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Der Schneeglöckchenmann von Dresden - jetzt in einem Buch über "Männer und ihre außergewöhnlichen Gärten"

Der Schneeglöckchenmann von Dresden - jetzt in einem Buch über "Männer und ihre außergewöhnlichen Gärten"

Klaus Jentsch ist der Schneeglöckchenmann. Der Dresdner Gartenbauingenieur verfügt in seiner Sammlung schon über 200 Arten und Sorten der längst nicht nur im Frühjahr blühenden Zwiebelpflanze der Gattung Galanthus.

Von Catrin Steinbach

Zudem züchtete er einige neue Sorten. Zwei von ihnen machten sogar bei den englischen Schneeglöckchenfreaks Furore (was wie ein Ritterschlag für einen deutschen Gärtner ist).

Doch der Seniorchef der Strehlener Staudengärtnerei hat eine mindestens ebenso beeindruckende Sammlung von Hostas (etwa 400 verschiedene Sorten, davon 40 selbst gezüchtete und schon benannte), Sonnenröschen (40 Arten und Sorten, davon zwei selbst gezüchtete), Gräsern (über 100 Arten und Sorten mit acht eigenen Züchtungen), Salomonsiegel, Schaublatt, und, und, und. Mit seinen Schneeglöckchen kommt Klaus Jentsch jetzt aber in einem neuen Buch zu Ehren. "Männer und ihre außergewöhnlichen Gärten" ist der Titel, erschienen gerade im Christian Verlag. Autorin Karine von Rumohr - jüngste Enkelin der unter Gartenfreunden bekannten "Iris-Gräfin" Helen von Stein-Zeppelin - stellt 18 außergewöhnliche Gartenbesitzer vor. Zu den Männern, die Einblick in ihren Garten gewähren, gehören zum Beispiel der Marquis de la Fonteira in Lissabon oder auch der Pianist, Dirigent und Fernsehmoderator Justus Franz, den Frau von Rumohr in seiner Finca auf Gran Canaria besuchte. Der Dresdner Gartenbauingenieur Klaus Jentsch - seit über zehn Jahren auch als Experte am DNN-Gartentelefon den Dresdnern bekannt - ist der einzige Gärtner aus den neuen Bundesländern in dem Buch.

",Hier war mal eine Gärtnerei' hat kürzlich eine Mutter zu ihrem kleinen Sohn gesagt, als der fragend auf das verschlossene Gartentor und die vertrocknenen, braunen Pflanzenreste dahinter blickte." Belustigt blitzen die Augen von Klaus Jentsch, als er das erzählt. Dann wird der Gärtner mit dem charakteristischen Hütchen auf dem Kopf aber nachdenklich. "Wenn man heutzutage auf dem Baumarkt nahezu zu jeder Jahreszeit blühende Glockenblumen und Hortensien bekommt, verlieren die Leute die Relation."

Natürlich gibt es Jentschs Gärtnerei noch immer. Aber die meisten winterharten Stauden, auf die sich die Gärtnerei der Familie Jentsch spezialisiert hat, "ziehen im Winter ein", wie der Fachmann sagt. Blätter und Blüten sterben ab und vertrocknen, erst im Frühling treiben die Pflanzen neu aus. Dann entfaltet sich so nach und nach auf dem etwa einen halben Hektar großen Gelände alle Jahre wieder ein üppiges Blütenmeer. Der Übergang von der Gärtnerei zum Hausgarten ist fließend, denn Familie Jentsch arbeitet nicht nur hier, sondern lebt in und mit ihrem Garten. So manchen Schatz kann man da finden: Pflanzen, die man sonst so leicht nicht irgendwo anders bekommt. Jentschs Kunden kommen deshalb aus ganz Deutschland.

Seine Liebe zu Pflanzen entdeckte Klaus Jentsch schon als Kind. "Ich habe aus der Natur alle möglichen Pflanzen angeschleppt und in unserem Garten eingegraben. Nicht immer zur Freude meiner Eltern und Großeltern, weil da so einiges Unkraut stark expandierte", erzählt Klaus Jentsch. Er absolvierte in der Staudengärtnerei Kurt Neugebauer eine Gärtnerlehre, danach ein Fachhochschulstudium für Garten- und Landschaftsgestaltung. Als der kinderlose Kurt Neugebauer 1969 nach einem Nachfolger für seine Gärtnerei suchte, musste Jentsch nicht lange überlegen und packte mit seiner Frau die Gelegenheit beim Schopfe. "Mit den Stauden hatten wir ein Sortiment, was im weiten Umkreis niemand anders für die Bevölkerung produzierte", erzählt der Gärtner. Einer Verstaatlichung oder Eingliederung in eine Genossenschaft zu DDR-Zeiten entging er. Die Gärtnerei blieb privat. So konnte und kann Jentsch seiner Pflanzensammelleidenschaft frönen. "Es reizt mich, immer wieder neue Arten und Sorten zu besitzen, mir Wissen darüber anzueignen, selber zu züchten."

Als Sammler sei er "notgedrungen" auch auf die Schneeglöckchen gestoßen. Lange bevor Mitte der 1990er Jahre in Europa unter Gartenfreunden die "Galanthomanie" ausbrach. "Für eine Zwiebel einer seltenen Sorte werden heute bis zu 200 Euro bezahlt", weiß Jentsch. Doch welches Schneeglöckchen wirklich wertvoll ist, wissen nur die Freaks. "Bei manchen muss man unters Röckchen gucken, um den Unterschied zu sehen. Ich weiß, ein bisschen verrückt muss man da schon sein", schmunzelt er.

Vom Garten heißt es, er sei die einzige Geliebte, die nie enttäuscht und nie verblüht. Wäre es da nicht interessant zu erfahren, was Männer am Garten finden? Was gärtnernde Männer ausmacht? Ob sie anders gärtnern als Frauen? Karine v. Rumohr, Staudengärtnerin im Markgräflerland und Enkelin der "Iris-Gräfin" Helen von Stein-Zeppelin stellt in ihrem Buch "Männer und ihre außergewöhnlichen Gärten" (192 Seiten, ISBN: 978-3-86244-085-6; Preis: 39,95 Euro) 18 Herren vor, die unterschiedlicher nicht sein können, die aber eines eint: die Gartenleidenschaft. Die Autorin lässt die Männer erzählen, wie ihre grünen Refugien entstanden sind. En passant fließt praktisches Gartenwissen ein.

Die Dresdner Neuesten Nachrichten verlosen mit freundlicher Unterstützung des Christian Verlages drei dieser Bücher. Wenn Sie gewinnen möchten, dann schreiben Sie eine Postkarte an die DNN-Lokalredaktion, Catrin Steinbach, Hauptstr. 21, 01097 Dresden oder eine E-Mail an lokales@dnn.de, Stichwort: Männergärten. Auch in diesem Fall Absender nicht vergessen. Einsendeschluss ist der 14. Dezember 2012.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.12.2011

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