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Brachial-Comedian Mario Barth begeistert in Dresden die Massen

Brachial-Comedian Mario Barth begeistert in Dresden die Massen

Du gehst zu Mario Barth? Freiwillig? „Flache Männer-Frauen-Witze“, „peinliche Texte“ werden dem Barth, immerhin zehnfacher Gewinner des Deutschen Comedypreises, von Kulturjournalisten bescheinigt, die geflissentlich übersehen, dass Texte wie „She loves you – Yeah Yeah Yeah“ oder „Smoke on the water“ auch nicht intellektuelle Leuchttürme darstellen, wie der Kabarettist Vince Ebert einmal Barth-Kritiker wissen ließ.

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Mario Barth zu Gast in Dresden

Quelle: Dietrich Flechtner

All jenen, die in Barth einen „Kollateralschaden der Demokratie“ sehen, sei jedenfalls versichert: Er verstößt wohl nicht gegen die Genfer Konvention oder das Grundgesetz, allenfalls hie und da gegen guten Geschmack und Political Correctness. Und letzteres ist durchaus gut so. Wenn Satire alles darf, dann hat auch Barth sein Recht darauf, sein Ding durchzuziehen.

Archivbilder: Mario Barth bei seiner vorherigen Tour:

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Mit seinem Programm „Männer sind Schuld, sagen auch die Frauen“ gastiert Mario Barth vom 3. bis 5. Oktober 2012 gleich an drei Tagen in der Leipziger Arena.

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Nun gastierte er mit seinem Programm „Männer sind schuld, sagen die Frauen“ in Dresdens Messehalle. Die war zwei Abende lang komplett gefüllt. Fast 9600 Männer und Frauen erlebten ein Gastspiel, das mit einem Feuerwerk und Krawumm begann und auch so endete. Als Bühnenbild war eine Art Berliner Straßenszene mit U-Bahn-Waggon aufgebaut, die allerdings keine weitere Funktion hatte.

Barth steht für traditionelle Werte und für Simplizität, was ihn gleichwohl nach Zuschauerzahlen zum erfolgreichsten Komiker Europas macht. Er wirft einen Blick auf den modernen Mann, dem nachgesagt wird, ein überaus kompliziertes Wesen zu sein, mit dem simpel gestrickten Vorgängermodell früherer Epochen nichts mehr gemein zu haben. Vorzugsweise erzählt der Brachial-Comedian (nicht zu verwechseln mit einem Brachial-Romantiker Olaf Schubertscher Prägung) im Berliner Dialekt, denn man als sexy empfinden kann, aber nicht muss, von seiner Freundin, die er im Laufe des Abends vorzugsweise „The Brain“ nennt. Seine Freundin ist nicht doof, versichert er, hat diese doch studiert. Und zwar fertig. Mit Diplom, nicht Bachelor. Und ohne sie hätte er nichts zu erzählen, wie er einräumt. Rasch erweist sich: Der häufigste gegen Barth vorgebrachte Vorwurf lautet, sein Humor sei frauenfeindlich, trifft zu – und ist doch nur die halbe Wahrheit, bekommen doch beide, sich gegenseitig in den Wahnsinn treibende Geschlechter ihr Fett ab.

Zusammengerechnet zwei Stunden erzählt der 42-Jährige frei nach dem Motto „Wir Berliner tragen das Herz auf der Zunge“ allerlei Sottisen, hampelt herum und zieht Grimassen, wie es zuletzt in grauer Comedian-Vorzeit bei Didi Hallervorden zu Nonstop Nonsens-Zeiten en vogue war. Fakt ist: Der Humor Barths ist absolut voraussetzungslos, wirkt zugegebenermaßen in seiner konsequenten Beschränkung fast schon wieder originell. Vorzugsweise geht es um unterschiedliche Denkmuster und Verhaltensweisen der beiden Geschlechter. Für einen Mann ist eine Spülmaschine ja dann schon richtig eingeräumt, wenn der Deckel zugeht, Frauen hingegen haben ein System beim Einräumen, wie Barth zu vermitteln versucht. Frauen hätten einfach eine andere Wahrnehmung – „und die ziehen das durch“, konstatiert Beziehungsberater Barth. Zur weiblichen Logik gehört, dass dann schon mal ein Satz fällt wie „Ich möchte keine Blumen, nur weil ich gesagt habe, dass ich Blumen will“.

Jeder, wirklich jeder kann hier alles verstehen – auch weil es nicht, wie bei etlichen Kollegen, um Prominente oder Politiker geht, weiß ja schließlich keine Sau im Saal – das legt jedenfalls die Pisa-Studie nahe –, wie der derzeitige Bundesjustizminister heißt oder was noch mal genau am 20. Juli 1944 passiert ist. Der Horizont von Barths Bühnenfigur reicht kaum weiter als zur Tür der eigenen Wohnung. Manche Sprüche, wie etwa „Feng Shui Master? Ich dachte da an so eine Art Chuck Norris“ (den kennen wiederum viele Intellektuelle nicht) sind vielleicht schlicht, schlecht aber auch nicht. Kurz nach der Pause wird es zugegebenermaßen eklig, wenn es lang wie breit und bemüht ums Furzen geht, richtig gut war aber die als Vorblick aufs kommende Show-Programm „Männer sind bekloppt, aber sexy!“ gespielte Zugabe.

Christian Ruf

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