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"Das Tolle ist der Live-Moment": DNN-Interview mit Jeanette Biedermann

"Das Tolle ist der Live-Moment": DNN-Interview mit Jeanette Biedermann

Vier junge Damen übernehmen ab Freitag das Zepter in der Comödie Dresden und verwandeln das Theater im World Trade Center in einen "Tussipark". So zumindest heißt das Stück aus der Feder von Intendant Christian Kühn, das heute Abend Premiere feiert.

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Ist ein Fan klarer Entscheidungen: Schauspielerin und Sängerin Jeanette Biedermann.

Quelle: Ralf U. Heinrich

In einer der Hauptrollen ist die Schauspielerin und Sängerin Jeanette Biedermann zu erleben. Die DNN hatten im Vorfeld der Premiere Gelegenheit zu einem Interview mit der zweifachen "Echo"-Preisträgerin.

Jeanette, du standest schon für erfolgreiche Serien vor der Kamera und fülltest mit deinen Konzerten große Arenen. Verspürst du da überhaupt noch so etwas wie Lampenfieber?

Jeanette Biedermann: Ja na klar, ohne Lampenfieber geht es nicht. Bei mir ist es auch wirklich unmittelbar vor der Premiere am Schlimmsten. Da schwirren einem noch mal Tausende Fragen durch den Kopf, wie die Leute im Publikum reagieren werden und so. Aber die Truppe von unserem "Tussipark" ist einfach super, das erleichtert vieles. Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie unsere Proben mit vier Mädels in einem Raum so abliefen. Da wird unheimlich viel gequatscht und gelacht.

Dürfen sich auch Vertreter des "starken Geschlechts" in die Nähe eures Damenquartetts trauen?

Natürlich, wir beißen doch nicht und ihr Männer könnt in dem Stück auch eine Menge lernen. Es geht ja vor allem um Frauen, die feststellen, dass sie gar nicht so unterschiedliche Probleme haben, obwohl es auf den ersten Blick so aussieht. Am Anfang steht die Einsicht, dass Männer in gewisser Weise wie Zähne sind. Erst kriegt man sie schlecht, und wenn man sie hat, muss man sie pflegen oder sie verursachen andauernd Beschwerden. In Wahrheit sind die innersten Wünsche und Sehnsüchte der Mädels aber gar nicht so verschieden, sie lassen sich im Prinzip durch zwei, drei ganz simple Sachen erfüllen.

Frauen denken also oft zu kompliziert...

Nicht nur die Frauen. Ich glaube, Menschen grundsätzlich denken meist zu kompliziert. Oder wissen manchmal nicht, wie sie ein Problem angehen müssen. Ich persönlich denke, dass man im Leben immer eine Entscheidung treffen muss, egal in welcher Form. Nicht alles, was richtig ist, macht glücklich. Sondern nur das, was man für sich selbst entscheidet, was richtig ist. Aber diese Entscheidung muss man halt treffen.

Im "Tussipark" spielst du die Wanda, die sich in einer Tiefgarage verschanzt, nachdem sie ihren Verlobten in letzter Minute vor dem Traualtar stehen gelassen hat. Das ist ja nicht so nett, oder?

Wanda ist halt eine junge Frau mit totaler Bindungsangst. Sie lebt allerdings nach dem Schema F, das ihr ihre Mutter vorgelebt und vorge- legt hat. Die Mutter sagte immer, Kind du musst heiraten und eine Fa- milie gründen. Im Gespräch mit den anderen Mädels kriegt sie überhaupt erst einmal mit, dass sie für sich selbst eine Entscheidung treffen muss, um glücklich zu werden. Weil eben diese ganze Sache mit der Hochzeit nicht ihr Leben ist, sondern das ihrer Mutter. Insofern finde ich die Rolle der Wanda unheimlich faszi- nierend, denn sie entwickelt sich am Ende zu einer ganz starken Persön- lichkeit.

Wie viel Mitleid habt ihr vier mit Wandas armen Bräutigam?

Naja, der wird ja nur stehen gelassen, weil sie nicht weiß was sie will. Das ist letztlich das Problem von ganz vielen Menschen und dadurch verletzt man manchmal auch andere, was natürlich nicht gut ist. Wenn sie diesen inneren Konflikt früher für sich erkannt hätte, hätte Wanda vermutlich überhaupt nicht Ja zu dem Heiratsantrag gesagt und beide wären glücklich in ihrer Beziehung ohne Trauschein geblieben. Dass immer alles eine Frage unserer Entscheidungen ist, dieses Motto steht groß über dem Stück.

Bist du im wirklichen Leben manchmal auch ein wenig Tussi?

Ihr Journalisten versucht natürlich oft, solche Parallelen zu einem Stück zu ziehen. Aber es ist nur eine Rolle, die ich spiele. Und wenn alle meine bisherigen Rollen irgendwas mit mir gemeinsam hätten, wäre ich ein ganz schön schizophrener Mensch.

Als Sängerin und Fernsehschauspielerin erreichst du nicht selten ein Millionenpublikum. Welchen Reiz bietet da überhaupt die Theater-Arbeit?

Wie beim Singen auf der Bühne ist das Tolle der Live-Moment. Du kannst nicht einfach abbrechen und sagen, komm, das machen wir noch mal bis es perfekt ist. Gleichzeitig bin ich mit Leib und Seele Schauspielerin und möchte alle Bereiche meiner Kunst einmal gesehen haben. Das ist wie bei einem Piloten, der auch nicht sein ganzes Leben lang zwischen Köln und Berlin hin und her fliegen will, sondern auch mal die Karibik oder den Amazonas aus der Luft gesehen haben muss oder Loopings ausprobieren will. Und natürlich ist das Charmante an der Theater-Arbeit, dass du als Schauspielerin die Reaktion des Publikums unmittelbar spürst.

Vor einigen Monaten wurde in den Medien über eine Rückkehr von dir zu "Gute Zeiten schlechte Zeiten" spekuliert. Die Gerüchte halten sich hartnäckig, ist da was dran?

Nein, überhaupt nicht. Das ist wirklich reine Spekulation. Man hatte mich irgendwann einmal in einem Interview gefragt, ob ich jemals wieder eine Serie drehen würde und da habe ich gesagt, na klar, wenn der Stoff gut ist und die Rolle mir gefällt, bin ich dabei. Aber bis jetzt kam mir nichts über den Weg, wo ich dachte, das ist jetzt der Knaller. Aus dieser allgemeinen Aussage hat man letztlich gemünzt, dass ich zu GZSZ zurückgehe. Es gab aber beiderseitig nie entsprechende Anfragen oder Pläne. Das Gerücht hat irgendjemand in den Raum geworfen und so steht es leider heute noch im Internet, als ob es sich in einem Fischernetz verfangen hätte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.05.2014

Christoph Stephan

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