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Dresdner will einen Wolf im Stadtgebiet gesehen haben

Dresdner will einen Wolf im Stadtgebiet gesehen haben

Canis lupus ante portas? Steht der Wolf vor der Tür? Diese Frage stellt Hans-Peter Kulbe. Und er beantwortet sie gleich selbst: In Strehlen könnte es Isegrim getan haben.

Von christoph springer

"Könnte", denn Kulbe ist sich natürlich nicht absolut sicher, dass der Vierbeiner, den er am ersten Weihnachtsfeiertag kurz nach 22 Uhr am Leubnitzer Mittelgraben gesehen hat, tatsächlich ein Wolf war. Deshalb schreibt er von der "Beobachtung eines hundeähnlichen Tieres". Doch all die Wolfsmeldungen aus der Lausitz, der hinteren Sächsischen Schweiz bei Neustadt, ja sogar aus dem Chemnitzer Raum bekräftigen seine These vom Wolf im Wohngebiet, meint der Strehlener. "Ich war zehn bis 15 Meter entfernt und habe das Tier etwa eine Minute lang beobachtet", sagt Kulbe. Und: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein Hund war, der zu irgendjemand gehören könnte."

Dieser Meinung ist dagegen Sebastian Schmidt, Wolfsbeauftragter der Stadt. Wie die DNN so hat auch er Post von Hans-Peter Kulbe bekommen. Darin beschreibt der Strehlener die Situation am vergangenen Dienstag minutiös. Er kam von der Bushaltestelle "Spitzwegstraße" der Linie 66 und lief durch die Kleingartensparte von der Dohnaer Straße zum Otto Dix-Ring. "Es war eine klare Nacht wenige Tage vor Vollmond." Kurz vor der Brücke über den "Mittelgraben" machte Kulbe dann seine unglaubliche Entdeckung. Nahe einem kleinen Rondell mit Bänken lief ein Tier an dem Graben in Richtung Reick. "Es hatte ein hellgraues Fell, einen relativ langen buschig-zottigen Schwanz und eine weiße Schnauze", erinnert sich Kulbe. Schwanz, Rücken, Hinterkopf und Schnauze habe er im Mondlicht recht gut gesehen, der übrige Rumpf und die Beine waren im Halbdunkel nicht zu erkennen, die Schulterhöhe des Tieres konnte er deshalb nicht abschätzen. Immerhin: "Seine Körperlänge von Schnauze bis Schwanzspitze entsprach der eines großen Hundes."

Angesichts von Berichten über Wolfswanderungen ist Hans-Peter Kulbe überzeugt, dass ihm da zwischen Dohnaer Straße und Otto-Dix-Ring womöglich wirklich ein Wolf über den Weg gelaufen ist. Und er fürchtet Schlimmes. Dieser Weg durch die Gartensparte sei dann nicht mehr sicher, gibt er zu bedenken. "Es bedarf nur einer geringen Fantasie, dass der Wolf eines Nachts unter Ausnutzung der vorhandenen Grünkorridore auch bis in den Großen Garten und weiter bis in das Stadtzentrums gelangen kann", meint Kulbe, jedenfalls habe er bei der Begegnung am ersten Weihnachtstag "ein mulmiges Gefühl" gehabt.

Sebastian Schmidt winkt ab. Ein Wolf war das ganz bestimmt nicht, was der Strehlener da am vergangenen Dienstag gesehen hat, ist der städtische Wolfsbeauftragte überzeugt. "Wir bekommen immer mal wieder solche Meldungen", so Schmidt, vor drei oder vier Jahren sei sogar von einem Wolf hinter dem Kulturpalast die Rede gewesen. Dass irgendwann mal ein Wolf im Seifersdorfer Tal oder im Schönfelder Hochland gesehen wird oder über die Hellerberge zieht, will er nicht ausschließen. "Aber eigentlich hat der Wolf vor den Menschen Angst", so Schmidt weiter. Die Tiere, die im Raum Chemnitz gesehen wurden, seien wahrscheinlich um Dresden herum gezogen. Auch die Heide ist aus seiner Sicht kein Wolfsgebiet. "Dort gibt es ein sehr dichtes Wegenetz, die Heide ist sehr gut erschlossen und es finden zahlreiche Freizeitaktivitäten statt", begründet Schmidt, dass sich Wölfe dort nicht wohlfühlen würden. Das Fazit des Fachmanns: Hans-Peter Kulbe hat wahrscheinlich einen frei laufenden Hund gesehen. "Ich würde nix darauf geben, dass das ein Wolf war", sagt er und wird dies demnächst Kulbe auch persönlich in einem Brief mitteilen. Denn dessen Wolfsmeldung ging per Fax ins Rathaus. Der Strehlener indes traut dem Frieden nicht. Er will vorläufig vermeiden, bei Dunkelheit durch die Gartensparte zwischen Otto-Dix-Ring und Dohnaer Straße zu laufen.

"Eine zufällige Begegnung von Mensch und Wolf ... ist sehr selten, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann nicht zeigen. ... Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand. Sprechen Sie das Tier ruhig an, falls es noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist. Bevor es ... verschwindet, versuchen Sie sich sein Aussehen gut einzuprägen und melden Sie die Sichtung. Wenn Ihnen die Situation nicht geheuer ist, laufen Sie nicht davon, sondern gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie dabei laut." (Quelle: Wolfsregion Lausitz)

Mehr Infos und Hinweise für Sichtungen unter www.wolfsregion-lausitz.de.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2012

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