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Die Stadt liegt ihm zu Füßen - Jens Höhne ist in den vergangenen zwei Jahren über alle Straßen Dresdens spaziert

Die Stadt liegt ihm zu Füßen - Jens Höhne ist in den vergangenen zwei Jahren über alle Straßen Dresdens spaziert

Es gibt wohl kaum einen Dresdner, für den das mehr gilt als für Jens Höhne. In den vergangenen zwei Jahren ist er jede auch noch so kleine und versteckte Straße auf dem Dresdner Stadtgebiet abgelaufen - einfach so.

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Dorthin zurück, wo alles begann: Die Liebigstraße war die erste, über die Jens Höhne für sein Projekt wandelte.

Quelle: Susann Schädlich

Der Weg ist das Ziel. "Anfangs wollte ich mich nur ein bisschen mehr bewegen und bin völlig unstrukturiert losgelaufen", erklärt der 39-Jährige. Dabei wandelte er zuerst vor allem auf elbflorentinischen Pfaden, die er sowieso schon kannte. Doch immer wieder die gleichen Strecken abzugehen, das war Höhne dann doch irgendwann zu langweilig. Die Idee, alle Straßen Dresdens einmal unter seinen Füßen zu spüren, war geboren.

Seinen ersten gezielten Lauf absolvierte Höhne am 4. Juni 2012 in der Südvorstadt. Ein Straßennetz rund um die Liebigstraße marschierte er Meter für Meter ab. Den Routenplan hatte er sich zuvor über das Internet erstellt. Ab diesem Tag zog der Software-Entwickler drei- bis viermal pro Woche auf diese Weise los, um jeden Winkel seiner Heimatstadt zu erkunden. Knapp 300 solcher Pläne sammeln sich inzwischen in einem dicken Ordner. Nur Tunnel und Schnellstraßen, auf denen es ihm zu gefährlich erschien, sparte sich Höhne. Dort, wo es ging, bewegte er sich aber mit durchschnittlich sechs Kilometern pro Stunde fort. "Laufen bedeutet dabei tatsächlich laufen, also nicht rennen, aber auch nicht spazieren", erklärt Höhne seinen Laufstil. Um so auch tatsächlich jedes noch so abgelegene Gässchen zu erreichen, musste Höhne so manche Autofahrt auf sich nehmen. Zu seinen zweistündigen Marschrouten kamen deshalb jeweils zwei Stunden akribische Vor- und Nachbereitungarbeit.

Von Gompitz über das Dresdner Zentrum bis nach Schönfeld-Weißig - seit seinem letzten Lauf im Juli 2014 gibt es wohl keinen Stadt- oder Ortsteil mehr, auf dessen Straßen Höhne noch keinen Fuß gesetzt hat. An die Mehrzahl seiner Läufe kann er sich auch heute noch, nach über zwei Jahren, haarklein erinnern. "Loschwitz hat zum Beispiel einen ganz eigenen Charme mit der Bergbahn und den kleinen Gässchen", weiß der Stadt-Wanderer. In einen Ort am Flughafen, direkt hinter der Landebahn, habe er sich auf einer seiner Touren quasi verliebt. "Dort ist man den Flugzeugen gefährlich nahe", schwärmt der 39-Jährige. Am wenigsten gefiel es ihm in der Friedrichstadt, die ihm trotz der optimalen und zentralen Lage ein bisschen vernachlässigt erschien.

Durch seine Stadtgänge hat Höhne aber nicht nur die verschiedenen Gesichter Dresdens kennengelernt, er entwickelte auch ein besonderes Gespür für die Nachbarschaft. "Man erkennt schon, wer wo hingehört. Der Reicker unterscheidet sich deutlich vom Blasewitzer", erklärt der Pesterwitzer mit einem Augenzwinkern. "Wo es besonders ruhig ist, da gucken die Leute auch mal komisch, wenn man eine Einbahnstraße rein und wieder raus stiefelt. Ich wurde sogar schon für einen Einbrecher gehalten", berichtet er schmunzelnd.

Ab dem etwa zehnten Lauf entschloss sich der Dresdner schließlich, nicht nur für sich, sondern auch für andere etwas Gutes zutun. "Ungefähr ab da habe ich für jeden gelaufenen Kilometer einen Euro zurückgelegt, den ich spenden wollte", erzählt Höhne. Wofür genau, das wusste er erst, als er das Ehepaar Gudrun und Gerhard Fries kennenlernte. Ihre Fries'sche Stiftung "Hilfe zur Selbsthilfe" beim Don Bosco Stiftungszentrum unterstützt das Entwicklungshilfe-Projekt "City of Hope" in Sambia. Es schafft jungen, sambischen Waisenmädchen und Frauen im Alter zwischen sechs und 20 Jahren ein neues Zuhause. "Dort können die mit dem bisschen Geld wenigstens richtig etwas bewirken. In unseren Gefilden wäre die Summe nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen", erklärt der Urdresdner.

Am 19. Juli dieses Jahres, nach 299 Touren und insgesamt 2751 zurückgelegten Kilometern, hatte es sich dann tatsächlich "ausgelaufen": Seine Fußsohlen kannten nun jeden Zentimeter des Dresdner Asphalts. Höhne hatte zum vorerst letzten Mal für einen guten Zweck einen Fuß vor den anderen gesetzt und mit dem finalen Marsch durch die Innenstadt seinem Laufexperiment ein würdiges Ende bereitet. Da sich sogenannte "Laufgäste", Bekannte und Freunde seinen Läufen immer wieder angeschlossen hatten, konnte er der Fries'schen Stifung schließlich sogar 3750 Euro übergeben.

Was folgt nun aber auf das "große Laufen"? Langeweile wird bei Jens Höhne sicher nicht aufkommen. Sein nächstes Projekt soll ihn schon bald über alle Dresdner Wege führen. Allerdings seien das nur etwa 700 Kilometer. "Irgendein Blödsinn wird mir danach schon noch einfallen", sagt Jens Höhne mit einen verschmitzten Lächeln.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.08.2014

Susann Schädlich

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