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Das Cinemaxx wird werbefrei - den Kindern zuliebe

Das Cinemaxx wird werbefrei - den Kindern zuliebe

Um attraktiver für Familien und Kinder zu werden, verzichtet das Kino am Schillerplatz als erstes Filmtheater der Cinemaxx-Gruppe ab April für alle Vorstellungen vor 18 Uhr auf Reklame.

Von Heiko Weckbrodt

"Werbeblöcke von 15 Minuten vor einem Kinderfilm sind für Fünf- oder Sechsjährige einfach zu lang", meint Kinoleiterin Theresa Gerstenberger und beruft sich auf viele Gespräche mit Eltern. "Die Kinder sind dann oft schon müde, wenn der Hauptfilm anfängt."

Daher werde man in Tagesvorstellungen nur noch ein paar Film-Trailer zeigen, was vom Publikum auch gewollt sei. Das bedeute zwar einen Verzicht auf etwa die Hälfte der täglichen Werbeeinnahmen, sagte Sprecher Arne Schmidt von der Cinemaxx-Zentrale in Hamburg. Die Dresdner Theaterleiterin Gerstenberger habe die Firmenleitung aber überzeugt, dass der Gewinn an Familienfreundlichkeit diese Einnahmeverluste wert sei.

Werbeeinnahmen machen in der Cinemaxx-Gruppe etwa fünf bis acht Millionen Euro - also bis zu vier Prozent - der rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz aus, teilte Schmidt mit. Weitere 120 bis 130 Millionen generiert der Verkauf der Kinokarten selbst, der Rest speist sich aus Gastronomie- und sonstigen Erlösen. Das Dresdner Cinemaxx hatte bisher etwa 100 000 Euro durch Werbung eingenommen, davon fällt künftig die Hälfte durch den Reklameverzicht im Kinderprogramm weg. Gerstenberger hofft, im Gegenzug mehr Familien und Kinder in ihr Filmtheater zu locken. Außerdem kann sie durch die nun kürzere Spieldauer pro Vorführung ein bis zwei Kinderfilme mehr pro Tag zeigen.

Der bereits im vergangenen Jahr eingeschlagene Kurs auf mehr Familienfreundlichkeit (günstigere Familientarife, eigener Spielplatz im Hause etc.) hat sich im Cinemaxx am Schillerplatz bereits ausgezahlt: 22 bis 25 Prozent des Publikums machen inzwischen Kinder und Familien aus, damit liegt das Dresdner Filmtheater an der Spitze der Unternehmensgruppe, die im Schnitt nur 2,8 Prozent Familienbesucheranteil hat.

Erfolge aus diesem Spezialisierungskurs kann das Dresdner Haus auch dringend gebrauchen: "2011 war unser schlechtestes Jahr", räumt Gerstenberger ein. Zählte das Kino 2010 noch 260 000 Besucher, waren es im Folgejahr nur noch 220 000 - ein Rückgang um immerhin 15 Prozent. Diesen allgemeinen Gästeschwund, der auch andere Kinos in Dresden und ganz Deutschland getroffen hat, soll nun per Spezialisierung aufgefangen werden.

Dazu gehören neben dem Fokus "Kinder und Familien" auch Seniorenveranstaltungen. Für die ist Gerstenberger aber bemerkenswerterweise strikt auf Tageslicht angewiesen: "Wir haben festgestellt, dass die Senioren nicht mehr aus dem Haus gehen, sobald es dunkel wird", erzählt sie. Doch nicht etwa die Angst vor nächtlichen Briganten ist schuld: "Die Rentner sagen uns immer wieder, dass die Fußwege in Striesen zu schlecht sind."

Waldpfad-Stolperfalle Striesen

Was da so ganz nebenbei bei einem Gespräch über Familienfreundlichkeit im Kino herauskommt, wirft kein gutes Licht auf die Versäumnisse der Stadtverwaltung: Filmvorführungen für Senioren sind im Großkino am Schillerplatz passé, weil die Fußwege in Striesen und Blasewitz so schlecht und die Laternen so trübe sind, dass sich kaum ein Rentner mehr nächtens aus dem Haus wagt. Und die Furcht der Älteren zu stürzen ist nachvollziehbar: So fein auch private Hauseigentümer die Gründerzeit-Villen im Zuzugsviertel Striesen saniert haben, so grauslich sind die Gehwege dazwischen, die man kaum noch als solche erkennt. Da sprießen Wurzeln lustig vor sich hin, haben sich Bordsteine auf Straßenniveau abgesenkt, ähneln Trottoirs eher Waldwegen.

Nachdem einer der übelsten Standortnachteile Striesens - die Sackgasse gen Datenautobahn - dank der privaten Glasfaser-Investitionen der Telekom nun endlich schwindet, sollte auch die öffentliche Hand jahrelang hinausgeschobene Infrastrukturprojekte angehen. Und da kann die längst überfällige Sanierung der Oehmestraße nur ein erster Schritt sein.

h.weckbrodt@dnn.de

Von Heiko Weckbrodt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.03.2012

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