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Einstige Friedhofskapelle dient jetzt als Ausbildungsstätte für Floristenschüler aus Taiwan

Einstige Friedhofskapelle dient jetzt als Ausbildungsstätte für Floristenschüler aus Taiwan

Ein paar Sätze fliegen hin und her, ein leises Lachen, dann wieder ist kaum ein Mucks im denkmalgeschützten Torhaus des Äußeren Matthäusfriedhofes zu hören.

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Johanne de Carnèe (links) mit Liu Jia-Qi, einer ihrer Schülerinnen aus Taiwan, in der üppig mit Malereien verzierten Friedhofskapelle und Trauerhalle, die jetzt als Werkstatt und Schule dient.

Quelle: Andor Schlegel

Und das, obwohl hier emsig gearbeitet wird. Unter geschickten Händen entstehen filigrane, floristische Gebilde. Das einst als Trauerhalle und Kapelle genutzte Gebäude im neugotischen Stil hat eine neue Bestimmung gefunden: Es dient als Ausbildungsstätte für Floristen.

Die Schüler kommen allerdings nicht aus dem Raum Dresden, nicht mal aus Deutschland, sondern aus dem mehr als 9000 Kilometer entfernten Taiwan. Die Frauen scheuen weder Kosten, noch die Reise um die halbe Welt, um in Dresden einen Teil ihrer praktischen Ausbildung und vor allem die Prüfung zu absolvieren.

Zum einen ist in Taiwan - wie auch in Korea - ein Zertifikat der Industrie- und Handelskammer, die die Prüfung abnimmt, heiß begehrt. Zum anderen möchten die Taiwaner unbedingt die floristische Technik der Deutschen lernen, und zwar in Dresden. "Die Floristen in Taiwan arbeiten dekorativ. Wir schenken der einzelnen Blume mehr Beachtung", bringt es Johanne de Carnée auf den Punkt.

Die Floristmeisterin und Grafikdesignerin ist die Leiterin und Inhaberin der "Blumen Werk Schule". Seit der Gründung 2012 haben eine Facharbeiter- und eine Meisteranwärterklasse bei ihr die praktische Ausbildung absolviert. "Die nächste Klasse wartet schon wieder", freut sich die "Meistermacherin", die neben der praktischen Ausbildung in Dresden auch Unterricht in der Heimat ihrer Schüler gibt und deshalb mehrmals im Jahr nach Taiwan fliegt. Zudem hat die Stadtverwaltung von Taipeh sie beauftragt, auf dem Expo-Gelände eine Fläche floristisch zu gestalten. Die gebürtige Ostfriesin hat viele Jahre als Ausbilderin erst am Deutschen Institut für Floristik in Pillnitz gearbeitet und nach dessen Insolvenz am Dresdner Institut für Floristik (DIF) - unter dem Dach der Sächsischen Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe. Als Konkurrenz zu dieser Ausbildungsstätte sieht Johanne de Carnée ihre Schule nicht. Auch wenn am DIF ebenfalls Schüler aus Asien lernen. "Ich arbeite mit anderen Partnern zusammen."

Doch warum eine Schule ausgerechnet auf einem Friedhof? Zum einen wurden die Räumlichkeiten, zuvor vom Bildungsträger Arbeiten und Lernen genutzt, gerade frei. Zum anderen hat Johanne de Carnée seit ihrer Lehrausbildung in einer Friedhofsgärtnerei eine besondere Beziehung zu diesen Orten. "Ich habe früher immer gesagt, wenn ich mal keine Arbeit habe, gehe ich auf einen Friedhof, Laub harken."

Arbeit und ein finanzielles Auskommen hat die Floristmeisterin. Laub harkt sie auf dem Friedhof trotzdem. Zudem pflegt sie am Wochenende die Kriegsgräber - mit ihrem Mann Stefan Mertenskötter, dem Geschäftsführer des Umweltzentrums Dresden. Das hat Anfang des Jahres den 1851 angelegten Äußeren Mätthäusfriedhof in Erbbaurecht für 30 Jahre übernommen.

iDie Meisterschüler der Blumen Werk Schule zeigen ihre Arbeiten in einer kleinen, öffentlichen Schau am 19. September, 10-20 Uhr, in der Kapelle auf dem Äußeren Matthäusfriedhof, Bremer Str. 18. Eintritt frei.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.09.2013

Catrin Steinbach

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