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Der rockende Pfarrer - Seelsorger Michael Leonhardi ist Drummer in einer Rockband

Der rockende Pfarrer - Seelsorger Michael Leonhardi ist Drummer in einer Rockband

Das Dresdner Uniklinikum beschäftigt vier Krankenhausseelsorger - jeweils zwei katholische und zwei evangelische. Doch einer hat neben seiner Arbeit als Pfarrer ein außergewöhnliches Hobby: Michael Leonhardi ist Schlagzeuger in der Rockband "Die Schwarzen Löcher" und gibt heute im Medizinisch-Theoretischen Zentrum (MTZ) mit seinen Bandkollegen ein Konzert.

Von Nadine Steinmann

Aber wie kommt ein Pfarrer in eine Rockband? Als Leonhardi 1985 nach Luppa nahe Oschatz zog und dort Gemeindepfarrer für drei Dörfer war, versank er nahezu in Arbeit. "Einige der Kirchen waren vom Krieg noch zerstört. Ich habe geholfen, sie wieder aufzubauen. Zusätzlich kam die Arbeit als Pfarrer hinzu", erinnert sich der studierte Theologe. Doch irgendwann rief ihn Henning Olschowsky an, Pfarrer aus der Nachbargemeinde Mutzschen, und meinte: "Wir arbeiten zu viel. Lass uns eine Band zum Ausgleich gründen". Leonhardi war begeistert von der Idee, wollte schon als Kind in einer Band spielen. "Eigentlich spiele ich Gitarre, nur war dieser Part schon vergeben. Also ließ ich mich zum Schlagzeug überreden", erzählt der Seelsorger. Als drittes Mitglied holten sie sich den Gemeindepfarrer in Naundorf Hans Rummel ins Boot und begannen zu proben. Für die Texte benutzen sie biblische Verse oder Kirchenlieder, suchen sich eine passende Melodie, verknüpfen die beiden Komponenten miteinander und arrangieren sie neu.

Ihren ersten Auftritt hatten sie Anfang der 1990er Jahre. In der Kirche in Naundorf führten sie gemeinsam mit der jungen Gemeinde aus Mutzschen das bekannte weihnachtliche Krippenspiel auf - allerdings nicht gesprochen, sondern gesungen. "Diese Neuigkeit breitete sich damals wie ein Lauffeuer aus und die Leute waren begeistert", erklärt der fünffache Vater.

Seit 2010 ist Leonhardi nun als Seelsorger im Uniklinikum angestellt. Sein Arbeitstag beginnt in der Regel 9 Uhr. Er stattet Patienten einen Besuch ab, hört sich ihre Sorgen und Nöte an. "Ich bin für alle Patienten der HNO-Abteilung, der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie für die Frauen auf der Geburtsstation und die krebskranken Kinder verantwortlich", erklärt der Schlagzeuger. Sonntags hält er abwechselnd mit seinem evangelischen Kollegen die Gottesdienste im "Raum der Stille" - eine Art kleine Kirche innerhalb des Seelsorgezentrums.

Montags hat der Krankenhauspfarrer frei, denn an diesem Tag dreht sich alles um seine Band. Wöchentlich treffen sich die drei sächsischen Pfarrer in Mutzschen, um ihre Songs zu proben. Heute werden sie unter anderem Stücke aus ihrem neuesten Programm "Lutherrock" spielen.

Nun bleibt nur noch die Frage, wie sich drei Pfarrer "Die Schwarzen Löcher" nennen konnten: "Kurz nach der Wende gab es in Dresden den ersten deutschen Pfarrertag. Am Abend gab es ein buntes Programm, bei dem auch wir als Band auftreten wollten", berichtet Leonhardi. Als der Moderator die drei ankündigen wollte, fiel diesem aber auf, dass die Band keinen Namen hatte und taufte sie spontan auf "Die Schwarzen Löcher". "Wir haben den Namen einfach behalten", erzählt der Seelsorger abschließend. Auf seine Musik ist Leonhardi mittlerweile sehr stolz und fühlt sich in der Band sehr wohl: "Für mich ist das meine kleine geheime Welt, die so völlig anders ist als mein Alltag."

"Die Schwarzen Löcher" spielen heute, 19 Uhr, im Foyer des MTZ, Fiedlerstraße 42. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende für die Arbeit der Klinikseelsorger wird gebeten; www.schwarzeloecher.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.10.2012

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