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Eine Woche ohne Plaste - Dresdnerin wagt den Selbstversuch

Eine Woche ohne Plaste - Dresdnerin wagt den Selbstversuch

Drei Brötchen und eine neue Plastiktüte. Diese Ausbeute brachte Birgit Ittershagen-Hammer jeden Tag von ihrem Bäcker um die Ecke mit nach Hause. "Die Massen Plastik, die allein durch den Bäcker in unserem Haushalt anfielen, haben mich regelrecht genervt", erklärt die 49-jährige Dresdnerin.

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Gar nicht so leicht: Birgit Ittershagen-Hammer kauft plastikfrei ein im Konsum in der Schillergalerie. Käse und Wurst lässt sie sich an der Frischetheke in eigens mitgebrachtes Butterbrotpapier wickeln, Obst und Gemüse kommt in die Papiertüte.

Quelle: Dietrich Flechtner

Jetzt hat sie dem Plastikmüll den Kampf angesagt. Eine Woche lang will sie beim Einkauf auf sämtliche Produkte verzichten, die in nicht-recycelbaren Kunststoffen verpackt sind. Neben Plastiktüten landen bei der dreiköpfigen Familie im Moment weder frische- noch aromaverpackte Lebensmittel wie Kaffee oder Wurstwaren im Einkaufswagen. Über ihre Erfahrung schreibt Birgit Itterhagen-Hammer auf ihrem Online-Blog www.livona.de.

Tatsächlich ist der massenweise Verbrauch von Plastikbeuteln ein Thema, dass es inzwischen bis auf die Schreibtische der EU-Kommissare in Brüssel geschafft hat. Anfang November sorgte Umwelt-Kommissar Janez Potocnik mit seinem Vorschlag, den Verbrauch der Tragetaschen mit Steuern, Abgaben und Verboten zu bekämpfen, für Wirbel. Laut EU-Zahlen benutzt ein EU-Bürger im Schnitt jährlich 200 Plastiktüten, Deutschland liegt dabei mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 75 Tüten weit unter dem Durchschnitt. Die Umwelthilfe schätzt den Verbrauch jedoch viel höher ein: Pro Minute würden in Deutschland 10 000 Tüten über die Ladentheken gehen. Auf Bundesebene sorgt der immense Tütenbedarf anscheinend nicht für Beunruhigung. Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums erklärte, dass Plastiktragetaschen in Deutschland kein relevantes Umweltproblem darstellten.

Birgit Ittershagen-Hammer aus Dresden kann solche Aussagen nicht nachvollziehen. "Egal was und wo man einkauft - überall bekommt man die Tüten sozusagen ungefragt in die Hand gedrückt", beklagt die Freiberuflerin. Dennoch sei der Plastikverzicht einfacher, als vorher erwartet. Käse und Wurst lässt sie sich an der Frischetheke im Supermarkt in das eigens mitgebrachte Butterbrotpapier einwickeln; Gemüse und Obst transportiert Ittershagen-Hammer in der Papiertüte und an der Kasse wird schließlich alles im guten, alten Jutebeutel verstaut. "Es gibt fast immer eine Alternative. Ein Verbot der Tüten ist nicht völlig utopisch", findet die gelernte Fotografin.

Im sächsischen Landtag hat der EU-Vorstoß vom Tütenverbot ebenfalls für Diskussionsstoff gesorgt. Die Grünen forderten vergangene Woche, eine sächsische Kampagne dazu ins Leben zu rufen. "Die Wegwerf-Mentalität lässt die Weltmeere im Müll versinken", sagte Grünen-Abgeordnete Gisela Kallenbach. Dreiviertel dieser Müllmengen bestehe aus Plastik. Auch Experten warnen davor, dass immer mehr Tüten in Flüssen oder Meeren landeten. Diese zersetzten sich nach und nach in immer kleinere Mikropartikel. Fische nehmen das Plastik dann mit der Nahrung auf. So gelangen schließlich Weichmacher und andere Zusatzstoffe unbemerkt in die menschliche Nahrungskette. 80 Prozent des Meeresmülls kommen Schätzungen zufolge von der Landseite.

"Mit solchen kleinen Aktionen kann ich zwar nicht die Welt retten, aber auf Missstände aufmerksam machen", erklärt Ittershagen-Hammer ihren Selbstversuch. Mit ihr haben sechs andere Dresdner das Experiment gewagt. Dabei seien manche auch schon an ihre Grenzen gestoßen. "Wer aus finanziellen Gründen im Discounter einkaufen muss, für den gibt es natürlich nur die abgepackte Wurst", gibt die Mutter zu. Vielmehr als die Verbraucher sehe sie deshalb die Industrie in der Verantwortung, weniger Plastik zu produzieren. Bis Sonntag will die Dresdnerin die "Plastik-Diät" noch halten. "Ob ich dann damit weitermache, dass halte ich mir noch offen", erklärt Birgit Ittershagen-Hammer mit einem geheimnisvollen Schmunzeln.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.11.2013

Schädlich, Susann

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