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Der Comedian Rick Kavanian zu Gast im Boulevardtheater

Der Comedian Rick Kavanian zu Gast im Boulevardtheater

"Ich bin nicht Stiller!" So lautet der erste, mittlerweile berühmt gewordene Satz von Max Frischs 1954 erschienenem Roman "Stiller". "Ich bin kein Grieche." Das war zwar nicht ganz der erste Satz des Comedian Rick Kavanian bei seinem Auftritt im Boulevardtheater, aber so ziemlich.

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Rick Kavanian

Quelle: Oliver Mehlis, dpa

Allerdings kann es das Original Münchner Kindl mit bayerisch-armenisch-rumänisch-amerikanischem Familienhintergrund dann nicht lassen, hier und da mal seinem Kult-Charakter Dimitri Stoupakis einen Kurzauftritt zu gönnen. Nun hat man es ja eigentlich gründlich satt mit dem Wort "Griechenland", fände es auch äußerst angenehmen, wenn die Wörter Tsipras und Varoufakis sowie weiterhin alle Namen, die mit -dopoulos, -lopoulos oder -akis enden, für einige Jahre nicht mehr vernehmen müsste, doch es hilft wohl nichts.

Aber gut, wenn Dimitri Stoupakis redet, gar Worte verdreht und Wechstaben verbuchselt, etwa von "Wurfmaul" oder "Shitbull" spricht, stimmt wenigstens der Spaßfaktor. Was Kavanian auch wichtig ist: Er will partout nicht mit dem TV-Kollegen Bastian Pastewka verwechselt werden. Und auch nicht immer als nett bezeichnet werden. Als ihm in einer Metzgerei mal die dort seit Jahrtausenden arbeitende Verkäuferin mit den Worten "Doch, doch! Sie san da Netteste. Vielleicht ned da Lustigste, aber da Netteste" eine Gratisscheibe Wurst über die Theke reicht, wie das sonst eigentlich nur bei Kindern üblich ist, war er geplättet. So was stinkt ihm. Wer will schon immer nur nett sein? Die Netten sind die Opfer!

Eine Afrika-Safari ist der rote Faden von Kavanians aktuellem Solo-Programm "Offroad". Genauer gesagt, die Hochzeits-Safari, die Kavanian sich und seiner Frau gönnte, bei der für die "Honeymooners" aber nicht alles wunschgemäß lief, zumal Engländer mit von der Partie waren. Kavanian mag die Briten und ihre Sprache, karikiert sie aber auch ungemein gern. Doch im Grunde hat der grandiose Stimmakrobat für (fast) alle Völkchen einen verbalen Satire-Pfeil im Köcher. Kavanian parodiert in rascher Folge Griechen, Sachsen, Schwaben, Bayern, Südafrikaner, indischstämmige Amis... Und er versteht es vortrefflich, die landsmannschaftlichen und linguistischen Besonderheiten präzise herauszuarbeiten und zu haarsträubenden Geschichten zu verknüpfen. Kavanian ist der klassische Stand-Up-Comedian, der von den Wunderlichkeiten seines Alltags erzählt - wie von übereifrigen sächsischen Flughafenkontrolleuren am International Airport Dresden ("Vergiss den JFK Airport in New York, vergiss O'Hare in Chicago")...

Es gibt auch ein paar Momente, in denen Kavanians Programm fast sarkastische Züge gut gemachten Kabaretts trägt. Etwa wenn er erzählt, wie ein Augenarzt die OP-Musik von Privatpatient auf Kassenkunde wechselte, nämlich von Daryl Hall und John Oats "Private Eyes" für Besserverdienende auf Billy Idols "Eyes Without A Face" für den Wartezimmer-Plebs. Aber es nicht so, dass Kavanian nicht auch das eine oder andere Privileg genießen würde. So rutscht ihm - eher nicht zufällig - heraus, dass sein Wecker um acht klingelt. Als daraufhin ein Raunen durch den Saal geht, lässt er die Neider im Saal wissen: "Tja, Augen auf bei der Berufswahl!"

Die Pointen sind bei Kavanian nicht das Wichtigste. Sondern der Weg dahin. Etwa wie er mit der Stimme von Marty (dem von ihm synchronisierten Zebra aus den "Madagaskar"-Filmen) im Blumenladen den letzten Rosenstrauß ergattert, weil die holländische Verkäuferin "Madagaskar"-Fan ist. Als Gedankenspiel malt er sich aus, was gewesen wäre, hätte die Frau "Schweigen-der-Lämmer" bevorzugt? So macht er also auf Hannibal Lecter, den für seine "anti-vegane Ernährung" bekannten Kannibalen. Die Nummer fährt er an die Wand, weil die Trockeneismaschine zu viel "Nebel" produziert und er kichern muss. Ist natürlich "Shitbull", um es mit Dimitri Stoupakis zu sagen, tut dem guten Gesamteindruck aber keinen Abbruch.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.06.2015

Christian Ruf

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