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Der christliche Verein „Stoffwechsel“ holt die Kinder von der Couch

Abenteuerbauspielplatz Der christliche Verein „Stoffwechsel“ holt die Kinder von der Couch

Etwa 150 Familien besuchen die Sozialpädagogen vom „Stoffwechsel“ jeden Freitag in Pieschen, um kleine Couch-Potatoes nach draußen zu locken. Highlight auf dem Gelände des Stoffi-Hauses ist der Abenteuerspielplatz, auf dem die Kinder wie Archäologen verschüttete Kellerräume freilegen dürfen.

Die Pädagogen Malena Sixtus und Johannes Oßwald auf dem Abenteuerbauspielplatz am Stoffi-Haus in Pieschen.
 

Quelle: Madeleine Arndt

Dresden.  Wie bekommt man kleine Couch-Potatoes vom Sofa runter? Ganz einfach - man holt sie persönlich ab. Mit dieser Strategie fahren die Mitarbeiter des Kinder- und Jugendtreffs “Stoffwechsel” seit Jahren gut. “Wir besuchen die Kinder einmal in der Woche und sagen, was so im Stoffwechsel los ist”, erklärt Johannes Oßwald, Leiter des Stoffi-Hauses an der Markusstraße 11/13 in Pieschen. Etwa 150 Familien besuchen die Sozialpädagogen jeden Freitag im Stadtteil, Familien die teils aus dem sozialschwachen Millieu kommen und sich über ein bisschen Unterstützung im Alltag freuen. “Wir wollen an den Kindern irgendwie dranbleiben, die Eltern sagen ja nicht: ‘Hey, jetzt ist Kidsclub, geh da mal hin.’ Deshalb laden wir sie ein. Das ist ein Herzstück unserer Arbeit geworden”, resümiert Oßwald.

80 bis 100 Jungen und Mädchen kommen so regelmäßig in das Stoffi-Haus und in die Außenstelle Goldenes Lamm an der Leipziger Straße. Dort spielen sie im Kidsclub, klettern dort an der Boulderwand, arbeiten in der Kreativwerkstatt mit Holz, Ton oder Speckstein, reparieren Fahrräder oder sitzen einfach mal zusammen am Lagerfeuerplatz. Die etwas Älteren haben in einem ausgebauten Kellerraum ihren Preteens-Treff mit Sofaecke, Bibliothek, Computerplatz und Instrumenten. Auch wird gern in der modernen Großküche gekocht, der Biohof Podemus liefert dafür oft kostenfrei Obst und Gemüse, das nicht mehr erstklassig ist und sich im Handel nicht verkaufen lässt. Auch Ernte-Dank-Spenden umliegender Kirchgemeinden finden in der Küche Verwendung. Überhaupt fußt die ganze Kinder- und Jugendarbeit auf Spenden. Ab und an kommt Geld rein, wenn ein Gericht einen Verurteilten zur Zahlung an gemeinnützige Einrichtungen verpflichtet.

Kreative Angebote für Kinder und Eltern gibt es im Stoffi-Haus an der Markusstraße 11

Kreative Angebote für Kinder und Eltern gibt es im Stoffi-Haus an der Markusstraße 11.

Quelle: Madeleine Arndt

Im Pieschener Stoffwechsel kümmern sich sechs hauptamtliche Mitarbeiter, 20 Ehrenamtliche und eine Hand voll Praktikanten um die Jungen und Mädchen. Das größte Problem für viele Kinder, die hierher kommen, sei die Beziehungsarmut, die sie in ihrem Leben erfahren, beobachtet Oßwald. Sie brauchen schlichtweg jemanden zum Reden. “Wir wollen Familienkultur herstellen, Wertschätzung vermitteln und auch die Fähigkeit, Frustrationen auszuhalten”, erklärt er. Um hier die Erwachsenen mit ins Boot zu holen, gibt es seit einigen Jahren ein Elterncafé.

Der Stoffwechsel ist ein kirchlicher, überkonfessioneller Verein und Mitglied im Dachverband Diakonisches Werk - Stadtmission Dresden. Für die Sozialpädagogen spielt die Vermittlung christlicher Werte eine große Rolle. “Wir wollen jedem Kind zeigen: Du bist ein gewolltes Geschöpf Gottes und du bist wertvoll”, betont Johannes Oßwald.

Der Religionspädagoge und gelernte Orgel- und Harmoniumbauer hat gemeinsam mit seiner Frau das Stoffi-Haus aufgebaut. Im Herbst 2003 erwarb der Verein für 10.000 Euro die heruntergewirtschaftete Tischlerei in der Markusstraße 11. Über ein Jahrzehnt zog sich die Sanierung der drei Gebäude auf dem Gelände hin. “So wie gerade Baumaterial und Spenden da waren”, erklärt Oßwald. Die lange Bauzeit hätte auch ihr Gutes gehabt. Denn mit der Kapazität an Räumen wuchsen auch die sozialen Angebote schrittweise und konnten sich so etablieren. “Seit diesem Jahr ist das Gelände komplett fertig”, stellt der 40-Jährige zufrieden fest.

Angebote im Stoffi-Haus, Markusstraße 11/13

Für Fünf- bis Elfjährige: Di 15 bis 18 Uhr Spielkiste und Abenteuerbauspielplatz; Mi 15 bis 18 Uhr Kreativwerkstatt; Sa 10 bis 12 Uhr Kidsclub

Für Elf- bis Dreizehnjährige: Mi 16 bis 19 Uhr AGs; Do 16 bis 18.30 Mädelstreff „Lila Pause”; Do 16 bis 19 Uhr Jungstreff „CrossOver”; Sa 10 bis 12 Uhr Brunch

Für Eltern: Mi 16 bis 18 Uhr Elterntreff-Café; Sa 10 bis 12 Uhr Elternbrunch

Kontakt: Martin-Luther-Straße 29, Tel.: 21 52 73 00, Mail: info@stoffwechsel.org

Ein Hingucker auf dem Gelände des Stoffi ist der Abenteuerbauspielplatz. Passanten blicken auf freigelegte Fundamente eines im Krieg ausgebombten Hauses, dahinter stehen ein grobes Bretterhaus und eine Art Hochsitz aus Holz. Ist das nicht gefährlich, dort Kinder spielen zu lassen? “Kinder neigen dazu, was entdecken zu wollen, irgendwo rumzustiefeln”, sagt Oßwald. Er erinnert an den tödlichen Unfall im Sachsenbad, weil dort Kinder spielten. Auf dem Abenteuerbauspielplatz kann man sich dagegen unter Aufsicht ausprobieren. Das tun vor allem die Jungs: Sie zimmern große Bretter an ihre Buden und fühlen sich wie Archäologen, wenn sie altes Zeug aus den verschütteten Kellerräumen ausbuddeln. Nur so lasse sich Kreativität fördern, findet Oßwald, und nicht, indem man Kinder mit einem perfekten, tüv-geprüften Spielzeug abspeise.

Von Madeleine Arndt

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