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"Bootcamp" im Großen Garten in Dresden - Großstädter lassen sich freiwllig quälen

"Bootcamp" im Großen Garten in Dresden - Großstädter lassen sich freiwllig quälen

Im strömenden Regen von einer schreienden Stimme angetrieben werden. So hatte ich mir meine erste Trainingsstunde in einem Bootcamp vorgestellt.

Meine Angst war groß, doch meine Neugier war größer. So machte ich mich eines Abends auf in den Großen Garten, um mich mit einer sportwütigen Truppe zu treffen. Mit dabei war der Personal Trainer Marcus Borsdorf, der wöchentlich einen Kurs leitet. Was dann folgte, sollte mein untrainierter Körper noch ganze drei Tage später spüren.

Das englische Wort "boot" bedeutet übersetzt "einen Fußtritt geben". Diese Erkenntnis linderte meine Angst überraschenderweise nicht. Ich konnte den ganzen Tag an nichts anderes denken als an einen überdimensional großen Ex-Army mit tötendem Blick und Trillerpfeife. Ursprünglich kommt der Begriff "Bootcamp" nämlich aus den USA und bezeichnete Ausbildungsstätten für Soldaten. Später wurde die Bezeichnung auch für strenge Umerziehungslager z.B. für schwererziehbare Jugendliche verwendet. Ich hoffte inständig, dass der Ursprung des Wortes nichts mehr mit dem heutigen Sporttrend zu tun hatte. Und wenn doch, hoffte ich auf Welpenschutz.

Zähne zusammenbeißen

Nun gab es kein Zurück mehr! Ich stand an dem Treffpunkt und blickte nervös um mich. Sofort entdeckte ich den sympathisch lächelnden Trainer Marco im knallgelben T-Shirt mit der Aufschrift: "Du willst mehr?" Ich zweifelte kurz, ob ich das wirklich wollte. Doch ich begab mich schließlich zu der kleinen Bootcamp-Truppe. Im Durchschnitt sind es fünf bis acht Teilnehmer. An dem Abend waren es zwar nur zwei Frauen und ein Mann, doch der Empfang war umso herzlicher. Mir wurden sofort Anti-Mückenspray und Wasser gereicht.

Doch viel Zeit zum Kennenlernen blieb nicht. Die Karawane zog Punkt 19.30 Uhr los. Wir fingen mit einem fünfminütigen "Warm-up" an und joggten bis zum ersten Stopp. Dort versuchte ich die ersten dynamischen Muskelübungen nachzuahmen. Natürlich stets unter dem strengen Blick von Marco. "Und tief runter beugen!" Zum Glück war es bereits dunkel und es konnte niemand sehen wie weit meine Hände von meinen Fußspitzen entfernt waren. Ich zum Glück auch nicht.

Dann ging es weiter, aber im höheren Tempo. Und nach gerade mal 20 Minuten des Trainings war schon der Punkt erreicht an dem ich das erste Mal das böse SCH-Wort vor mich hin ächzte. Ich hatte Seitenstechen, war verschwitzt und wütend über meine nicht vorhandene Kondition. Jetzt hieß es Zähne zusammenbeißen! In diesem Augenblick erinnerte ich mich an das Vorgespräch mit dem Leiter des Dresdner Bootcamps, Jörn Bock, und an seine weisen Worte: "Sie wissen, auf was Sie sich da einlassen?" Jetzt wusste ich was er meinte.

Ich dachte das Schlimmste hatte ich überstanden, doch nun folgte erst der Hauptteil des Bootcamp-Programms. Es ging ab auf die Wiese. Statt einer weichen Isomatte gab es nun eine schöne Schicht Laub mit spitzen Kastanienschalen und einer Prise Erde. Doch das gehört zum Bootcamp-Konzept. Es geht um Sport in der Natur statt im Fiti, um frische Luft statt Schweißgeruch, und vor allem geht es um das Gruppenerlebnis statt um den verbitterten Einzelkampf gegen die Kilos.

Natur statt Fitnessstudio

Und tatsächlich: Das Konzept ging für mich persönlich auf. Die Liegestütze, Kniebeugen und besonders die verhassten Sit-ups waren zwar immer noch eine Qual, aber ich machte sie. Und nicht gerade wenige - für meine Verhältnisse. Ich schaltete komplett ab und tat es einfach. Das einzige was ich noch hörte waren die zahlreichen Motivationssprüche von Marco: "Los, ihr packt das! Wie viel Liegestütze hast du schon? Da geht noch mehr! Ihr seid klasse!" Was für ein Lobgesang! Bis zu dem Satz: "Doch ein bisschen brennen muss es auch!" Was tut man nicht alles für ein knackiges Popöchen. Zum Abschluss wurde noch mal die wichtigste Muskelgruppe trainiert, die Lachmuskeln, und zwar mit einer Gruppenakrobatik aus Kindheitstagen: Schubkarrenfahren. "Einige Schubkarren sind auch schon mal zusammengebrochen", erzählt mir Marco mit einem verschmitzten Lächeln. "Trotzdem bleibt der Spaß an der Sache, und das ist ja das Wichtigste."

Nach höchstimpulsiven 60 Minuten beendeten wir das Bootcamp-Training. Ich war unglaublich erleichtert und ja, ich geb's zu, auch stolz wie Oskar! Ich hatte es überlebt! Jetzt freute ich mich nur noch auf eine Dusche und mein wohlverdientes Abendbrot. Wie wohl ein Personal Trainer entspannt? "Gemütlich auf der Couch vor dem Fernseher", verrät mir Marco. Die nächsten drei Tage verbrachte ich auch nur dort, denn so einen Muskelkater hatte ich noch nie!

Habt ihr Interesse? Dann meldet euch an unter: www.dasbootcamp.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2012

Lisa Kirsten

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