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Der Dresdner Stefan Zinke ist der jüngste Pilzberater in Ostsachsen

Der Dresdner Stefan Zinke ist der jüngste Pilzberater in Ostsachsen

Stefan Zinke hat das oft beschworene Pilzauge. Davon ist er fest überzeugt. Zum Beweis erzählte er beim Saugartenfest am vergangenen Sonntag: "Auf der Fahrt nach Langebrück sah ich vom Auto aus an einem Straßenbaum einen Pilz und wusste sofort, was für einer es war.

" Er hielt an, lief zurück und holte sich den Hochthronenden Schüppling für seine kleine Pilzpräsentation im Saugarten. "Aber", fügt er hinzu, "man kann sich das Pilzauge antrainieren".

Wichtig sei vor allem das Interesse an den Pilzen. Und das hat er, seit er als Vier- oder Fünfjähriger mit seinen Eltern auf dem Heller zum ersten Mal bewusst auf Pilzsuche ging. Damals vor allem auf die Suche nach solchen essbaren Röhrenpilzen wie der Marone und dem Steinpilz. Im Laufe der Jahre lernte er immer mehr Pilze kennen. Aber seine Neugierde war damit noch nicht gestillt. Vielmehr wuchs die Unsicherheit. Zu groß ist die Zahl der hierzulande wachsenden Pilze, zu unterschiedlich oft auch ihr Erscheinungsbild. "2006 meldete ich mich deshalb bei Wolfgang Neubert", erzählt Zinke. Neubert ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM), offizieller Pilzberater und bietet an der Volkshochschule in Dresden Lehrgänge zum Thema Pilze der Heimat an.

Für Stefan Zinke folgten sechs intensive Jahre des Lernens. Seit September 2012 kann er sich selbst Pilzberater nennen. Als 31-Jähriger ist er damit fast so etwas wie ein Exot. Denn die meisten Pilzberater sind deutlich älter, ihre Zunft gilt fast schon als vom Aussterben bedroht. "Zumindest in Ostsachsen bin ich der jüngste Pilzberater", ist sich Zinke sicher. Das heiße aber nicht, dass er schon alle Pilze kennt. Selbst unter denen, die Stefan Zinke für das Saugartenfest gesammelt hatte, waren einige, die er trotz einer kleinen Verkostung und intensiven Schnupperns nicht eindeutig identifizieren konnte.

Allein von den verschiedenfarbigen Täublingen gibt es 150 Arten. Bei der Gattung der Schleierlinge sind es noch mehr. "Für manche Pilze braucht man spezielle Fachliteratur oder sogar ein Mikroskop", erzählt Zinke. Aber hundert bis 150 Arten müsse man schon auf Anhieb erkennen, um sich nach den Kriterien der DGfM Pilzberater nennen zu dürfen. Dass darunter nicht nur die Essbaren, sondern auch jede Menge Ungenießbare oder sogar Giftige sind, lässt sich denken. Deshalb schmunzelte Stefan Zinke auf die ihm auch beim Saugartenfest gestellte Frage: "Wo ist Ihre Stelle?" "Überall und nirgends", so seine Antwort. Dann fügte er hinzu. "Es ist einfach so, Pilze gibt es überall." Arbeitsplätze für den studierten Lebensmittelchemiker offenbar nicht. So ist Stefan Zinke zu seinem Leidwesen bei der Pilzsuche bisher erfolgreicher gewesen als bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Und dass, obwohl die für ihn selbst mitten in der Pilzsaison absolute Priorität hat.

Pilzsammler, die Rat suchen, mag das freuen, weil der Arbeitssuchende deshalb manchmal auch tagsüber zu Hause auf der Kesselsdorfer Straße 57 in 01157 Dresden (Telefon 0160/3 04 59 77) erreichbar ist. Wenn er nicht gerade seinem zweiten Ehrenamtsjob in der Bibliothek des Sächsischen Bergsteiger- bundes nachgeht. Vorsichtshalber emp- fiehlt er Ratsuchenden, ihn anzurufen, um mit ihm einen Termin auszumachen, damit sie ihn zu Hause antreffen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2013

Bernd Lichtenberger

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