mal auf den wöchentlichen Treff der katholischen Jugend. Da wird einfach nur geredet, manchmal gegrillt oder auch mal ein Themenabend organisiert", erzählt Richard. Hauptsache, die Jugendlichen haben Freude daran, entwickeln ein Gemeinschaftsgefühl und kommen vor allem freiwillig.

Das ist auch die Grundlage für die Teilnahme an den Veranstaltungen vom Roten Baum. Sowohl die Firmung als auch die Jugendweihe sind also keine Pflichtveranstaltung! Chris kann das Jugendweihejahr nur weiterempfehlen. "Ich hätte die Veranstaltungen auch ohne das Ziel, für die Jugendweihe zugelassen zu werden, besucht. Ich finde, jeder sollte das mal machen, um sich weiterzubilden. Denn man wird einfach anders und denkt anders", erklärt Chris. Und das ist auch der Sinn des Ganzen.

Im ständigen Dialog

Egal, ob Jugendweihe, Firmung, Konfirmation oder Bar Mizwa. Die Jugendlichen lernen selbstständiger zu werden, sie treffen ihre ersten eigenen Entscheidungen und lernen, mehr Verantwortung für sich und ihr Handeln zu übernehmen. Und das alles in einem ständigen Dialog untereinander, aber auch mit älteren Generationen. Als erwachsen würden sich Tabea, Fritz und Chris nach dem Jahr trotzdem nicht bezeichnen. Doch spätestens wenn die Lehrer sie nach ihrer Jugendweihe anfangen werden zu siezen, werden sie bestimmt kurz schmunzeln und sich zu Recht ein bisschen erwachsener fühlen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.04.2013

Lisa Kirsten

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