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Die Erdmännchen kommen - Bilanz und Ausblick: DNN-Gespräch mit Zoo-Chef Karl-Heinz Ukena

Die Erdmännchen kommen - Bilanz und Ausblick: DNN-Gespräch mit Zoo-Chef Karl-Heinz Ukena

Frage: Im Mai hat der Zoo den 150. Geburtstag gefeiert. Karl-Heinz Ukena: Wir werden in der Tat Ende des Jahres mehr als 800 000 Gäste haben.

Frage : Im Mai hat der Zoo den 150. Geburtstag gefeiert. Steuern Sie auf einen neuen Besucherrekord zu?

Karl-Heinz Ukena : Wir werden in der Tat Ende des Jahres mehr als 800 000 Gäste haben. Zur Festwoche vom 9. bis 13. Mai hat der Eintritt ja nur 150 Cent Eintritt gekostet. In dieser Zeit waren fast 40 000 Leute da. So viele Besucher wie in diesem Jahr hatten wir seit der Wende nicht mehr. Zum Vergleich: 1989 waren es genau 1,06 Millionen Besucher. Der absolute Rekord lag 1961 bei 1,13 Millionen Gästen. Zum 100-jährigen Jubiläum hatte der Zoo damals etliche neue Tiere erworben, darunter Elefantin Schöpfi und Gorilla Benno.

Wie hoch ist das jährliche Zoo-Budget?

Gut fünf Millionen Euro. Außerdem haben wir in diesem Jahr 1,25 Millionen Euro für Investitionen von der Stadt bekommen. Dieselbe Summe wird es auch 2012 geben. Zum Vergleich: 2010 waren es vier Millionen Euro. Das Geld ist damals vor allem in das Prof. Brandes-Haus geflossen.

Wieviel erwirtschaftet dennn der Zoo selbst?

Zwischen 75 und 80 Prozent.

Wofür ist das Geld im zu Ende gehenden Jahr ausgegeben worden?

Vor allem für die neue Anlage für Serena und Askin, unsere beiden Schneeleoparden.

Wird der Eintritt teurer?

Nein. Die letzte Erhöhung war 2010, als das Prof. Brandes-Haus eröffnet wurde.

Welche Tiere hat der Zoo in diesem Jahr abgegeben? Elefantenjunge Thabo-Umasai fällt mir spontan ein...

Ihm geht es gut im Pittsburgher Zoo. Unsere beiden Pfleger Felicitas Imaschewski und Ronny Paul haben ihn ja in die USA begleitet. Wir haben verabredet, dass wir einmal pro Jahr in einer Art Report aus Pittsburgh erfahren, wie sich Thabo entwickelt hat. Sehr getroffen hat uns der Tod von Giraffenbulle Abidemi. Das war ein sehr schönes und beliebtes Tier. Da gab es Tränen bei den Pflegern. Pech hatten wir auch mit unseren Pinguinen. Wir haben fast die Hälfte von ihnen in diesem Jahr durch ein Virus verloren.

Wie geht es der Pflegerin, die von Thabo vor zwei Jahren schwer verletzt worden war?

Gut. Es geht in kleinen Schritten vorwärts. Sie und ihr langjähriger Partner, Elefantenpfleger Jörg Burger, haben vor ein paar Monaten geheiratet.

Welche spektakulären Tiergeburten gab es denn in diesem Jahr?

Der Nachwuchs unserer beiden Kugelgürteltiere Gurt & Schnalle fällt mir ein.

Welche Tiere sollen 2012 kommen?

Wir wollen den alten Rhesusaffenfelsen umgestalten. Da lebt im Moment nur noch Joe, der letzte Rhesusaffe. Böse Zungen behaupten, dass er den Stinkefinger zeigt, wenn man an ihm vorbei geht. Er wird ins Prof. Brandes-Haus umziehen. Auf der Anlage wollen wir acht bis zehn Erdmännchen und auch Klippschliefer zeigen. Die hellgrauen Erdmännchen gehören zur Familie der Mangusten, stehen nach Menschenart oft auf zwei Beinen, wiegen um die 700 Gramm und leben im südlichen Afrika. Klippschliefer sind braun, sehen aus wie kaninchengroße Murmeltiere und kommen in den felsigen Gegenden Afrikas vor. Im Frühjahr wollen wir anfangen, die Anlage umzubauen. Außerdem bekommen die Nilgau-Antilopen neben dem Prof. Brandes-Haus einen neuen Stall.

Wann kommen die Koalas?

Auch im nächsten Jahr, denke ich. Das sieht im Moment gar nicht so schlecht aus. In Duisburg sind drei Junge geboren worden. Von dort gibt es die zarte Andeutung, dass da ein Dresdner darunter sein könnte, wenn es das Trio über den Winter schafft. Auch Madrid hat junge Koalas. Ich gehe davon aus, dass wir spätestens im Sommer ein Pärchen haben werden.

Wird es nach dem Tod von Abidemi eine neue Giraffe geben?

Da gehen die Meinungen im Zoo noch auseinander. Bis Frühjahr wollen wir aber entschieden haben, ob wir uns für die Zucht entscheiden, also die Westafrikanische Giraffe Diko oder Netzgiraffe Ulembo abgeben und dafür zwei Weibchen holen, oder aber einen dritten Bullen zeigen.

Was ist aus dem Vorhaben geworden, den Zoo zu erweitern?

Das müssen die politischen Gremien noch entscheiden. Manchmal wird das auch falsch dargestellt. Wir wollen ja nicht an die Bürgerwiese ran. Um den Zoo herum gibt es auf einer Länge von 1000 Metern einen Grünstreifen, der ist zwischen zwei und drei Meter breit. Daran an schließt sich der Weg. Wir möchten einfach nur den Zoozaun bis auf die Grenze zum Weg stellen und die gewonnenen 2400 Quadratmeter Platz nutzen, um die Elefantenanlage vergrößern und irgendwann einmal Bullen halten zu können.

Höhen und Tiefen lagen im zu Ende gehenden Jahr nah beieinander im Zoo: Im Februar starb Giraffe Abidemi, im Mai feierte der Zoo den 150. Geburtstag, im August verließ Elefantenbulle Thabo-Umasai Dresden. Vor allem aber mussten die Zoo-Mitarbeiter den tragischen Unfalltod des geschätzten Kurators Roland Brockmann verkraften. DNN baten Geschäftsführer Karl-Heinz Ukena um Bilanz und Ausblick. Dass sich dessen Vertrag ab 2013 um weitere fünf Jahre verlängern soll, hatte der Stadtrat Mitte Dezember bestätigt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2011

Gespräch: Katrin Richter

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