Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Google+
Café Prag: Startschuss für die neue Markthalle in Dresden

Café Prag: Startschuss für die neue Markthalle in Dresden

Das ehemalige Café Prag am Dresdner Altmarkt hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Restaurant, beliebter Treff der Dresdner, Varietétheater mit bekannten Größen der DDR-Musikszene und zuletzt, seit 2007, Leerstand und drohender Zerfall.

Von Christin Grödel

Dieser allerdings ist nun abgewendet, denn gestern wurde der Startschuss für die nächste Etappe des Gebäudes abgegeben. Im Innenhof der Altmarktgalerie haben die Arbeiten für einen geplanten Neubau begonnen, der den Weg zu einer Markthalle Café Prag ebnen soll. In nur einem Jahr sollen 30 bis 40 Marktstände auf insgesamt 4000 Quadratmetern den Räumen neues Leben einhauchen.

Nachdem im alten Bestand bereits Anfang des Jahres alle Einbauten herausgerissen worden sind und die Drewag in den vergangenen Wochen vorbereitend neue Stromkabel verlegt hat, wurde gestern mit dem Abtragen der Bodenplatten im Innenhof begonnen. "In den nächsten vier Wochen wird hier eine archäologische Bestandsaufnahme gemacht, danach beginnen die Bauaushubarbeiten für den Neubau", erklärte Andreas Friedrich, Projektleiter der zuständigen Patrizia Investmentmanagement GmbH. Eine Untersuchung der beauftragten Dresdner Architekten Christine Borchers und Dietmar Kretschmar vor zwei Jahren hatte ergeben, dass ein Anbau möglich ist. Sich über drei Etagen erstreckend und mit einer Glasfassade versehen, soll der 1700 Quadratmeter große Neubau die Architektur der Altmarktgalerie aufnehmen. Während in dem Rondell Gastronomie geplant ist, wird das Erdgeschoss den Markthallencharakter widerspiegeln, der sich bis in das ehemalige Café Prag ausprägt.

Im alten Bestand sind die Arbeiten durch den Denkmalschutz bestimmt. "Natürlich sind wir da in ein gewisses Korsett gezwängt, aber das macht auch den eigenen Charakter und das Flair des Hauses aus. Es entsteht ein interessanter Spannungsbogen zwischen dem Bestand und dem Neubau", findet der Projektleiter. "Für solch ein Gebäude trägt man auch Verantwortung", fügt Eric Hennersdorf von der Patrizia-Niederlassung in Dresden hinzu. Das alte Treppenhaus sowie der Saal mit Galerie bleiben aus diesem Grund weitgehend unangetastet. Originale Farbschichten, die bei Untersuchungen gefunden wurden, sollen künftig auch die neue Farbgebung bestimmen.

Und nicht nur die alten Farben wurden freigelegt. Auch ein Wandgemälde, etwa zwischen 1954 und 1956 vom Dresdner Künstler Hans Kinder gefertigt, wurde im Zuge der vorbereitenden Arbeiten im Treppenhaus gefunden. Es soll nun vollständig freigelegt, restauriert und dann wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Außerdem wird die Fläche durch die Wegnahme der Wände links und rechts der Treppen vergrößert. Jeweils eine Rolltreppe auf jeder Seite sorgt für Komfort. Nach ihrer Fertigstellung ist die Markthalle sowohl vom Innenhof als auch vom Altmarkt erreichbar.

Projektleiter Friedrich glaubt an den Erfolg des neun Millionen Euro teuren Projektes. "Ich denke, wir haben gute Voraussetzungen, dass das Projekt funktioniert. Hier wohnen und arbeiten viele Leute, die Touristenzahlen steigen ständig und wir befinden uns im Herzen von Dresden", beschreibt Friedrich. Die Frequenz auf der Achse Prager Straße und Schloss sowie die gute Erreichbarkeit mit Parkplätzen seien ein Garant für Erfolg. Die Markthalle auf der Hauptstraße, die laut Friedrich aufgrund ihrer vielen Kioske und ihrem uneinheitlichen Angebot ohnehin nicht als Vorbild dient, liege weit ab vom Schuss. Auch die Nachfrage der Standbetreiber laufe gut, ein Drittel der Flächen sei bereits vermietet.

Friedrich plant ein in sich geschlossenes gastronomisches Angebot, das keine Ergänzung zum Untergeschoss der Altmarktgalerie darstellen soll. Eine bunte Vielfalt aus türkischen, indischen oder brasilianischen Spezia- litäten soll das Erlebnis Markthalle lebendig machen. "Es soll ganz verschieden riechen, man soll Dinge berühren können", schwärmt er, Eine Bühne im Saal, eben so wie vor 60 Jahren, wird den kulturellen Aspekt mit Veranstaltungen an den Wochenenden bedienen.

Das Café Prag am Dresdner Altmarkt feierte am 20. Dezember 1956 seine offizielle Eröffnung.

Zunächst wurden neben dem gastronomischen Angebot auch Modenschauen gezeigt.

Der Betreiber HO entschied sich später, auch nach zahlreichen Wünschen der Bevölkerung, das Konzept des Hauses neu zu fassen.

So wurde das Café Prag zu einem Varietétheater mit Tanzabenden und Gastronomie umgestaltet und entwickelte sich zu einem der beliebtesten Cafés der Stadt.

Regelmäßige Veranstaltungen gab es im Café Prag ab Mai 1958.

Bis zum Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 traten im Café Prag Künstler aus beiden deutschen Staaten und dem Ausland auf.

Danach wurde es ein beliebter Auftrittsort für Künstler der DDR und der sozialistischen Staaten.

1969, zum 20. Jahrestag der Gründung der DDR, traten hier "Die vier Brummers" auf.

Auch Olaf Berger, Sandra Mo & Jan Gregor, Susi Schuster, die "Jodelkönigin der DDR", oder O. F. Weidling waren zu Gast im Café Prag und feierten hier zum Teil ihre ersten Auftritte.

Nach der Wende wurde der Betrieb zunächst eingestellt.

1991 wurde das Gebäude nach dem Umbau zu einem "Luxor-Palast" unter dem Namen Balducci's Café Prag als italienisches Restaurant neu eröffnet.

Seit 2007 stand die Immobilie leer.

Die Eröffnung der Markthalle Café Prag ist für den Herbst 2013 geplant.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.08.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Boulevard