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Bei Sarrasani in Dresden sind plastinierte „Real Bodies“ eingezogen

Alles menschlich Bei Sarrasani in Dresden sind plastinierte „Real Bodies“ eingezogen

Romantische Gefühle sollte man besser zu Hause lassen. Neugier und Aufmerksamkeit aber sind gefragt beim Blick ins Innerste des Menschen. Unter der Haut ähneln wir uns alle. Insoweit ist das, was derzeit im Sarrasani-Zelt am Wiener Platz zu sehen ist, völlig normal.

Über 200 Exponate, darunter 35 vollständige Körper, sind durch Plastinationsverfahren konserviert worden.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Romantische Gefühle sollte man besser zu Hause lassen. Neugier und Aufmerksamkeit aber sind gefragt beim Blick ins Innerste des Menschen. Unter der Haut ähneln wir uns alle, Unterschiede machen nur Gesundheit oder Krankheit, Fitness oder Untrainiertheit aus. Insoweit ist das, was derzeit im Sarrasani-Zelt am Wiener Platz zu sehen ist, völlig normal. Gewöhnungsbedürftig für Normalsterbliche, die nichts mit Pathologie am Hut haben und nicht mal TV-Krimis schauen, könnte nur der Gedanke sein, dass es Verstorbene sind, die hier zeigen, wie der Mensch funktioniert.

Die Ausstellung „Real Bodies“ ist nach Venedig und Lissabon erstmals in Deutschland zu sehen. Vorerst wahrscheinlich nur in Dresden, wie Deutschland-Veranstalter Peter Kral erklärte. Italienische Wissenschaftler haben in Kooperation mit der Universität Padua diese Schau der Anatomie (beginnend mit der entsprechenden Historie), der Struktur und Arbeitsweise des menschlichen Körpers und die seiner einzelnen Organe entwickelt. Am Ende des Rundgangs soll der Besucher „zu der Schlussfolgerung kommen, dass auch eine so ,perfekte Maschine‘ wie der menschliche Körper erkranken kann“, schreibt der Forensische Pathologe Dr. Antonello Cirnelli im Katalog. Er betont: „Alles wird so wiedergegeben, wie die Natur es uns geschenkt hat.“

Da treiben also Männer diverse Sportarten, steht eine Tänzerin auf Spitze, zeigt ein alter Mensch, an welchen Krankheiten seine Organe leiden oder eine werdende Mutter ihren Fötus. Und wir sehen die Aktionen seziert, bestaunen ein Wunderwerk aus Knochen, Muskeln, Blutbahnen und Nerven. Die Vitrinen halten aber auch Krebsgeschwüre bereit und – zur Abschreckung –eine Raucherlunge. Die Box zur Entsorgung der Zigaretten steht gleich daneben.

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Beeindruckende Exponate in den Dresdner Körperwelten

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Über 200 Exponate, darunter 35 vollständige Körper, sind durch Plastinationsverfahren konserviert worden. Kuratorin Laura Navarro unterstrich, dass die natürlich Verstorbenen (Chinesen und Amerikaner, wie sie sagte) ihre Körper freiwillig der Wissenschaft zur Verfügung gestellt hätten. Persönliche Daten werden ausdrücklich nicht genannt. Mit einer besonderen Technik wird das Geflecht der Gefäße dargestellt. Frontalschnitte von Körperpartien in Epoxidharz wirken fast wie ein Kunstprojekt. Aber alles ist echt. Nur die Linse des Auges und die weibliche Brust können auf Grund ihres hohen Wasser- bzw. Fettgehalts nicht plastiniert werden.

Was unterscheidet nun die Real Bodies von den Körperwelten eines Gunther von Hagens? Der wissenschaftliche Anspruch, meint Agenturchef Kral. Im Vordergrund stehe die „Maschine Mensch“, weniger Kunst und Effekte. Doch ganz ohne solche geht es auch nicht. Dafür sorgen schon Posen und Situationen der Objekte. Die Ausstellung will wissenschaftlich informieren und einen Schauwert befriedigen, dazu hat sie sich noch den Präventionsgedanken auf die Fahnen geschrieben. In einzelnen Räumen kann man sich anhand verschiedener Medien auf die Reise zum Menschen begeben. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht. Für Kinder hält der Audioguide einen Extra-Text bereit.

Geöffnet: Bis 31. Juli, Mo.-Do. u. So. 10-18 Uhr, Fr. u. Sa. 10-22 Uhr (letzter Einlass eine Stunde vor Schließung); Preise: 17 Euro, ermäßigt 14 Euro, Kinder (7-14 J.) 9 Euro, Familienticket 42 Euro; Audioguide 3,50 Euro, Katalog 14,90 Euro;Tickets unter: www.real-bodies-dresden.de

Von Genia Bleier

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