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Drei Seifenmanufakturen bieten allerlei Formen, Farben und Düfte an

Drei Seifenmanufakturen bieten allerlei Formen, Farben und Düfte an

Stellt man sich eine Seifensiederei vor, so denkt man an dampfende Kessel, Wannen aus Holz mit wohlriechenden Gemischen darin und an sanfte Düfte, die in der Luft liegen.

Von Annette Thoma

Betritt man die Seifenmanufaktur von Gabriele Kappes, verfliegt das verklärte, romantische Bild und man wird augenblicklich eines Besseren belehrt.

Der Raum ist gefliest, die Tische sind aus Edelstahl. Alles sieht nach einem sterilen Labor aus, Schutzbrillen und Handschuhe hängen an der Wand, daneben stehen große Plastikbehälter mit Gefahrenstoff-Etiketten darauf. Und hier werden duftende Seifen hergestellt?

"Wenn man die Seifen gewerblich verkaufen will, unterliegt man den Auflagen der Kosmetikverordnung. Das Veterinäramt kontrolliert regelmäßig, ob ich das auch einhalte", erklärt Gabriele Kappes. In den Räumen müsse beispielsweise alles abwaschbar und auf jedem Produkt eine Deklaration der Inhaltsstoffe angebracht sein.

Im Jahr 2003 hat sie einen Seifenladen auf der Prager Straße in Dresden entdeckt. "Es war Liebe auf den ersten Blick", schwärmt sie. Und wusste sofort: "Das will ich auch machen." Gesagt, getan: Sie experimentierte und probierte aus - heute ist Gabriele Kappes mit ihrer eigenen Seifenmanufaktur "einfach Seife" am Bischofsweg selbstständig.

Mit der "Wilden Hilde" im Bad

Einige ausgewählte Geschäfte und Kosmetiksalons in ganz Deutschland verkaufen mittlerweile ihre Produkte. Die gelernte Dramaturgin vertreibt ihre Seifen aber hauptsächlich vor Ort und im Internet. "Eine attraktive Online-Präsenz ist mir sehr wichtig. Viel passiert über Mundpropaganda, aber hauptsächlich läuft das Geschäft übers Internet", meint Kappes. Was für den Verkauf mindestens genauso wichtig ist, sind die Märkte. "Ein bis zweimal pro Monat stelle ich auf Kunsthandwerker-Märkten aus. Dort kommt man mit dem Kunden immer ins Gespräch."

Ein Thema, das meistens aufkommt, sind die Namen ihrer Seifen. Das locke viele Kunden an und mache sie neugierig, erzählt die Dresdner Fachfrau. Im Angebot hat sie 22 Sorten, eine davon heißt "Wilde Hilde", eine andere "Zarte Zwetschge" oder "Gefährliche Liebschaften". Die handgemachten Seifen in Kappes' Onlineshop kosten pro 100 Gramm um die fünf Euro, der Preis variiert aber je nach deren Inhaltsstoffen.

Nicht nur der Duft, auch die Form, Verzierung und die Farbe sind bei den selbst hergestellten Seifen weitestgehend frei wählbar. Es bleibt dem Fachkundigen überlassen, ob er die Seife in Formen gießt oder in eckige Stücke schneidet, ob er sie mit getrockneten Blütenblättern verziert oder die verschwimmenden Farben als Marmorierung auf der Oberfläche sichtbar lässt.

Die Frage, wie sich die Seife am Ende des Herstellungsprozesses präsentiert, stellen sich auch Ute Meyer-Deharde und Dirk Schneider. Die beiden sind ebenfalls dem Charme der wohlduftenden Waschstücke erlegen und stellen in Dresden ihre eigenen Produkte her. Ute Meyer-Deharde tut dies allerdings ein wenig außerhalb im romantischen Malschendorf. Die gelernte Diplom-Wirtschaftsingenieurin hat das Seifen-Fieber vor acht Jahren gepackt. Im hohen Norden lernte sie eine Seifensiederin kennen und wurde neugierig. "Ich hatte irgendwann das Bedürfnis, selbst etwas mit meinen Händen zu machen, etwas Eigenes herzustellen", erklärt sie. "Aber ich hatte niemanden zu fragen, wie das mit der Herstellung geht. Ich habe mir das Meiste autodidaktisch beigebracht, über Bücher, das Internet oder einfach ausprobiert." Seit sechs Jahren stellt sie nun im "Josephinenhof" in Malschendorf offiziell Seifen her, aber nicht hauptberuflich wie beispielsweise Gabriele Kappes. Das wäre zu zeitaufwendig, sagt sie. Bei einer Familie kein Wunder, das Fertigen einer Seife bis zum Verkauf dauert je nach Verfahren an die sechs Wochen.

Direkt am Ort des Geschehens verkauft Ute Meyer-Deharde ihre Produkte auch, doch wie bei Fach-Kollegin Kappes sind die Kunsthandwerker-Märkte finanziell lohnenswerter. "Den Kontakt mit den Kunden finde ich sehr schön. Noch nie in meinem Berufsleben habe ich soviel Anerkennung bekommen wie für meine Seifen." Auch bei Ute Meyer-Deharde gibt es übrigens eine "Wilde Hilde" im Sortiment - allerdings duftet diese um einiges sanfter und blumiger als die von Gabriele Kappes. Deren "Wilde Hilde" versprüht dagegen einen sehr frischen Duft nach Zitrone und Lemongras.

Der dritte im Dresdner Bunde der Seifenhersteller ist Dirk Schneider, "Der Einseifer". Sein gleichnamiges Geschäft findet der Kunde mitten auf der Hauptstraße in barockem Design und mit liebevoll dekorierter Ausstattung. Gleich an den Verkaufsladen angeschlossen, wo er neben der selbst hergestellten auch Seife aus England, Frankreich oder Syrien verkauft, befindet sich eine Schauwerkstatt. Interessierte Kunden können hier vor Ort sehen, wie das Handwerk in einer Manufaktur aussieht. Neben mit Blüten gefüllten Behältern stehen auch hier gefährlich anmutende Plastikflaschen mit dementsprechenden Etiketten, Schutzbrillen und -handschuhen.

Pflege des alten Handwerks

Seit April bietet Dirk Schneider einen "Seifengrundkurs" an, der in der Schauwerkstatt stattfindet. In diesem Workshop können sich die Teilnehmer unter fachmännischer Aufsicht einmal selbst an der Produktion versuchen.

Seit gut zehn Jahren ist er im Geschäft - aber eigentlich hat er es im Blut. Schon seine Vorfahren waren bereits im 18. Jahrhundert Seifenhersteller, damals allerdings noch in Meißen. "Aus den alten Rezepten kann ich mir neue Ideen für meine eigenen Seifen holen", so Dirk Schneider. Zu jedem Artikel, zu jedem Duft weiß der "Einseifer" den historischen Hintergrund oder zumindest eine Geschichte. Auch dem Laden merkt man seinen Hang zum Historischen an. Er verkauft nicht nur Seifen, sondern beispielsweise auch handgefertigte Emaille-Schalen oder Lavabos, wie alte Waschschalen genannt werden. "Ich will die alten Dinge pflegen, die sonst in Vergessenheit geraten", erklärt Schneider. "Deshalb verkaufe ich gerne Nischenprodukte." Dabei hat er immer eine Philosophie, die schlichtweg "Einfachheit" heißt. "Das ist das Wichtigste bei der Produktion. Da ist kein Hokuspokus dabei. Weniger ist mehr."

Von 300 Seifensorten im Laden kommen rund 60 aus seiner eigenen Herstellung. Allerdings mit saisonalen Unterschieden: "Im Sommer biete ich zum Beispiel eine Erdbeer-Seife an, im Winter dann eine Glühwein-Seife." Apropos Winter. Weihnachten ist für alle drei Seifenmanufakturen das lohnendste Geschäft im Jahr. Dirk Schneider, Gabriele Kappes und Ute Meyer-Deharde bieten in dieser Zeit verschiedene Waschutensilien mit typischem Duft an. "Seifen sind einfach schöne Geschenke", so Schneider. Schon im Sommer füllen sich deshalb bei den dreien die Regale, damit sie für den großen Ansturm im Winter gerüstet sind. "Die einzelnen Seifen sind einfach sehr individuell und eignen sich gerade deshalb gut zum Verschenken", erklärt sich Ute Meyer-Deharde den winterlichen Andrang. Wie dem auch sei - Seifen sind mehr als bloße Alltagsgegenstände. Erst recht, wenn sie so liebevoll handgefertigt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.05.2012

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