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Die verrückte Hutmacherin von Dresden: Jaqueline Peevski mag es bunt

Die verrückte Hutmacherin von Dresden: Jaqueline Peevski mag es bunt

Ein wahres "Hutparadies". So nennen die meisten Kunden von Jaqueline Peevski das gerade mal 16 Quadratmeter große Geschäft "japée" in der Dresdner Neustadt. Ein kleiner Arbeitstisch direkt neben der Eingangstür ist übersät mit Federn, Scheren, Kopfformen, Blüten und anderen Materialien, mit denen die 52-Jährige Ladeninhaberin ihrer Kreativität freien Lauf lässt.

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Jaqueline Peevski mag es bunt: Ihre Hüte gestaltet sie am liebsten in den unterschiedlichsten Rottönen.

Quelle: Norbert Neumann

In den Regalen und im Schaufenster sind rund 200 Hüte aller Formen und Größen verstaut. Sie heißen Burgunder Fräulein, Liane, Orchidee oder Mohnblume.

"Die Natur, insbesondere Blüten, sind meine Quelle der Inspiration", erklärt Jaqueline Peevski. Vor 17 Jahren hat sie sich in Striesen mit ihrem Geschäft selbstständig gemacht. Seit 2001 verkauft sie ihre Hüte an der Bautzner Straße 6. Ursprünglich kommt die gebürtige Dresdnerin vom Theater, studierte an der Kunsthochschule Bühnenbild. "Als ich im Rahmen eines Stipendiums in Paris lebte, entdeckte ich meine wahre Leidenschaft", erzählt die Designerin. Denn während ihres Aufenthaltes wohnte sie bei einer Hutmacherin und wurde "infiziert", wie sich Peevski schmunzelnd erinnert.

Rund 1000 Hüte hat sie seit dieser "Offenbarung" gestaltet. Im Sommer verwendet sie vor allem Stroh als Material, im Winter Filz. Ihre Kreationen, die sich mit den Attributen einzigartig, pompös oder extravagant beschreiben lassen und zum Teil auch mal 500 Euro kosten können, verkauft sie vor allem an Kunden, die einen Hut für einen besonderen Anlass brauchen. "Das sind zum Beispiel Hochzeiten, Feste, runde Geburtstage oder auch Mottopartys", berichtet die Autodidaktin. Farblich sind die meisten Hüte in einem Rotton gestaltet. "Ich liebe einfach rosa, pink, orange oder lila. Eben alles, was die Farbpalette hergibt", so die gelernte Bühnenbildnerin. Außerdem experimentiere sie gern, sei verrückt und außergewöhnlich. "Natürlich fertige ich auch Hüte auf Wunsch der Kunden an. Aber am liebsten bin ich selbst kreativ."

Dazu wünscht sie sich, dass der Hut wieder in den Alltag zurückkehrt. "Für mich ist die Kopfbedeckung nicht nur ein Accessoire. Sie gehört zur Garderobe dazu", so die Dresdnerin. In den 1920er-Jahren sei dies noch selbstverständlich gewesen, mittlerweile ist der Hut aber in Vergessenheit geraten. Nur beim Dresdner Hutball stünde das Kleidungsstück im Vordergrund. "Aber selbst dort sind die eleganten Hüte durch monströse Basteleien, wie ganze Städte oder Flughäfen auf dem Kopf ersetzt worden. Die Ästhetik ist verloren gegangen", so Peevski.

Dennoch sieht sie - vor allem bei den Männern - langsam die Begeisterung für den Hut zurückkehren. "Die Herren wollen sich häufig vor der Sonne schützen oder ihre etwas spärliche Haarpracht verstecken", erzählt die Designerin schmunzelnd. Aber auch die Studentin oder die "adrette Omi" sind Kunden von Jaqueline Peevski. Grundsätzlich sei aber der Besitz eines Hutes eine Frage der Lebenseinstellung. Nicht umsonst steht am Schaufenster des "japée" frei nach Oscar Wilde in handgeschriebener, goldener und schon leicht verblasster Schrift: "In unserem Zeitalter sind unnötige Dinge unbedingt notwendig."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.07.2014

Nadine Steinmann

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