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Dresdner fanden Kobra im Koffer

Dresdner fanden Kobra im Koffer

Mitbringsel aus dem Urlaub wie Sand von der Ostsee, Muscheln vom Mittelmeer, Pflanzensamen aus Afrika mögen normalerweise besonders gut an die schönsten Tage im Jahr erinnern.

Exotische Tiere sind tabu. Dennoch haben Kathrin Lauda und Holger Bräuning unfreiwillig ein seltenes Tier mit nach Hause gebracht. Es blieb unentdeckt, bis sie ihre Koffer auspacken wollten. Ihr Mitbringsel aus dem dreiwöchigen Ayurveda-Urlaub in Sri Lanka war eine Schlange - eine lebende Monokel-Kobra.

Das Paar entdeckte die Schlange erst zu Hause in Dresden. "Wir bemerkten, dass sich etwas bewegt, nahmen ein T-Shirt beiseite, sahen die Schlange und sprangen erschrocken zurück. Mit einem Gummihandschuh versuchte ich, das Tier hinter dem Kopf zu packen und in ein Einweckglas zu verfrachten, was mir auch nach einigen Versuchen gelang", berichtet der 45-jährige Holger Bräuning.

Als das etwa 30 Zentimeter lange Tier eingesperrt war, begann es, sich im Glas aufzurichten und am Kopf ein Schild zu entfalten. "Erst dann wurde uns klar, dass wir eine giftige Schlange vor uns hatten. Wir recherchierten im Internet und fanden heraus, dass es sich um eine Monokel-Kobra handeln musste", sagt Kathrin Lauda.

Die beiden Heimgekehrten können sich glücklich schätzen, dass sie nicht gebissen worden sind. Nach dem Biss einer Monokel-Kobra folgt der Tod im Extremfall innerhalb weniger Minuten, meist jedoch nach etwa 17 bis 24 Stunden. Das Gift verursacht das Eintreten einer Atemlähmung, wenn nicht schnell die Behandlung mit einem Gegengift eingeleitet wird.

Obwohl es sich also um eine sehr gefährliche Schlange handelte, tauften Lauda und Bräuning das Reptil kurzerhand auf den Namen "Negombi". Schließlich war der Heimatort der Kobra wahrscheinlich Negombo in Sri Lanka, der Urlaubsort der Urlauber. Dann brachten sie die Schlange in den Dresdner Zoo. "Wir wussten einfach nicht, wohin mit ihr, und hielten das für die sinnvollste Lösung", sagt Lauda.

Doch im Zoologischen Garten war man über den Neuzugang wenig erfreut. "Wir sind keine Tierauffangstation", sagt Eva Ziemssen, Zoo-Tierärztin. "Darüber hinaus verfügen wir über keine Giftschlangen und haben auch nicht die Kapazitäten und Sicherheitsstandards, diese aufzunehmen."

Trotzdem bleibt Negombi vorerst Zoogast und wartet auf eine Entscheidung des Veterinäramtes. Das soll in den kommenden Tagen über den Verbleib der Schlange befinden, muss aber erst einmal eine Lösung finden. Denn in Dresden wurde nie zuvor eine Giftschlange als Fundtier abgegeben. Die Kobra wird wohl in einer Einrichtung untergebracht, die auf die Haltung von Gifttieren spezialisiert ist. Wo das sein wird, lässt sich noch nicht sagen. hh

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.09.2012

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