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Elefanten-Coup und Flaschenpyramiden - Kreationen eines Dresdner Architekten

Elefanten-Coup und Flaschenpyramiden - Kreationen eines Dresdner Architekten

Drei Elefanten tauchten dieser Tage plötzlich auf der Wiese am Flutgraben zwischen Tolkewitz und Laubegast - hinter dem Spielplatz des Kindergartens Toeplerstraße - auf.

Von Catrin Steinbach

Der größte misst immerhin 2,40 Meter. Und so fallen die drei Gesellen durchaus auf in der Gegend. Geschaffen hat die Elefanten Siegfried Heischkel, Architekt im Ruhestand. Der 75-jährige fröhliche Striesener ist Bastler und Tüftler, der mit immer neuen Ideen Freunde und Bekannte zum Staunen und zum Lachen bringt.

"Die Elefanten sind ein Auftragswerk. Ein Freund wollte seiner Frau, die diese Tiere über alles liebt und schon eine große Elefanten-Figurensammlung besitzt, zum 60. Geburtstag eine Elefanten-Safari schenken." Heischkel sägte dann für ihn aus Hartfaserplatten drei Elefanten aus, bemalte diese und fertigte Gestelle an.

"Eigentlich war ja der Plan, dass die Frau die "Tiere" auf der Wiese sieht, wenn beide gemütlich am Frühstückstisch sitzen und aus dem Fenster sehen. Leider hat mein lieber Freund außer Acht gelassen, dass Frauen früh immer das Schlafzimmerfenster aufreißen, um zu lüften. So hat sie die Elefanten schon eher entdeckt. Aber die Überraschung ist trotzdem gelungen", freut sich Siegfried Heischkel und seine Augen blitzen schelmisch.

Die Elefanten sind nur ein Beispiel für das riesige Repertoire des hageren Mannes mit dem Schnauzbart. Denn Holz hat es ihm angetan. "Ich bin zwar in Dresden geboren, aber in Crottendorf im Erzgebirge aufgewachsen. "Es war Usus, dass man ein Instrument lernte und bei einem Schnitzer in die Lehre ging. Also hab' ich das auch gemacht. Schon als ich in die Schule kam, war für mich klar, dass ich mal Tischler werde." Tatsächlich hat Siegfried Heischkel dann diesen Beruf erlernt, später studierte er auf der Burg Giebichenstein und wurde Architekt. In seiner Freizeit jedoch ging's ans Schnitzeln, Drechseln und Malen.

Das erste größere Objekt aus Holz, das er baute, war ein Bergwerk mit Bergmännern und Zwergen, die sich mittels Kurbel durch Wellen, Zahnräder und Riemen durch die Landschaft bewegen lassen. Das Bergwerk steht heute noch im Wohnzimmer. Es verwandelt sich zur Weihnachtszeit in ein erzgebirgisches Weihnachtsland mit unzähligen Nussknackern, Räuchermännchen, einer riesigen Pyramide mit über 200 Figuren sowie Engeln, Leuchtern, Reitern auf Schaukelpferden u.a.. Alle Figuren sind selbst gebaut. Einige orientieren sich an den traditionellen Vorbildern, andere sind sehr besonders. So gibt es z.B. einen Architektennussknacker, einen Fechter, einen Dukatenscheißer und Pyramiden in Schnapsflaschen.

Die meisten seiner Werke jedoch stehen bei Verwandten, Freunden und Bekannten. Für sie verewigt er auf Wunsch berufliche Tätigkeiten, persönliche Geschichten, Vorlieben oder Hobbys in verrückten Figuren und Pyramidenkonstruktionen. "Wir sind immer fein raus, was Geschenke betrifft", schmunzelt Waltraud Heischkel. Sie widmet sich eher Handarbeiten. Vom Bastelwahn ihres Mannes hat sich die Bauingenieurin nicht anstecken lassen. Aber vom Malen. Beide gehören zum Kunstkreis Dresdner Malfreunde. Zudem backen Waltraud und Siegfried Heischkel gern. Sie stellt filigran verzierte Lebkuchen bzw. Lebkuchenbilder her, die dann zumeist verschenkt werden. "Manche sammeln sie sogar", weiß ihr Mann. Auch Plätzchenbacken ist ein Muss. "Zehn verschiedene Sorten sind es dieses Jahr. Ich verfalle da in einen richtigen Rausch, backe drei Tage hintereinander und bin dann fast am Umkippen", lacht die 66-Jährige. Er backt jedes Jahr den Weihnachtsstollen. "Sehr lecker ist es, wenn man die Rosinen mit Calvados mariniert", verrät Siegfried Heischkel.

Das erste Stück Stollen gibt's allerdings traditionell erst am 1. Weihnachtsfeiertag. "Da stehen wir zeitig auf, damit wir vier Uhr früh an der Kreuzkirche stehen, denn wir wollen für die 6 Uhr beginnende Mette einen schönen Platz", erzählt Waltraud Heischkel. Zum Frühstück nach der Mette schneiden wir den Stollen an." Heiligabend werden Kartoffelsalat, Würstchen, selbst gemachte Sülze und Gabelbissen serviert. Vom traditionellen Neinerlaa sind die dem Erzgebirge und den erzgebirgischen Traditionen sehr verbundenen Heischkels dann also doch ein bisschen abgekommen.

Im neuen Jahr steht für Siegfried Heischkel schon das nächste große Projekt ins Haus, an dem er bereits konzeptionell feilt. Er will zum 5. Mal am Schneeskulpturenwettbewerb am Alten Zollhaus in Neuhermsdorf/Erzgebirge teilnehmen. In den vergangenen Jahren ging er dort schon zwei Mal als Sieger hervor.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.12.2012

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