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Dresdner Neustadt-Linke engagieren sich für Tunnel am Neustädter Markt

Dresdner Neustadt-Linke engagieren sich für Tunnel am Neustädter Markt

Mit Transparenten, Kerzen und Passantengesprächen haben Dresdner Linke am Freitagnachmittag eine weitere Runde der Diskussion um den Fußgängertunnel am Neustädter Markt eingeläutet.

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Die Linke-Politikerin Julia Bonk (rechts) und ihre Mitstreiter setzen sich für den Tunnel am Goldenen Reiter ein.

Quelle: Tanja Tröger

Eigentlich wollten sie auch mehr als 400 gesammelte Unterschriften für den Erhalt der Unterführung an Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) übergeben. Die Stadtchefin und ihr Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) ließen sich jedoch entschuldigen und werden die Liste nun per Post erhalten. Für kommende Woche ist ein Gespräch zwischen Stadtverwaltung und Tunnel-Befürwortern geplant.

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Die Dresdner Neustadt-Linken setzen sich für die Erhaltung des Fußgängertunnels am Neustädter Markt ein.

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Die Stadtverwaltung hatte vor rund zehn Monaten im Neustädter Ortsbeirat langfristige Pläne für den Umbau des Areals Neustädter Markt/Große Meißner Straße/Köpckestraße vorgestellt. In diesen ist vorgesehen, Alt- und Neustadt ebenerdig zu verbinden und den Tunnel zuzuschütten. Neustädter Linken-Politiker, darunter die Landtagsabgeordnete Julia Bonk und die Ortsbeiräte Melanie Romberg und Kristin Hofmann, initiierten daraufhin eine Unterschriftenaktion im Internet gegen die Zerstörung des Tunnels. „Wir haben gesagt: Das ist eine Richtung, in die man gar nicht weiter denken sollte“, so Bonk. Die Online-Petition lief von März bis Juni und war laut Julia Bonk eine der ersten, die sich direkt an die Oberbürgermeisterin richteten.

Nun wollen die Organisatoren auch vor Ort zur Diskussion anregen. Dazu haben sie leere Plakate im unterirdischen Durchgang aufgehängt, auf denen Passanten niederschreiben können, wie sie sich die Zukunft des Tunnels vorstellen. Die Möglichkeit zur „schriftlichen Debatte“ soll etwa zwei Wochen bestehen bleiben und auch regelmäßig kontrolliert werden. Außerdem können alle Dresdner ab Sonnabend auch im Internet unter www.tunneldebatte.de mitdiskutieren. „Wir machen diese Aktion, weil wir nicht zu spät kommen wollen wie beim Pirnaischen Platz, wo sich die Leute nach dem Zuschütten aufgeregt haben“, sagte Tilo Kießling, Geschäftsführer der Linke-Fraktion im Dresdner Stadtrat.

Julia Bonk und ihre Mitstreiter plädieren für den Erhalt des Tunnels. „Der Abriss ist nicht angemessen“, sagte Bonk, schließlich sei die unterirdische Straßenquerung ein Beispiel für die Alltagsarchitektur der 1970er Jahre und werde seit Jahrzehnten rege genutzt. Stattdessen fordert die Initiative, die seit zehn Jahren brachliegenden Räume und Schaukästen im Tunnel wieder zu nutzen und den Durchgang zu einem sozialen Zentrum zu machen.

Die beiden leerstehenden Räume in der Unterführung sollten laut Bonk einem sozialen Projekt zur Verfügung gestellt werden. Eine Gruppe Neustädter Künstler hätte bereits vor einiger Zeit Interesse dafür bekundet, sei aber bei der Stadtverwaltung nicht auf offene Ohren gestoßen, so Bonk. Deshalb hofft die Linke-Politikerin nun auf das Gespräch mit Orosz und Marx in der kommenden Woche. „In dem Moment, wo man die Räume belebt, wäre auch das Argument der Unwirtlichkeit des Tunnels nichtig.“ Problematisch ist allerdings der bauliche Zustand der etwa 40 bis 50 Quadratmeter großen Bereiche. Tilo Kießling vermutet, dass sich darin noch der Schlamm der Jahrhundertflut türmt. Außerdem liege laut Bonk keine Wasserleitung an und fehle ein zweiter Ausgang.

Auch für die verwaisten Schaukästen hat die Initiative „Tunnel erhalten“ eine Idee: „Sie könnten von der Stadtverwaltung genutzt oder wenigstens instandgesetzt werden, sodass sich umliegende Vereine und Initiativen darin präsentieren können“, schlägt Bonk vor. „Das ist aus meiner Sicht ein geringer finanzieller Aufwand gegenüber dem Effekt, den das haben könnte.“

Der Fußgängertunnel zwischen Augustusbrücke und Goldenem Reiter wurde Ende der 1970er Jahre gebaut und mit vier Reliefs zur Geschichte der Stadt verziert, die die Dresdner Bildhauer Vinzenz Wanitschke, Egmar Ponndorf, Dietrich Nitzsche und Peter Makolies gestalteten. In den 1980er Jahren trafen sich die von den Machthabern im Rathaus skeptisch beäugten Dresdner Skateboardfahrer am Neustädter Markt und dem Tunnel. Bei der Flut im August 2002 stand der unterirdische Durchgang unter Wasser.

ttr

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