Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Dresdner beherbergen über 12.000 Mini-Büchern in ihrer Plattenwohnung

Dresdner beherbergen über 12.000 Mini-Büchern in ihrer Plattenwohnung

Alles was nach Buch aussieht und nicht größer als zehn mal zehn Zentimeter ist, hat keine Chance, von Elke und Werner Staufenbiel übersehen zu werden. Es sind die Minibücher, die schon in tiefster DDR-Zeit die Sammelleidenschaft des seinerzeit als Vermesser Tätigen weckten.

Voriger Artikel
Dinner auf der Bel Etage und Shuttleservice – Kempinski-Hotel ist bereit für den Semperopernball
Nächster Artikel
VW-Chef Winterkorn erhält Dresdner Opernball-Orden

Elke und Werner Staufenbiel sind vernarrt in Minibücher. Auch Leporellos, hier ein Fernost-Exemplar mit Fischbeindeckel, zählen dazu.

Quelle: Peter Weckbrodt

Was selten so perfekt passt: In Ehefrau Elke fand er eine Partnerin, die speziell an Kinderbüchern im Miniformat und sogenannten Portemonais-Büchern Gefallen fand.

Über 12 000 dieser Minibücher nehmen inzwischen die drei Zimmer in der Johannstädter Plattenbau-Wohnung der Staufenbiels weitgehend in Beschlag. Und ein Ende des Sammelns ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Was in DDR-Zeiten ein richtiges Erfolgserlebnis war, nämlich das Aufspüren eines der raren Exemplare, ist im 21. Jahrhundert geradezu allgegenwärtig. Die bekannten Dresdner Flohmärkte, natürlich der Online-Einkauf bei Ebay, Messen und Ausstellungen - die Minibuch-Quellen sprudeln nur so. "Es fällt schwer, sich zu bremsen. Aber Vernunft muss auch sein, schon aus finanzieller Sicht", gesteht der 66-Jährige. Vieles ist recht günstig zu haben, schon weil die Zahl der Sammler deutlich rückläufig ist. Der "Sammlerkreis Miniaturbuch" zählt 115 Mitglieder, sie sind weltweit verstreut. "Selbst in Japan, an der Uni Tokio, haben wir ein Mitglied, eine deutsche Frau. Aber auch wir haben größte Nachwuchssorgen. Unser Durchschnittsalter im Sammlerkreis liegt bei 65 Jahren", resümiert Staufenbiel. Der Dresdner ist seit Jahren der Vorsitzende des in Stuttgart sitzenden Vereins.

Es ist ein rühriger Verein, informiert auf Ausstellungen und Messen über seine Tätigkeit. Vierteljährlich gibt er das "Miniaturbuch Journal" heraus, die Beiträge schreiben die Mitglie- der, Werner Staufenbiel ist einer der aktivsten.

Ein Besuch bei Staufenbiels ist wie ein Besuch im Märchenland. Kein Genre, kein Bereich des gesellschaftlichen Lebens, das nicht Eingang in die Welt der Minibücher findet. Von den Kinder- und Jugendbüchern über die Klassiker, Biografien, Bildbände und Kochbücher bis zur Erotik und der Pornografie bleibt keine Lücke im Angebot. Für den Einband kommen nicht nur Leinen, Leder und Textilien sondern auch diverse Metalle, selbst Fischbein, zum Einsatz. Wertvollste Exemplare weisen Gold und Silber sowie Edelsteinschmuck auf. Sie fristen allerdings ihr Dasein in den klimatisierten Tresoren am Golf oder in Amerika. Für den Sammler mit Staufenbielschen Finanzniveau gibt es Replikate.

Eine bedeutende Rolle spielten Minibücher für Werbezwecke schon in DDR-Zeiten. Stolz zeigt der Johannstädter eine Ausgabe des VEB Görlitzer Süßwarenfabrik, die 1965 zur Leipziger Messe an die potenziellen Käufer verteilt wurde. Die Seiten, aus Kaugummi geformt, enthalten Texte und Bilder zur Geschichte der Süßwarenindustrie. Auch das kleinste Minibuch der Welt entstand Ende der 1970er Jahre in der DDR bei "Edition Leipzig". Es war ein in Leder gebundenes Blockbuch mit Seiten aus japanischer Seide, auf denen ein Bilder-Abc zu sehen ist. Es hatte die fabelhaften Abmessungen von drei mal 2,5 Millimetern.

Peter Weckbrodt

www.miniaturbuch.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.01.2013

hw

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Boulevard