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Ein Wochenende lang war die 23-jährige Dresdnerin Jenny Sprenger Foto- und Laufstegmodel - ohne Agentur und Erfahrung

Ein Wochenende lang war die 23-jährige Dresdnerin Jenny Sprenger Foto- und Laufstegmodel - ohne Agentur und Erfahrung

"Sie ist ein Model, und sie sieht gut aus". Das waren die ersten Gedanken als ich erfahren habe, dass meine Freundin Jenny Sprenger zu Dresdens erster kleiner Fashionweek oder besser gesagt Fashionweekend über den Laufsteg marschiert.

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Jenny Sprenger (li.) gemeinsam mit der früheren Kandidatin von Germany's Next Topmodel, Marie-Luise Schäfer, beim Fotoshooting im Zwinger. Für die Aufnahmen hat Marie-Luise Jenny die passenden Schuhe geborgt.

Quelle: Ian Whalen

Ihr Laufdebüt sollte sie beim Fashion Design Festival Ende September in der Concept Hall am Postplatz geben. Dennoch war ich verwundert. Obwohl sie mit 1,80 Meter wirklich Modelmaße hat, kenne ich sie eigentlich als jemanden, der eher die Welt hinter den Kulissen liebt. Und so viel ich weiß, hat sie mit 23 Jahren und einem Studium der Wirtschaftswissenschaften vollkommen andere Pläne. Ein ausgiebiger Kaffee-Plausch war dementsprechend bitter nötig und sollte Klarheit schaffen.

Deine erste Modenschau... Ich weiß noch genau, dass ich völlig aus dem Häuschen war, als ich gehört habe, dass du gleich vier Mal beim Fashion Design Festival mitläufst und mit Marie-Luise von Germany's Next Topmodel ein spontanes Shooting hattest. Wie hat es dich dahin verschlagen?

Raul, ein sehr guter Freund, der auch für die Technik in der Concept Hall verantwortlich war, hat mir erzählt, dass noch Models gesucht werden. Er meinte, ich soll unbedingt zum Casting gehen. Und da war ich dann auch. Mit mir noch fünf weitere Mädchen. Wir mussten dann erst einmal laufen. Außerdem haben die uns dort auch vermessen und drei Fotos gemacht. Ein paar Tage später wurde ich schließlich in die Facebook-Gruppe aufgenommen und damit stand fest, dass ich mit dabei bin.

Wie war das denn so zwischen den vielen anderen hübschen Mädels? Waren die auch alle so unerfahren wie du?

Die waren alle deutlich jünger als ich. So 16 bis 19 Jahre größtenteils. Und alle Mädchen, mit denen ich mich unterhalten habe, gehörten zu einer Model-Agentur. Viele sind zum Beispiel schon bei der Modenschau der Designstudenten im Sektor mitgelaufen.

Und hast du auch gemerkt, dass die bereits mehr Erfahrung haben?

Ja, klar. Die waren alle wesentlich ruhiger als ich, sehr selbstbewusst und nur wenig aufgeregt.

Hast du denn zu Hause vor dem Spiegel ein bisschen Posen und Laufen geübt?

Viel Zeit hatte ich ja nicht. Ich habe das alles erst eine Woche vor der Show erfahren und ein Lauftraining gab es nicht. Da ich aber auch so ständig hohe Schuhe trage, hatte ich damit keine Probleme. Die Generalprobe hat mir dann gereicht. Und die Posen habe ich mir von den anderen abgeguckt.

Nachdem du dann wusstest, dass du mitläufst, hast du bestimmt eine kleine Panik-Diät eingeschoben. Gib's zu!

Hehe. Um ehrlich zu sein, habe ich das wirklich kurz überlegt, weil alle um mich herum so dünn waren. Aber innerhalb einer Woche hätte das nicht viel gebracht. Außerdem haben sich die Designer ja mit meinen bestehenden Maßen für mich entschieden. Auch wenn das für mich nicht ganz nachvollziehbar war.

Wir als Zuschauer waren ja schon aufgeregt, dich auf dem Laufsteg zu sehen. Was ging dir so kurz vor der Show durch den Kopf?

"Auf keinen Fall stolpern, Jenny! Nicht über die Treppe fallen und trotzdem nicht zu viel auf den Boden schauen." Das habe ich mir die ganze Zeit gesagt. Und ich war extrem gespannt, ob ich in der Masse irgendwelche bekannten Gesichter entdecken würde. Einen Kumpel habe ich auch wirklich erkannt. Der ist durch seine Größe herausgestochen.

Wie war die Stimmung Backstage?

Naja zum einen natürlich sehr stressig, aber auch konzentriert und angespannt. Einige Models mussten fast bei allen Designern mitlaufen, und da musste das Umziehen natürlich extrem schnell gehen. Für mich war es relativ entspannt, nur einmal habe ich eine Runde übersprungen, weil es bei einem Abendkleid Komplikationen gab und dadurch eine kleine Pause entstanden ist.

Habt ihr euch untereinander geholfen oder macht da jedes Model sein eigenes Ding?

Jeder hilft jedem, auf alle Fälle. Und das, obwohl eigentlich jedes Model einen eigenen Anzieher hatte. Trotzdem gibt es kein Rumgezicke oder Konkurrenzdenken.

War oder ist es denn wichtig für dich, dass du dich in den Sachen, die du präsentierst, wohlfühlst oder ist das vor lauter Aufregung sowieso nebensächlich?

Man läuft einfach und denkt nicht mehr und blendet das Wohlbefinden in den Klamotten völlig aus. Also jedenfalls war das bei mir so. Soweit das ging, habe ich mich auch wohl gefühlt. Allerdings habe ich mich zuvor noch nie so vielen Menschen zur Schau gestellt.

Und privat?

Wie du ja weißt, liebe ich hohe Schuhe und ich mag es auch elegant und schick. Es muss auch nicht immer bequem sein, solange es gut aussieht (lacht). Am liebsten kombiniere ich Vintage-Sachen mit neuen Teilen. Verspielte Rüschen mag ich aber nicht.

Du warst ein ganzes Wochenende eingespannt, bist noch auf einer anderen Show gelaufen und hattest obendrein ein Shooting. Was war denn so das spaßigste Erlebnis und was war besonders anstrengend? Gibt es etwas, was dir leicht oder besonders schwer fiel? Ich wüsste zum Beispiel gar nicht, welcher Gesichtsausdruck bei mir vorteilhaft wäre.

Ja, das fiel mir auch am schwersten. Ich kenne meine Mimik nicht gut genug und wusste dementsprechend immer nicht, ob das jetzt gut ist, wie ich gucke. Egal, ob auf dem Laufsteg oder vor der Kamera. Das Laufen an sich war dank meiner jahrelangen High-Heel-Liebe kein Problem. Und am meisten Spaß hatte ich bei dem Shooting auf dem Dach mit Marie Luise. Das war auch das erste Mal, dass ich jemanden aus dem Fernsehen live gesehen habe.

Hast du eigentlich mal darüber nachgedacht, dir eine Agentur zu suchen? Das wäre schließlich ein lukrativer Nebenjob, zumal eine Designerin auch deine Kontaktdaten wollte.

Das habe ich. Dann habe ich die Idee aber schnell wieder verworfen, weil ich mit meiner Größe 36 nicht die Maße hätte, die man bräuchte, und es so viele andere Mädchen gibt, die sie schon haben. Außerdem glaube ich, wäre ich nicht lange damit glücklich, nur auf mein Äußeres reduziert zu werden. Das hat mich dann an dem Wochenende schon ein bisschen gestört und war ein komisches Gefühl.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2013

Interview: Laura Thiele

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