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Die Ministerin und der Neujahrsempfang der Drewag

Die Ministerin und der Neujahrsempfang der Drewag

Kommt sie? Kommt sie nicht? Wenn sie kommt, dann wird sie Oberbürgermeisterkandidatin für das rot-grün-rote Lager, wurde gestern gemunkelt. Weil sie noch nie bei einem Neujahrsempfang der Dresdner Stadtwerke (Drewag) gewesen sei.

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Einer bleibt, zwei gehen: Die Drewag-Geschäftsführer Reinhard Richter (l.) und Reiner Zieschank mit Oberbürgermeisterin Helma Orosz.

Quelle: Dietrich Flechtner

Sie kam. "Weil ich eingeladen worden bin. Ich war auch schon früher hier", sagte Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) freundlich lächelnd und verwies alle anderen möglichen Gründe für ihren Auftritt ins Reich der Spekulation.

Der Neujahrsempfang der Drewag ist gewissermaßen der heimliche Neujahrsempfang der Landeshauptstadt Dresden. Innenminister Markus Ulbig (CDU), OB-Kandidat seiner Partei, Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), dazu der halbe Landtag, der halbe Stadtrat, Bürgermeister und Landräte aus dem Dresdner Umland, Vertreter von Wirtschaft, Kunst und Kultur - das Restaurant des Kraftwerks Mitte war gestern Abend wieder reichlich gefüllt. "Es muss ja schließlich einer bezahlen", seufzte ein Stadtrat und Drewag-Aufsichtsratsmitglied angesichts der Kosten, die die Landeshauptstadt davon abschrecken, zu einem eigenen Neujahrsempfang einzuladen.

Wer wie die Drewag für das Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von 80 Millionen Euro erwartet, sollte sich den Empfang leisten können. Wobei die Zeiten schlechter geworden sind, wie Drewag-Geschäftsführer Reiner Zieschank in seiner Ansprache erklärte. Die im vergangenen Jahr eingeleitete Energiewende sei verkorst, das Wetter dem Geschäft eines Energieerzeugers nicht zuträglich.

Da helfe nur: Innovation. Das auf dem Empfang ausgeschenkte Bier sei mit Drewag-Wasser gebraut und Drewag-Strom in die rechte Form gebracht worden, so Zieschank. Doch auch die Mobilität sei ein neues Geschäftsfeld der Drewag. "Wir sind beim Lok-Strom eingestiegen. Wenn jemand mit dem Zug durch Deutschland fährt, kann die Elektro-Lok durchaus von unserem Strom angetrieben werden."

Die Drewag sei aber nur deshalb erfolgreich, so Zieschank, weil sie in der boomenden Stadt Dresden operiere. Der Trinkwasserverbrauch steige allmählich wieder, mehr Einwohner würden mehr Arbeitsplätze bedeuten. "Jeder, der von woanders her zu uns kommt, bringt uns Arbeit. Das müssen wir immer und immer wieder betonen", erklärte der Drewag-Geschäftsführer. Dresden sei die vergangenen Jahrhunderte dank externer Expertise gewachsen. "Wenn wir erfolgreich sein wollen, brauchen wir Weltoffenheit und eine Willkommenskultur."

Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), von Amts wegen Aufsichtsratsvorsitzende der Drewag, lud die Anwesenden am Sonnabend um 15 Uhr zu einer gemeinsamen Kundgebung mit der Staatskanzlei vor die Frauenkirche ein, mit der ein Zeichen für die von Zieschank angesprochene Weltoffenheit gesetzt werden solle. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) werde zu den Rednern am Sonnabend gehören.

Es war ein Empfang der Abschiede. Orosz wird sich Ende Februar von ihrem Amt zurückziehen, Zieschank Ende des Jahres die Geschäftsführung abgeben. "Vielleicht werden wir uns auf einer Bank an der Elbe gegenseitig stützen und eine Selbsthilfegruppe gründen", witzelte die OB über den bevorstehenden Doppelabschied. "Die Drewag laden alle ihren früheren Aufsichtsratsvorsitzenden zum Neujahrsempfang ein", meinte Zieschank launisch.

Und der künftige Aufsichtsratsvorsitzende? Wird bei der OB-Wahl im Mai gewählt. Ob Stange für Rot-Grün-Rot ins Rennen geht, blieb offen. Obwohl sie gestern Abend da war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.01.2015

Baumann-Hartwig, Thomas

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